Engelmanns Eigenhandel: Das Schreckgespenst des Schuldenschnitts

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Das Schreckgespenst des Schuldenschnitts

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In vielen Buchhandlungen stehen stapelweise Ausgaben des neuen Buches von Thilo Sarrazin.

Kolumne von Oliver Engelmann

Thilo Sarrazins Buch hat unser Kolumnist nicht gelesen, ihm reicht es, das Drama der Währungsunion an jedem Börsentag live zu verfolgen. Das ist vor allem geprägt von der Krise der spanischen Banken und der Flucht der Anleger  in Sicherheit, die die Kurse von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit dramatisch steigen lässt und die Renditen Richtung ein Prozent drückt.

Ich liebe Bücher! Bücher sind mir heilig! Deshalb betrachte ich Buchläden auch nicht als schnöde Einzelhandelsgeschäfte, sondern vielmehr als Kathedralen des Geistes. In ihnen kann man all den vielen Autoren huldigen, die - einsam in ihrer Kemenate sitzend - ihrer Phantasie freien Lauf gelassen und große Werke literarischer Kunst geschaffen haben. Auch die Fachabteilungen, in den Sachbücher aus den verschiedensten Wissensgebieten Seit' an Seit' in den Regalen stehen, laden zum Staunen und Bewundern ein.

Ist es nicht faszinierend, welches enorme Wissen zwischen die beiden Deckel eines Buches passt? Aber egal ob hochgeistige Prosa oder Schundliteratur, egal ob romantische Lyrik oder Sachbuch: Schon allein die große Auswahl lässt die Herzen von Bücherwürmern höher schlagen und macht Buchläden für sie zu Oasen der Glückseligkeit. Nur ab und an wird diese Glückseligkeit gestört, und zwar immer dann, wenn die Buchhändler in einem Werk einen neuen Bestseller vermuten. Dann kann der sonst so inspirierende Bummel durch die Welt der Bücher schnell zu einer öden Angelegenheit werden. Manche Autoren und ihre Neuerscheinungen verfolgen einen dann auf Schritt und Tritt. So wie Thilo Sarrazin und sein jüngstes Werk.

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Stapel statt Vielfalt

Der vormalige Bundesbankvorstand und frühere Finanzsenator Berlins und sein  "Europa braucht den Euro nicht" sind ein Schrecken für den Vielfalt schätzenden Bücherwurm. Als ich kürzlich der örtlichen Dependance einer großen Buchhandelskette einen Besuch abstattete, da spürte ich nur wenig von eben jener Vielfalt, die solche Geschäfte für gewöhnlich auszeichnet. Wohin ich auch blickte: Sarrazin, Sarrazin, Sarrazin. Schon im Eingangsbereich hatte man unzählige Exemplare der Streitschrift  aufeinandergestapelt - ganz so, als erwarte man minütlich den Ansturm ganzer Busladungen Euro-kritischer Zeitgenossen.

Doch damit nicht genug: Zu beiden Seiten der Rolltreppe in den ersten Stock: Sarrazin. Zwischen Kochbüchern und Reiseführern: Sarrazin. Neben allerlei esoterischen Lebenshilfebüchern und Ratgebern aller Arten: Sarrazin. Es hätte mich nicht gewundert, auch noch auf dem stillen Örtchen jenes Ladens eine Ausgabe von "Europa braucht den Euro nicht" vorzufinden - selbstverständlich durch eine eiserne Kette vor Diebstahl gesichert. Motto: Niemand entkommt Thilo Sarrazin. Muss man ihn also gelesen haben, um überhaupt am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen zu können? Sagt uns Thilo Sarrazin etwas Neues? Und vor allem: Wem nützt seine Erkenntnis?

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