
FrankfurtSpätestens die hohen Verluste des Starinvestors John Paulson haben den Mythos Hedge-Fonds endgültig ins Wanken gebracht. Paulson, der als einer der wenigen die Finanzkrise kommen sah und dann Milliarden verdiente, fuhr 2011 hohe Verluste ein und liegt auch 2012 im Minus. Die Gesamtbranche schafft im ersten Halbjahr immerhin ein Plus, doch es liegt dem Datendienstleister Hedge Fund Research zufolge auch nur bei 1,7 Prozent. Für Anleger ist das enttäuschend, allein schon, weil es am Aktienmarkt mehr zu verdienen gab.
Ganz besonders trifft diese Misere Dach-Hedge-Fonds, die ihrerseits einzelne Hedge-Fonds auswählen und einst die Branche prägten. Die Finanzkrise hat ihre Schwäche klar offengelegt: In guten Jahren für die Branche haben sie meist weniger verdient als Einzel-Hedge-Fonds, in schlechten Jahren aber mehr verloren.
Durch die enttäuschenden Ergebnisse stellen Dachfonds ihre eigene Existenzberechtigung infrage: Sie versuchen eigentlich, neue vielsprechende Manager möglichst früh zu entdecken, und wollen durch geschickte Auswahl der Zielfonds sowie rasche Umschichtungen Risiken minimieren - eine Art Sicherheitspuffer für die Investoren, die oft erste Erfahrungen mit Hedge-Fonds über Dachkonstruktionen sammeln; auch Privatanlegern bleibt vor allem dieser Weg für Anlagen in Hedge-Fonds.
Zahlt sich der Wissensvorsprung aber nicht aus, schlagen die höheren Gebühren von Dachfonds voll durch: Sie berechnen die Gebühren der Zielfonds und verlangen zusätzlich selbst eine Vergütung für ihre Leistung - am Ende bleibt weniger für die Investoren übrig. Gerade in Phasen insgesamt mauer Kapitalmarktrenditen und niedriger Zinsen macht sich der Unterschied bemerkbar. "Das ist ein Problem für die ganze Branche, bei Dachfonds wird es besonders deutlich", sagt Jacob Schmidt, Chef der Londoner Beratungsfirma Schmidt Research Partners.
Investoren haben längst reagiert und ziehen sich aus Dachfonds zurück. Seit 2008 sind per saldo mehr als 180 Milliarden Dollar abgeflossen, während Einzel-Hedge-Fonds nach einer Schwächephase wieder Geld einsammeln. Die Folge: Die Bedeutung der Dachfonds sinkt. Im Jahr 2007 verwalteten sie fast 800 Milliarden Dollar und 43 Prozent des damaligen Gesamtvermögens der Branche. Zuletzt kamen sie auf 640 Milliarden Dollar. Das sind gerade noch 30 Prozent der 2130 Milliarden Dollar, die heute in Hedge-Fonds stecken.
Auch die Dachfonds selbst haben reagiert. Ihre Anzahl ist in den vergangenen fünf Jahren von fast 2 500 auf zuletzt knapp 2 000 gesunken. Etliche Anbieter gaben auf, andere fusionierten. Es gab mehrere große Übernahmen: Der weltgrößte Hedge-Fonds-Anbieter Man Group übernimmt Financial Risk Management, Gottex aus der Schweiz und Penjing aus Hongkong fusionieren, ebenso Kenmar und Olympia sowie UBP und Nexar. Die Ratingagentur Fitch meint aber, dass die Fusionen sich damit dem Ende nähern: "Nach der jüngsten Konsolidierungswelle bleiben nur noch eine Handvoll Kandidaten für größere Zukäufe", heißt es in einer Studie.
Schmidt glaubt, dass sich die Konsolidierung auch auf andere Art fortsetzen und "durchaus brutal ausfallen" werde. Die verbleibenden Dachfonds müssten entweder schrumpfen und sich spezialisieren - auf Anlagen in Asien oder auf kleine, neue Fondsmanager - oder künftig stattdessen als Berater für Investoren agieren. Auch Fitch rechnet damit, dass Dachfonds sich mehr auf Beratungsangebote ausrichten.






















