Engelmanns Eigenhandel: Anleger rüsten sich für Extrem-Szenarien

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Anleger rüsten sich für Extrem-Szenarien

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Unerwartet gewann mit Antonis Samaras die konservative Nea Demokratia. Doch die Euphorie über den Verhinderten Euro-Austritt Griechenlands hielt nicht lange.

Kolumne von Oliver Engelmann

Von wegen „Schicksalswahl“: Der Ausgang der Wahlen in Athen gemahnt unseren Kolumnisten  an das Hornberger Schießen. Entscheidend für die Zukunft des Euro sind Spanien und Italien ­ und deren Staatsanleihe-Renditen können Investoren das Fürchten lehren.

"Jedwedes Kind auf der weiten Erd', vom Hornberger Schießen schon hat gehört. Das Pulver ging aus zur schönsten Stund', so dass man nicht mehr schießen kunnt!" Dieser in den Stadtbrunnen Hornbergs gemeißelte lyrische Erguss aus dem Jahre 1564 erinnert Besucher der württembergischen Metropole noch heute an jenes denkwürdige Ereignis, das der Stadt für alle Zeiten einen Platz im reichen Schatz deutscher Redewendungen sichern sollte.

Württembergs Herzog Christoph hatte sich - so die Legende - zu einem Besuch angesagt und wie es guter Brauch war, wollten die Hornberger ihren Landesfürsten gebührend empfangen. Salut sollte geschossen werden. Eine Postkutsche und eine Rinderherde - beider gleichermaßen Staub aufwirbelnd - hielt man in Hornberg nacheinander versehentlich für den Herzog und seine Entourage, so dass das Pulver zur Begrüßung des adeligen Herren schon verschossen war, bevor der überhaupt eintraf.

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Lockerung der Sparauflagen

Wie das Hornberger Schießen will einem auch der Ausgang der griechischen Parlamentswahl erscheinen. Mit viel Getöse war in den vergangenen Wochen in Presse, Funk und Fernsehen bereits der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für den Fall verkündet worden, dass das Linksbündnis Syriza um den neuen Politstar Alexis Tsipras an die Regierung gelangen würde. Die Wahl wurde so zur "Schicksalsentscheidung" hochstilisiert, zur Wahl zwischen Euro und Drachme, zwischen Rettung und Untergang. Zwar konnte die vereinigte Linke in den Wahlen vom Wochenende deutlich zulegen, doch reichte es nicht für einen Auftrag zur Regierungsbildung, geschweige denn für eine absolute Mehrheit.

Und selbst wenn Tsipras die Griechen klarer von seinen Konzepten für die Zukunft des Landes hätte überzeugen können, eine dramatische Wende wäre am Ende wohl doch ausgeblieben. Denn auch Tsipras und seine Syriza-Partei streben letztendlich keinen Austritt des Landes aus der Euro-Zone an. Nun wird - Ironie des Schicksals - der Konservative Antonis Samaras in Brüssel anklopfen, um eine Lockerung der Sparauflagen zu erreichen, die Griechenland von seinen Gläubigern auferlegt wurden.

Naiver Optimismus

Die Reaktion der Börsen auf den Wahlausgang vom Wochenende zeigt das ganze Dilemma der europäischen Politik. Ähnlich wie bei der Verkündung der Hilfsmaßnahmen für Spaniens gebeutelten Bankensektor hielt auch die Euphorie über den Wahlsieg der Nea Demokratia nur kurz an; danach überwogen schon wieder Befürchtungen um die Zukunft - die Griechenlands, die Spaniens und die der ganzen Euro-Zone. Der Renditeabstand zwischen spanischen und deutschen Staatsanleihen, der sich zu Eröffnung des Handels am Montagmorgen noch verkleinert hatte, vergrößerte sich im Laufe des Tages wieder.

Auch italienische Staatsanleihen gerieten erneut unter Druck. Zehnjährige spanische Staatsanleihen rentieren mittlerweile über sieben Prozent, zehnjährige italienische über sechs Prozent. Der Euro, der gegenüber dem Dollar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses deutlich zugelegt hatte, gab seine Gewinne im Laufe des Montags nahezu vollständig wieder ab; einzig die Aktienmärkte präsentierten sich freundlich, was in den Augen ketzerischer Rentenhändler aber wohl mehr mit dem naiven Optimismus vieler Aktienhändler denn mit der einer objektiven Bewertung der politischen und wirtschaftlichen Lage in der Euro-Zone zu tun hatte.

 

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