Engelmanns Eigenhandel: Am Mittelmeer geht nichts mehr

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Am Mittelmeer geht nichts mehr

Kolumne von Oliver Engelmann

Die Situation an den Anleihemärkten der Euro-Südländer spitzt sich schon wieder zu. Bundesanleihen könnten dagegen weiter im Kurs steigen – neue Allzeittiefs bei den Renditen sind nicht mehr fern.

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April, April? - Präsident Nikos Anastasiades plant zu Rettung Zyperns den Bau eines Spielkasinos

Glaubt man der "freien Enzyklopädie" Wikipedia, dann schicken die Menschen einander schon seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts in den April! Der Brauch, leichtgläubige Zeitgenossen mit vollkommen frei erfundenen Geschichten und Informationen zu füttern und sich anschließend an deren Reaktionen zu ergötzen, hat also eine lange Tradition. Für einen verfrühten Aprilscherz hätte man ohne weiteres auch halten können, was der zypriotische Präsident Nikos Anastasiades am Ostersonntag in einem Zeitungsinterview zum Besten gab. Um die Folgen der schweren Finanzkrise in den Griff zu bekommen, unter denen das Eiland im Mittelmeer leidet, plant Anastasiades, ein Spielkasino zu errichten. Die Einnahmen aus Blackjack, Poker und Mau Mau sollen dann dabei helfen, die Staatsfinanzen zu sanieren. Zypern - ein neues Monte Carlo? Ein Las Vegas im Mittelmeer? Wie sagen die Croupiers? "Rien ne va plus - nichts geht mehr!"

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Gleiches gilt für Italien. Denn auch wenn die politische Lage dort über den Turbulenzen auf Zypern in den vergangenen zwei Wochen etwas in den Hintergrund getreten ist, so ist man in Rom von einer Regierungsbildung doch immer noch so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Nach intensiven Gesprächen mit Vertretern aller maßgeblichen Parteien musste Staatspräsident Napolitano am Wochenende erkennen, dass sich 115 Kardinäle der katholischen Kirche schneller auf ein neues Oberhaupt einigen können als drei Parteiführer auf einen neuen Ministerpräsidenten. Nun sollen zehn "Weise" das Land vor dem Untergang bewahren. Man darf gespannt sein, ob diese "Weisen" in der Lage sind, die in sie gesetzten Erwartungen auch nur ansatzweise zu erfüllen. Neuwahlen dürften schon bald auf dem Programm stehen. Damit geht die Hängepartie weiter und wertvolle Zeit für die Sanierung der Staatsfinanzen verloren. "Rien ne va plus - nichts geht mehr!"

Verzweifelte Flucht

Auch in anderen Staaten der Euro-Zone bleibt die Lage angespannt. Man denke nur an Spanien und die auf der iberischen Halbinsel herrschende Arbeitslosigkeit. Zeichen einer wirtschaftlichen Belebung sind weit und breit nicht zu erkennen und schon jetzt mündet die Verzweiflung insbesondere der jungen Spanier in eine Fluchtbewegung in Richtung der (noch) prosperierenden nördlichen Staaten der Euro-Zone. Die Freizügigkeit innerhalb Europas macht dies möglich, die Perspektivlosigkeit in der Heimat nötig. Wer will es den jungen Menschen verübeln, wenn sie ihr Glück in der Fremde suchen? Zwar blieben alle wohl lieber im heimischen Spanien, doch bei einer Arbeitslosenquote von über 25 Prozent heißt es für viele: "Rien ne va plus - nichts geht mehr!"

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