Engelmanns Eigenhandel: Der Golf des Termingeschäfts

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Golf GTI von 1976 mit "Spucknapf"-Lenkrad: Warum macht sich die Eurex selber Konkurrenz - wie VW einst mit Jetta und dem neuen Golf?

Kolumne von Oliver Engelmann

Die deutsche Terminbörse Eurex will ein Standardprodukt einführen, mit dessen Hilfe Investoren auf die künftige Entwicklung von französischen Staatsanleihen wetten können. Unser Kolumnist bringt mit automobilen Reminiszenzen Farbe in die spröde Materie über das neue Produktangebot der Eurex: den OAT Future.

Wem in den 70ern bei rasanter Fahrt mit einem Golf GTI der ersten Baureihe schlecht wurde, der konnte getrost ins Lenkrad speien. Das als "Spucknapf" bekannt gewordene Volant des flotten Flitzers machte es möglich. Noch heute erfreut es sich in Sammlerkreisen großer Beliebtheit - auf Ebay stehen dieser Tage allein sechs der begehrten Lenkräder zu Preisen zwischen 59,59 und 299,99 Euro zum Verkauf.

Überhaupt: Als der Golf GTI auf den Markt kam, sorgte nicht nur sein serienmäßiger Spucknapf für Begeisterung. Die unter der Motorhaube verbauten 110 Pferdestärken machten das Spitzenmodell der Golf-Baureihe zum Jäger all der Limousinen, die bis dahin die linke Spur der Autobahnen beherrschten. Auch die anderen Modelle des VW Golf wurden zum Verkaufsschlager.

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Das für die damalige Zeit relativ neuartige Konzept eines Kompaktwagens mit Heckklappe sollte im Laufe der Jahre den Grundstein für eine ganze Fahrzeugklasse legen. Weniger beliebt - zumindest in Deutschland - war die mit einem Stufenheck ausgestattete Variante der Golf-Familie, der Jetta. Der Jetta schaute einfach zu altbacken aus, um die Käufer zu begeistern, stand mehr für Wackeldackel auf der Hutablage denn für die Modernität und den frischen Zeitgeist, die das Deutschland der 70er Jahre geprägt und nachhaltig verändert hatten. Kein Wunder also, dass Florian Illies später seinen Bestseller über die "Generation Golf" schrieb und nicht über eine "Generation Jetta".

Erfolg in den USA

Die Entscheidung des Volkswagenkonzerns, eine Stufenheckvariante des Golf zu entwickeln, erwies sich trotz der enttäuschenden Verkaufszahlen des Jetta in Europa als richtig. Denn während das hässliche Entlein der Golf-Familie die Erwartungen der VW-Bosse hierzulande nicht erfüllte, wurde aus dem Jetta in den Vereinigten Staaten ein heiß begehrter, hübscher Prinz.

Zwischen New York und San Francisco entwickelte sich der Wagen zu einem phänomenalen Verkaufsschlager und war phasenweise das populärste Fahrzeug europäischer Herkunft. Ob diese Erfolgsgeschichte wohl auch ein Ansporn für die Verantwortlichen der Eurex gewesen sein könnte, im April einen neuen Futures-Kontrakt auf französische Staatsanleihen (Obligation Assimilable du Tresor, kurz OAT) ins Rennen um die Gunst der Finanzmarktakteure zu schicken? Gewissermaßen als Derivate-Stufenheckvariante des Bund-Futures?

Kofferraumdeckel statt Heckklappe

Was auch immer die Eurex veranlasst haben mag: Am Mittwoch der vergangenen Woche gab die Terminbörse bekannt, am 16. April dieses Jahres einen Futures-Kontrakt auf OATs einführen zu wollen. Die Spezifikationen dieses Derivates gleichen im Wesentlichen denen des Bund-Futures, der sich im Laufe der vergangenen 20 Jahre vom belächelten Instrument einiger Spezialisten zu einem der wichtigsten Hedging-Tools vieler Händler sowie zu dem Rentenmarktbarometer schlechthin entwickelt hat.

Wie beim Bund-Future liegt auch dem Kontrakt auf die OATs eine synthetische Anleihe mit einem Kupon von 6 Prozent und einer Restlaufzeit zwischen 8,5 und 10 Jahren zu Grunde. Auch der Kontraktwert ist gleich und liegt bei 100.000 Euro. Den wesentlichen Unterschied zum Bund-Future bildet das sogenannte Underlying, also die Wertpapiere, die zu Erfüllung von Lieferverpflichtungen benutzt werden können. Einzig französische Staatsanleihen kommen hier zum Zuge. Kofferraumdeckel statt Heckklappe halt!

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