Elsässers Auslese: Warum es an der Börse rumpelt

kolumneElsässers Auslese: Warum es an der Börse rumpelt

Kolumne von Markus Elsässer

Das Jahr 2016 hat die Aktionäre aufgeschreckt. Angst und Verunsicherung gehen um. Warum fallen Aktienkurse eigentlich und woran liegt es diesmal?

An allen wichtigen Börsenplätzen muss eine ganze Industrie von Reportern und Analysten täglich die Kursentwicklung der Aktien kommentieren. Für jedes „auf“ und „ab“ der Aktien wird versucht, eine Erklärung zu finden. Und immer sind Antworten da. Das ist schon erstaunlich. Aber nur so lassen sich die täglichen TV-Börsenformate füllen.

Hinter dem gewaltigen Börsengetöse wird meist übersehen, dass es sich bei den Aktienbörsen ja nicht um offizielle ökonomische Gradmesser oder volkswirtschaftliche Bewertungsanstalten handelt. Ganz im Gegenteil. Die Kurse kommen ja rein durch Angebot und Nachfrage zustande. Bei vielen Anlegern herrscht der Irrglaube, dass bei fallenden Kursen mehr Aktien verkauft werden, als gekauft werden. Das ist natürlich Unfug. Jeden Tag werden an der Börse genau gleich viel Aktien verkauft wie gekauft. Sonst käme ja gar kein Kurs zustande.

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Und das ist immer so, ganz gleich, ob an dem Tag die Kurse stark gefallen oder gestiegen sind. Auch in einem schlimmen Crash gibt es also jeden Tag genauso viele Investoren, die Aktien gekauft wie verkauft haben. Dennoch entsteht der Eindruck bei einem Börsensturz, dass die ganze Welt sich von den Aktien getrennt hat. Hier berühren wir zum ersten mal die psychologische Komponente der Börsenwirkung.

Gewollte und ungewollte Verkäufe

Ausschlaggebend für die tägliche Kursrichtung ist also, welche Seite bei einer Börsentransaktion es sozusagen „dringender“ hat. Will der Käufer „auf Teufel komm raus“ eine bestimmte Aktie in sein Depot aufnehmen oder hat es der Verkäufer eilig und ist bereit, zu tieferen Kursen auszusteigen. Hier kommen wir zu der Frage, warum es für Aktienkurse viel leichter ist, zu fallen als zu steigen. Der Verkaufsdruck an der Börse entspringt den Gegebenheiten des normalen Lebens. Die Anleger brauchen immer wieder aus den verschiedensten Gründen Geld und müssen sich - gewollt oder ungewollt - von Aktien trennen: Rechnungen sind zu bezahlen, Steuern zu entrichten, Hochzeiten werden gefeiert, Todesfälle erzwingen eine Änderung in der Depotstruktur und vieles mehr. Diesen Verkaufsentscheidungen liegen überhaupt keinerlei Überlegungen zum aktuellen Wert einer Aktie zu Grunde. Die Liquidität wird benötigt. In diesem Szenario dominiert nicht die Psyche der Geldanleger, vielmehr die nackten Fakten.

Damit haben wir den eigentlichen Treiber der Aktienkurse identifiziert, nämlich die Käufer von Aktien. Anders als die Verkaufsseite wurzeln Kaufentscheidungen nicht auf den realen Gegebenheiten des Lebens. Kein Mensch muss Aktien kaufen. Nein, die Käufer werden nur dann aktiv, wenn sie eine bewusste Investmententscheidung getroffen haben: Ein fester Entschluss zum Wert der Aktie und zur Aussicht auf eine positive Kursentwicklung. Diese Einschätzung hat ihre Verankerung in der Psyche des Geldanlegers. Das trifft sowohl für private wie institutionelle Investoren gleichermaßen zu. Auf der Kaufseite dreht sich alles darum, wie die Realität und die Zukunft subjektiv wahrgenommen werden.

Fragile Psyche

Am Ende des Tages stehen im Zentrum der Börsen-Kursfindungen nicht Rechenmodelle, sondern Menschen mit ihren Erwartungen, Ängsten und Wahrnehmungen. Seit Jahrhunderten ist die Psyche der Börsenteilnehmer ein fragiles und leicht angreifbares Konstrukt. Doch was löst eine Richtungsänderung der Psyche an der Börse aus? Woher kommt der Anstoß, dass Nachrichten aus Politik und Wirtschaft so interpretiert werden, dass sie eine Umkehr der Kursrichtung bewirken können und manchmal seltsamerweise eben nicht?

Die Antwort auf diese Frage ist im Mechanismus des internationalen Börsensystems zu finden. Nur wenigen Geldanlegern und Aktionären in Deutschland ist bekannt, dass die meisten Broker - vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Asien – kein festes Gehalt beziehen. Sie werden rein variabel entlohnt. Ihr Verdienst richtet sich nach den getätigten Umsätzen der Kunden. Sie erhalten einen Prozentsatz der An- und Verkaufsspesen. Eine riesige Industrie von Aktienhändlern, Maklern und Wertpapierberatern ist auf Gedeih und Verderben auf die Börsenumsätze angewiesen. Bei flauen Umsätzen verdienen sie fast nichts, bei großen Umsatzbewegungen verdienen sie unbegrenzt „nach oben“. Angst und Euphorie geben sich die Hand.

Das gesamte Börsensystem ist von daher auf den Faktor „Umsatz“ aufgebaut. Hohe Kurse oder tiefe Kurse sind für das System hinnehmbar, aber in keinem Fall ein „Einschlafen“ der Börsentransaktionen. Deshalb ist der permanente Fluss an Geschäftskommentaren und -nachrichten so wichtig. Es bedarf täglich der Anlässe, Geldanleger und Aktionäre zur Aktion zu bewegen.

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6 Kommentare zu Elsässers Auslese: Warum es an der Börse rumpelt

  • Wenn Ölgesellschaften 2014 noch komfortabel 1/3 des Jahresgewinnes als Dividende ausschütteten, während der aktuelle Jahresgewinn nicht reicht, die Dividende des Vorjahres zu finanzieren, dann sind es durchaus realwirtschaftliche, harte Fakten, die der Börsenbewertung zugrunde liegen.

    Es mag sein, daß "gute" Aktien 90% ihres Wertes verlieren und sich danach verzehnfachen, also wieder dort sind, wo sie herkamen. Aber welche Überrendite hätte der erzielt, der zum Beginn des Abwärtstrends aus- und ungefähr unten wieder eingestiegen wären?

    Ansonsten ist die Börse der realwirtschaftlichen Entwicklung ca. 1/2 Jahr voraus. D.h. wenn die Kurse scheinbar "grundlos" abstürzen, sind die Quartalszahlen (als nachlaufender Indikator) später auch entsprechend schlechter.

    Buy and Hold funktioniert in einem Geldsystem ohne Zinsen und Teuerung nur noch bei Wachstumswerten. Aber selbst diese leiden in einer Krise, vgl. die Kursrückgänge von Apple, Google und Amazon 2008. Insofern ist Timing zur Erzielung von Überrenditen schon wichtig.

  • Woran liegt es diesmal?
    Der gesamte „Aufschwung der USA“ wurde ausschließlich auf das Fracking begründet, alles auf Pump finanziert. Um rentabel fördern zu können benötigen die meisten Fracking-Firmen Preise von mind. 100 $.
    Noch bevor der Ölkrieg der Saudis gegen Russland begann, hatten sich viele amerikanische Fracking-Firmen gegen fallende Ölpreise abgesichert. Diese Versicherungen laufen nun sukzessive aus und treffen die auf Pump finanzierten Investitionen mit voller Wucht. Viele stehen buchstäblich vor dem Ruin.
    Das war also der viel gepriesene amerikanische Aufschwung.

    Im Januar waren Kreditrückforderungen in Höhe von ca. 5 Bio. $ an die Banken fällig, die nicht zurückgezahlt werden können. Vor allem europäische Banken hatten sich bei der Kreditvergabe an die Fracking-Firmen ihre Bilanzen aufgehübscht, was nun zum Bumerang-Effekt und schließlich zum Konkurs der größten europäischen Banken führen wird.

    Das Börsenbeben bei den Banken ist also lediglich der Anfang einer Abwärtsspirale bis zum endgültigen Zusammenbruch des Weltfinanzbetrugssystems, wie wir es heute kennen.

    http://www.bueso.de/node/8396

    Dem gesamten transatlantischen Finanzsystem droht der Supergau. Allein in den letzten Wochen haben sich 15 Mrd.$ an Ramschanleihen und auch bester Unternehmensanleihen in Luft aufgelöst. Das ist nur ein Vorbote für das akut drohende Platzen der transatlantischen Finanzblase. Am 1. Januar 2016 steht in Puerto Rico eine Schuldenblase von 72 Mrd.$ unmittelbar vor dem Platzen. Der US-Kongreß hätte noch vor den Feiertagen präventiv eingreifen können, tat es jedoch nicht.
    Geschätzte 5 Bio.$ aus dem kollabierenden Öl- und Gasschiefermarkt in den USA dürften nicht zu retten sein. Im Westen Kanadas ist diese Blase bereits geplatzt, mit der Folge von Massenentlassungen, Zusammenbruch des Immobilienmarktes und sozialen Verwerfungen. Die gleiche Krise rollt jetzt mit hoher Geschwindigkeit auf die Vereinigten Staaten zu, nur mit viel schwerwiegenderen Folgen.

  • „Damit haben wir den eigentlichen Treiber der Aktienkurse identifiziert, nämlich die Käufer von Aktien“.

    Immer dann, wenn die Aktienkurse weltweit zum schon längst überfälligen Sinkflug ansetzen, kommen wieder die Zentralbanken ins Spiel, die mit ihren unendlichen Milliarden und Billionen den Aktienmarkt „fluten“ und damit Friede, Freude, Eierkuchen suggerieren, obwohl das Kartenhaus nur noch durch diese immer größeren und in immer kleineren Zeitabständen Rettungsmilliarden vor dem schon längst überfälligen Kollaps bewahrt werden können.

    Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten
    Steve Keen, 08.01.2010:
    Rund 80 Prozent der Tarp-Gelder, die dazu gedacht waren, die Wirtschaft zu beleben, gingen direkt in Spekulationen an den Aktienmärkten. Alleine deswegen sind die Aktienkurse so stark gestiegen. Wenn wir künftig zurückblicken, werden wir sehen, dass wir uns in der größten Finanzblase aller Zeiten befinden. Ein Grund dafür ist der Bankensektor, der völlig außer Kontrolle geraten ist.

    Schuldabschreibung, Bankrott der Banken, Verstaatlichung der Geldschöpfung, Neustart.
    Das Ponzi- Geldsystem ist einfach am Ende eines Zyklus angelangt. Wir brauchen ein Schulden-Reset und eine Reform der Geldordnung damit der Unsinn dann nicht von vorne beginnt.

    „Um das System zu rekalibrieren, müssen wir wegkommen von der Kreditschöpfung der Banken und zurückkehren zum so genannten Fiat-Money der Zentralbank.

    Noch ist dafür Zeit, seine Ersparnisse und sein Vermögen sicher und günstig in Edelmetalle umzuschichten, zum Werterhalt. Und erst nach dem großen Crash, von dem wir nicht mehr all zu weit entfernt sind und der den in den 20-ern bei weitem in den Schatten stellen wire, Akten kaufen von Firmen, die den Crash überlebt, bzw. umfirmiert haben – zu einem Bruchteil der derzeitigen Kosten. So wird da ein Schuh daraus.

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