Flop oder Erfolg?
Bild: dapdDas Cover für 2012 des Sports Illustrated Swimsuit-Magazins ziert die reizende Amerikanerin Kate Upton.
Bild: dpaBikini-Index
Die These: In den Jahren, in denen eine Amerikanerin - wie in diesem Jahr das Model Kate Upton - die Titelseite der Badeanzug-Sonderausgabe der Sports Illustrated ziert, entwickelt sich die Gesamtrendite im US-Börsenindex S&P 500 überproportional, der Index schließt mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Jahresende im Plus.
Der Beweis: Zurückgerechnet für die Jahre seit 1978 erreichte der S&P 500, wenn eine US-Amerikanerin auf dem Titelbild prangte, eine Gesamtrendite von durchschnittlich 14,3 Prozent. In 88,2 Prozent der Jahre schloss der Index positiv.
(Im Bild: Fotoshooting für die Casting-Show "Germanys Next Top Model")
Bild: dapdBikini-Index
Aber nicht immer ist eine Amerikanerin auf dem Cover der Sportillustrierten. Auch Heidi Klum (hier inmitten der Kolleginnen (von links) Karolina Kurkova aus Tschechien, Tyra Banks aus den USA, Gisele Bündchen und Adriana Lima aus Brasilien bei der Modenschau Victoria's Secret 2003) zierte schon die Titelseite des Magazins.
Ist auf dem Cover der Swimsuit-Ausgabe von Sports Illustrated jedoch kein US-Model zu sehen, stehen laut Bikini-Index die Vorzeichen für die US-Börse offenbar weniger gut: Die durchschnittliche Gesamtrendite beträgt seit 1978 in diesen Jahren dann nur noch 10,8 Prozent, also rund ein Viertel weniger. Zum Jahresende schloss der Börsenindex S&P500 auch nur noch in 76,5 Prozent der Fälle im Plus. Aber wie ist das zu erklären?
Bild: dapdBikini-Index
Das US-Anlegermagazin Barron's vermutet einen Zusammenhang mit dem allgemeinen Optimismus im Land, der die Macher des Sportmagazins beeinflusst. Ist die Stimmung im Land schlecht, könnten die Chancen für Nicht-Amerikanerinnen auf das Titelbild zu kommen, steigen. Es gibt aber noch eine ganze Reihe weiterer, mehr oder weniger glaubwürdiger Indikatoren für die Börse.
Rocklängen-Index
Die These: Je kürzer der Rock, desto besser geht es der Wirtschaft. Diese Beobachtung hat der Ökonom George Taylor schon in den 1920er Jahren gemacht, der die Entwicklung des Aktienindex mit der Rocklänge in Verbindung brachte.
Der Beweis: Laut Einzelhandel ist das aber nur ein Mythos. Dennoch bleiben einige Ökonomen der Theorie treu und verweisen auf die langweiligen Rocklängen, die im Zuge der Finanzkrise 2008 in die Läden kamen. Andere befürchten, dass die Maxi-Röcke, die in diesem Sommer modern waren, auf einen neuen Abschwung hindeuten.
Die Übersicht der Indikatoren basiert auf einem Artikel des Business Insider.
Bild: dpaBier-Konsum-Index
Die These: Das Bier zu Hause ist günstiger als das Bier in der Kneipe. Kein Wunder also, dass viele Bierliebhaber, die sparen müssen, auf den Gang in die Kneipe verzichten und sich lieber ein Feierabendbier auf der heimischen Couch gönnen.
Der Beweis: In Europa befinden sich 73 Prozent der Arbeitsplätze in der Bierindustrie außerhalb von Brauerein - insbesondere in Bars und Restaurants. Laut den Europäischen Brauereien sank zwischen 2008 und 2010 die Beschäftigung in der Bierindustrie um 12 Prozent. Der Bierkonsum insgesamt sank jedoch nur um acht Prozent und die Beschäftigung in Europa ging nur um zwei Prozent zurück.
Bild: dapdBig-Mac-Index
Die These:
Der Index zeigt den Zusammenhang zwischen den Wechselkursen in unterschiedlichen Staaten und den Kosten für einen Big Mac. Wenn der Burger in China 44 Prozent günstiger ist als in den USA, bedeutet dies, dass der Yuan gegenüber dem Dollar 44 Prozent unterbewertet ist.
Der Beweis: Das Magazin The Economist veröffentlicht diesen Index jedes Jahr. Das Beispiel China zeigt jedoch, dass der einfache Index noch erweitert werden muss, denn es ist zu erwarten, dass Waren in solchen Ländern günstiger sind, in denen auch die Kosten geringer sind. Deshalb vergleichen die Autoren den Dollar-Preis eines Big Mac auf das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner und stellen dabei einen starken Zusammenhang fest.
Bild: ReutersLippenstift-Index
Die These: Ein bisschen was will Frau sich auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten gönnen. Wenn das Geld nicht für teure Handtaschen reicht, greifen sie verstärkt zu Lippenstiften. Die Theorie stammt von Leonard Lauder, Geschäftsführer von Estee Lauder.
Der Beweis:Tatsächlich hat sich der Verkauf von Lippenstift laut dem Forschungsinstitut Investopia nach der Rezession, die auf den 11. September 2001 folgte, verdoppelt.
Bild: dpaMarine-Rekrutierungs-Index
Die These:
Wie intensiv für den Eintritt in das US-Marine-Korps geworben wird, hängt von der Situation auf dem Arbeitsmarkt ab. In schlechten Zeiten ist es schwierig, einen Arbeitsplatz zu bekommen, deshalb melden sich mehr Menschen freiwillig für die Marine. Wird die Zahl der Bewerber allerdings zu hoch, verändert die Marine ihre Werbevideos: In den Kurzfilmen wird die Arbeit härter und unattraktiver dargestellt, so dass die potenziellen Rekruten abgeschreckt werden.
Der Beweis: 2005 stellte die Marine den Beruf noch als sehr spannend dar: http://www.youtube.com/watch?v=S2MeLM2Sz34. Wegen vieler Bewerber und einem verkleinerten Korps sah das 2008 schon ganz anders aus: http://video.nytimes.com/video/2009/09/17/multimedia/1247464674219/america-s-marines-from-2008.html
Windel-Ausschlag-Indikator
Die These: Wenn das Geld knapp ist, macht der Sparzwang auch vor den Kleinsten nicht Halt: Eltern wechseln seltener die Windeln ihrer Säuglinge.
Der Beweis: Nach Daten des Marktforschungsinstituts Symphony IRI ging der Verkauf von Wegwerf-Windeln seit 2009 innerhalb eines Jahres um neun Prozent zurück, während der Verbrauch von Salbe gegen Windel-Ausschlag um 2,8 Prozent zunahm.
Das Cover für 2012 des Sports Illustrated Swimsuit-Magazins ziert die reizende Amerikanerin Kate Upton.
Ob das neue Produkt wirklich ein Erfolg wird, bleibt trotzdem abzuwarten. Schon im Jahre 2009 hatte die Eurex einen neuen Futures-Kontrakt auf Staatsanleihen aus der Taufe gehoben: den Future auf italienische Staatsanleihen (Buoni del Tesoro Poliennali, kurz BTP). Zwar hebt die Terminbörse in ihrer Presseerklärung zur Einführung des OAT-Futures hervor, dass das durchschnittliche Handelsvolumen in Futures auf langlaufende italienische Staatsanleihen im Jahr 2011 um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist.
Das durchschnittliche Tagesvolumen gehandelter Kontrakte lag im vergangenen Jahr allerdings trotz dieses beachtlichen prozentualen Zuwachses nur bei 9.287 Kontrakten. Zum Vergleich: Im Bund-Future gehen an jedem Handelstag hunderttausende, manchmal sogar mehr als eine Million Kontrakte um. Hier lässt also der durchschlagende Erfolg noch auf sich warten. Dass der BTP-Future nicht von mehr Marktteilnehmern genutzt wurde, ist im Grund erstaunlich, wenn man bedenkt, in welche Turbulenzen die italienischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr phasenweise geraten waren.
An manchen Handelstagen verloren BTPs massiv an Wert, während die Flucht in Sicherheit für eine große Nachfrage nach Bundesanleihen sorgte und den Bund-Future im Gefolge kräftig ansteigen ließ. Wer versuchte, Bestände in italienischen Bonds mit Bund-Futures abzusichern, verlor damals doppelt - auf die Anleihen und auf die Absicherung.
Copy and paste
Eine "chicken and egg"-Diskussion dürfte dafür verantwortlich sein, dass der BTP-Future noch nicht in dem Umfang genutzt wird, der ihm angesichts der Größe des Marktes für italienische Staatsanleihen zukäme: Händler beteiligen sich aktiv nur in liquiden Märkten; letztere werden aber erst durch die aktive Beteiligung der ersteren liquide. Und manchmal dauert es auch einfach seine Zeit, bis sich ein neues Produkt durchsetzt.
Die Risiken für die Eurex aus der Einführung eines OAT-Futures sind meines Erachtens begrenzt. In weiten Teilen kann die Börse das "Copy-und-Paste-Verfahren" anwenden und den Handel in Bund-Futures als Blaupause für das neue Marktsegment verwenden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der neue Kontrakt nach einer Anlaufphase vor allem unter französischen Nutzern ein Erfolg wird - der Jetta unter den Derivaten sozusagen. Der Bund-Future dürfte aber auf absehbare Zeit als Golf des Termingeschäftes durch die Handelssäle der Welt brunzen. Vermutlich sogar mit 110 PS.
Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Text gibt allein seine persönliche Meinung wieder und ist keine Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.
- Seite 1: Der Golf des Termingeschäfts
- Seite 2: Bund-Future geschwächt?
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