Engelmanns Eigenhandel: Die Tücken von Mittelstandsanleihen

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Die Tücken von Mittelstandsanleihen

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Da freut sich nicht nur der Affe. Grupp betreibt das Unternehmen Trigema mit 100 Prozent Eigenkapital

Kolumne von Oliver Engelmann

Wenn das Eigenkapital nicht reicht, buhlen Mittelständler oft über Mittelstandsanleihen um Geld. Für Privatanleger sind die Papiere meistens nichts: Wie sollen sie den Einblick in die wirtschaftliche Situation eines Mittelstandsunternehmens gewinnen, den ein Bankmitarbeiter vor Ort gewinnen kann?

Ich liebe Wolfgang Grupp. Und das, obwohl das „Banker Bashing“ zu den größten Leidenschaften des Unternehmers aus Burladingen gehört. Neben dem Helikopterfliegen – versteht sich. Stets adrett im Zweireiher gekleidet, ein gezacktes Einstecktuch im Revers(!) seines Anzuges, schwebt Patriarch Grupp am Tage über dem Trigema-Reich, um abends kurz vor der Tagesschau mit ausladender Geste seinen festen Willen zu bekunden, die von ihm in Deutschland geschaffenen Arbeitsplätze auch in Zukunft erhalten zu wollen.

Neben der Sicherung der Arbeitsplätze steht seit Neuestem auch die Bewahrung der Umwelt im selbst geschriebenen Lastenheft des Unternehmers Grupp. Vorbildlich – da freut sich nicht nur der Trigema-Affe! Der Besuch eines „Testgeschäftes“ – so nennt Wolfgang Grupp die Filialen seines Unternehmens – ist aus zweierlei Gründen empfehlenswert: Zum einen deshalb, weil man dort das hochwertige Sortiment aus T-Shirts, Polo Hemden und anderen Textilien bestaunen kann, das Grupp bekanntermaßen ausschließlich in Deutschland produzieren lässt.

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Zum anderen, weil sich einem beim Besuch eines „Trigema-Testgeschäftes“ jene Weisheit erschließt, wonach man Geld nicht vom Ausgeben hat! Das durfte ich selbst feststellen, als ich einmal das „Testgeschäft“ in Fischen im Allgäu besuchte. Während auf dem Kundenparkplatz Mercedes, BMW und Porsche im Sonnenschein eines Frühsommertages um die Wette glänzten, ergänzten die  Fahrer im Laden ihre Freizeitgarderobe mit Polohemden zum Schnäppchenpreis! Übrigens: Wolfgang Grupp hat auch Textilien im Programm, die „kompostierbar“ sind. So kann man ein T-Shirt erst am Leibe tragen und anschließend noch zur Verbesserung der Bodenqualität im eigenen Garten nutzen! Wenn das keine Innovation ist.

Schlüsselrolle

Wolfgang Grupp und seine Firma „Trigema“ gehören einer wirtschaftlichen Kaste an, die – wie man gemeinhin sagt – das Herz der deutschen Wirtschaft bildet: dem Mittelstand – neuhochdeutsch SME (Small and medium sized enterprises) genannt. Darunter versteht man Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von bis zu 50 Millionen Euro und bis zu 500 Mitarbeitern. Die Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft kann gar nicht hoch genug angesiedelt werden, denn die Unternehmen des Mittelstandes stellen in Deutschland die Mehrzahl aller Arbeitsplätze zur Verfügung. Auch in der Ausbildung des Nachwuchses leisten sie Einmaliges! Nicht selten sind mittelgroße deutsche Unternehmen, deren Namen einem vielleicht auf Anhieb nichts sagen, Weltmarktführer in ihrem speziellen Segment. Eines ist großen wie kleinen Betrieben allerdings gemein: Sie benötigen Kapital! Die Finanzierung des Mittelstandes ist traditionell eine Aufgabe von Kreditinstituten.

15 Dinge, die Sie noch nicht über Wolfgang Grupp wussten

  • Der Mann mit dem Affen

    Er ist der Mann mit dem Affen. Das klingt nicht sehr nett, aber der Affe hat Wolfgang Grupp zum vermutlich bekanntesten Mittelständler Deutschlands gemacht. Grupp wirkt eitel, gilt aber als einer von Deutschlands Vorzeigeunternehmern. Mehr über sein Leben, seine Ansichten und seine Marotten.

  • Wie kam Wolfgang Grupp auf die Idee, Affen als Werbefigur einzusetzen?

    1990 kaufte Grupp die Rechte an einem Affenspot, der ursprünglich für Toyota gedacht war. Es ließ sich leicht ein neuer Text über die Bilder legen. Danach drehte Trigema eigene Spots mit Schimpansen. Seit 1996 gibt es den heute bekannten Spot.

  • Wie reist Wolfgang Grupp am liebsten?

    Im Hubschrauber: Die nächste Autobahn recht weit entfernt. Die Bundestrasse zu stark frequentiert. Das ist nichts für einen ungeduldigen Macher. Der 1995 gekaufte Bell Jet Ranger trägt natürlich das Trigema-Logo.

  • Was ist das Besondere an Grupps 1982 bezogenen Villa?

    Sie hat ein Reetdach. Grupp entdeckte seinen Faible für Reetdach-Häuser während eines Urlaubs auf Sylt. Er wünschte sich Wohnlichkeit und Wärme, und dazu passte dieses Material am besten. Außerdem kennzeichnet die Villa der Rittersaal unterm Dach.

  • Woher stammt der Name Trigema?

    Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer: Josef Mayer, Grupps Großvater, gründete die Firma 1919/20 und überstand als Unterwäschehersteller auch die schwierigen 20-Jahre sehr gut. Nach dem zweiten Weltkrieg fiel ihm die Umstellung leichter als anderen Unternehmen in der Region, die sich auf Uniformen spezialisiert hatten.

  • Was ist Wolfgang Grupps großes Hobby?

    Wolfgang Grupp besitzt eine 400 Hektar große Eigenjagd im Allgäu. Schon als Jugendlicher liebte er es, hoch zu Ross hinterm Wild herzujagen.

  • Wie hat Wolfang Grupp seine Frau Elisabeth kennengelernt?

    Romantischer geht es kaum: 1986 ging Grupp auf Auerhahnjagd in der Obersteiermark. Während der Jagd besuchte der damals 44-Jährige einen Freund. Der Baron hatte eine 22-jährige Tochter. Fortan konnte Grupp die Schönheit nicht mehr vergessen.

  • Womit erregte Wolfgang Grupp 2009 großes Aufsehen?

    Er ließ sich eine sehr große Begräbnisstätte errichten: Umfriedet von einer hohen Mauer liegt die Grabstätte für seine Familie angelegte inmitten einer 600 Quadratmeter großen Grünflache. Ein kleines, frei zugängliches Areal am Rande des eigentlichen Friedhofes.

  • Worauf legt Wolfgang Grupp bei der Kleidung sehr viel wert?

    Manchettenknöpfe, Einstucktuch und schmale Krawatte - Grupps akkurate Kleidung hat sich praktisch nicht verändert: Maßanzug, meisten auffällig gestreiftes Hemd, Kragen und Manchetten weiß, schmale Krawatte und Einstucktuch in den Farben des Hemdstoffes.

  • Was kennzeichnet das Büro von Wolfgang Grupp?

    Es ist ein Großraumbüro, dass er sich mit Mitarbeitern teilt: In den 70er-Jahren hat sich Grupp ein Großraumbüro entworfen, das er gemeinsam mit Verwaltungsangestellten belegt. Wenn sich seine ehrliche Empörung, wofür er durchaus bekannt ist, in großer Lautstärke Luft macht, bekommen das also einige Mitmenschen zu hören.

  • Wer ist Wolfgang Grupps größtes Vorbild?

    Josef Mayer war für seinen Enkel als Mensch und Unternehmer das größte Vorbild. Zwischen Wolfgang Grupp und seinem Vater entwickelte sich ein veritabler Generationenkonflikt. Der Sohn nahm es dem Vater übel, dass er mit dem Unternehmen allzu arg expandierte, wodurch Trigema ins Schlingern geriet.

  • Wofür sparte Wolfgang Grupp im Internat sein Geld?

    Das Äußere musste für ihn schon als Jugendlicher stets erstklassig sein. Daher bat er Eltern und Verwandte, ihm Geld zu schenken statt Gegenständen. Wolfgang sparte und kaufte sich 1962, mit 20 Jahren, eine teure, ultraflache Uhr. Er trägt sie bis heute voller Stolz.

  • Womit „erfreute“ Wolfgang Grupp seine Kinder zu Weihnachten?

    Er schlüpfte persönlich in das Nikolaus-Kostüm. Bonita und Wolfgang junior merkten irgendwann, dass ihr Vater selbst in dem Kostüm steckte, ließen es sich aber lange nicht anmerken. Grupp übernahm diese Job, weil ihm im Jahr zuvor der Auftritt des engagierten Gabenbringers nicht gefallen hatte.

  • Warum beliefert Trigema seit 1987 nicht mehr den Discounter Aldi?

    1987 kam es zum Bruch zwischen Grupp und Aldi-Nord: Der Discounter wollte, dass die Ware nicht mehr unter dem Label Trigema, sondern als Eigenmarke in die Regale kam. Dazu gehörte ein Preisnachlass von 40 Prozent. Grupp verzichtete lieber auf den Umsatz von 25 Millionen Mark jährlich.

  • Wie beginnt Wolfgang Grupp einen gewöhnlichen Tag?

    Pünktlich vor sieben Uhr springt er in den Pool und schwimmt acht Bahnen, das entspricht 360 Metern. Das tut er auch im Winter bei Minusgraden, allerdings lässt Grupp das Wasser dann auf 19 Grad temperieren.

  • Ende 2007 nannte die Bild-Zeitung Wolfgang Grupp „menschlich“. Warum?

    Weil er wegen Raserei drei Punkte in Flensburg kassierte. Grupp wollte stets ein Vorbild an Disziplin sein und hielt sich streng an seine Regeln. Umso mehr ärgerte er sich über den Verkehrsdelikt.

Ob Sparkasse, Genossenschaftsbank oder Filiale einer Großbank vor Ort: Alle pflegen den Kontakt zu örtlichen Unternehmern und vergeben Kredit! Dabei kommt neben der ausführlichen Prüfung der jährlichen Bilanz, die in der Regel in die Vergabe eines internen Ratings mündet, dem gesunden Menschenverstand und dem Einfühlungsvermögen des verantwortlichen Bankdirektors große Bedeutung zu. Das Kreditgeschäft mit Unternehmen ist meist Chefsache.

Und die Einschätzung des Kreditrisikos sollte nicht allein auf den nackten Zahlen, sondern auch auf dem persönlichen Eindruck beruhen, den der Banker von Unternehmer und Unternehmen gewonnen hat. Als Beispiel seien hier nur die Schwierigkeiten benannt, in die mittelständische Unternehmen, die oftmals als Familienunternehmen geführt werden, geraten können, wenn die Nachfolge an der Unternehmensspitze nicht einvernehmlich geregelt ist. Ob es in dieser Frage Streitigkeiten gibt, die den Bestand des Unternehmens gefährden könnten, kann man in keiner Bilanz nachlesen.

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