Engelmanns Eigenhandel: Dax-Aktien und Italien-Anleihen als sichere Häfen

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Dax-Aktien und Italien-Anleihen als sichere Häfen

Kolumne von Oliver Engelmann

Die Turbulenzen an den Emerging Markets könnten die Börsen- und Zinsprognosen der Analysten zu Makulatur werden lassen, fürchtet unser Kolumnist. Das Spiel, günstige Kredite in US-Dollar oder Euro aufzunehmen, um die Gelder anschließend in Aktien- und Rentenwerte in aufstrebenden Schwellenländer zu investieren, leidet unter der Ankündigung der Fed, ihre Geldpolitik restriktiver gestalten zu wollen.

Zwischenzeitlich könnten Aktiengelder aus Schwellenländern auch in Dax-Aktien fließen. Gut fünf Wochen ist das Jahr 2014 nun mittlerweile alt. Die "Frohes Neues"-Hysterie des Jahresbeginns ist zwischenzeitlich abgeklungen und Ernüchterung hat im Gemüt vieler jene Euphorie abgelöst, die den Jahreswechsel stets begleitet. Alle Uhren stehen auf Null, Veränderung ist möglich oder um mit Xavier Naidoo zu sprechen: "Alles kann besser werden!" - das bildet man sich an Silvester zumindest ein! Und hofft, ein fester Glaube könne am Ende tatsächlich Berge versetzen. Doch bereits nach wenigen Wochen muss man feststellen, dass vieles so weiter läuft wie bisher. Gute Vorsätze kann man getrost im Mülleimer psychischer Irrungen entsorgen, und zwar schon in dem Moment, in dem man sie fasst! Denn spätestens nach vier Wochen sind die meisten von ihnen ohnehin toxischer Sondermüll, von dem man sich fragt, wie er je von unserer Seele hat Besitz ergreifen können. Fleißig arbeiten, sparsam leben, gesund ernähren: Aus allen Poren dieser hehren Absichten trieft der trüb-langweilige Geist der Askese - grauenhaft!

Dunkle Wolken

Anzeige

Ebenso grauenhaft auch der Unterschied zwischen vielen Prognosen über die künftige Entwicklung von Aktien und Rentenwerten, die man am Jahresende lesen konnte, und der Realität, die man fünf Wochen später an den Börsen beobachten muss. Grauenhaft vor allem für all diejenigen, die den Mut hatten, sich mit ihren Vorhersagen aus dem Fenster zu lehnen und nun das Schicksal von Jaroslav Borsita Graf von Martinitz teilen, der bekanntermaßen am 23. Mai 1618 in Prag aus einem solchen stürzte. Ob volkswirtschaftliche Modellrechnungen, Chartanalyse oder Bauchgefühl: Keines der herkömmlichen Instrumente, derer sich die Expertenzunft für gewöhnlich bedient, um den weiteren Verlauf der Börsen zu prognostizieren, hat zu einem korrekten Ergebnis geführt. Egal, welche Analyse man zur Hand nahm, welchen Vortrag man besuchte: Nahezu überall wurde im Dezember gebetsmühlenartig wiederholt, eine Fortsetzung der Hausse am Aktienmarkt sei so sicher zu erwarten wie das Amen in der Kirche! Auch die Aussage, die Renditen von Staatsanleihen höchster Qualität könnten in diesem Jahr nur ansteigen, wurde noch im Dezember nahezu zum Naturgesetz erhoben. Und jetzt? Sind wie aus dem Nichts dunkle Wolken über den Emerging Markets aufgezogen, die drohen, all jene Vorhersagen zur Makulatur werden zu lassen.

Finanzmärkte Dax und Schwellenländer-Währungen verlieren deutlich

Wachstumssorgen, politische Turbulenzen, schwache Konjunkturdaten aus China und Furcht vor weniger Billiggeld haben die Finanzmärkte nervös gemacht. Der Dax verliert fast 250 Punkte. Anleger setzen auf Gold und deutsche Staatsanleihen.

Die türkische Lira hat wieder an Wert verloren. Quelle: REUTERS

Keine günstigen Kredite mehr?

Ausgehend von drastischen Kursverlusten des argentinischen Peso reifte anscheinend zu Jahresbeginn bei manchem international agierenden Investor die Erkenntnis, dass Carry-Trades in den Emerging Markets in die Verlustzone zu rutschen drohen. Carry Trades, das über Jahre betriebene Spiel, günstige Kredite in Währungen wie dem amerikanischen Dollar oder dem Euro aufzunehmen, um die Gelder anschließend in Aktien- und Rentenwerte in aufstrebenden Schwellenländer zu investieren, leidet schon geraume Zeit unter der Ankündigung der Federal Reserve, ihre Geldpolitik restriktiver gestalten zu wollen. Schon im vergangenen Jahr fuhr die amerikanische Notenbank ihre monatlichen Käufe von Wertpapieren auf einen Gegenwert von 75 Milliarden zurück. In der vergangenen Woche demonstrierten die Währungshüter dann, dass es ihnen mit der Tapering genannten Verringerung der Bondkäufe tatsächlich ernst ist: Sie verkündeten, fortan nur noch 65 Milliarden pro Monat in U.S. Treasuries und andere Festverzinsliche investieren zu wollen. Zwar sind die Vereinigten Staaten noch Meilen von einer Erhöhung des Leitzinses entfernt und doch schürt das Tapering die Ängste all derjenigen, die die günstige Finanzierung ihrer Kredite in Gefahr sehen. Als die argentinische Regierung dann vor anderthalb Wochen verkündete, man wolle den Bürgern in gewissem Umfang und unter bestimmten Bedingungen den Tausch der Landeswährung in U.S. Dollar erlauben, der zuvor verboten war, dürfte manchem Spekulanten das Herz endgültig in die Hose gerutscht sein.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%