Engelmanns Eigenhandel: Französische Staatsanleihen: Kaufen, halten oder verkaufen?

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Französische Staatsanleihen: Kaufen, halten oder verkaufen?

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Dunkle Wolken über der Pariser Börse - Viele Anleger fragen sich, ob französische Anleihen weiterhin als Geldanlage geeignet sind

Kolumne von Oliver Engelmann

Unser Kolumnist bemüht sich, zu Schulzeiten angesammelte Ressentiments nicht auf sein Anlageurteil durchschlagen zu lassen. Trotzdem bleibt er skeptisch für französische Staatspapiere.

"Laissez tous fermez, on veut repeter en peu le vocabulaire!" - mit diesen zwar melodisch klingenden, gleichsam aber nichts anderes als blanken Schrecken verkündenden Worten pflegte uns eine Französisch-Lehrerin zu Schulzeiten stets zum Unterricht zu begrüßen. Ob jene Pädagogin ernsthaft glaubte, durch ihren Vokabel-Terror in uns den Hang zur Frankophilie wecken zu können, wird wohl ebenso auf ewig ein Geheimnis bleiben wie die Antwort auf die Frage, warum Monique, pubertierender Spross der Familie Leroc, andauernd ins Schwimmbad wollte. Ständig quatschte die Göre im Lehrbuch "Bonne chance" vom "piscine" und ließ nichts unversucht, wildfremde Leute zum Besuch des Freibades zu überreden.  Nach ein paar Jahren waren mir beide gleichermaßen verhasst: die Lehrerin wie Monique Leroc. Und so fieberte ich dem Tag der Erlösung von beiden Übeln entgegen. Französisch mit Eintritt in die Oberstufe abgewählt zu haben, entpuppte sich später allerdings als Fehlentscheidung. Erst kürzlich wären umfassende Kenntnisse der französischen Sprache für mich von unschätzbarem Wert gewesen.

In der irrigen Annahme, wer an einem Flughafen arbeite, sei in der Regel auch des Englischen mächtig, versuchte ich in einer Bäckerei am "Aeroport de Luxembourg" ein belegtes Brötchen zu kaufen. Die Unterhaltung mit der Bäckersfrau gestaltete sich jedoch schwierig. Und als wir uns schließlich mit Händen und Füßen auf ein bestimmtes Brötchen geeinigt hatten, geschah, was nur durch einen beherzten Ausruf in französischer Sprache zu verhindern gewesen wäre: Die freundliche Dame hinter der Theke stopfte das belegte Brötchen zunächst in eine Mikrowelle und anschließend in ein Waffeleisen. Was dabei herauskam, war zum Mitnehmen, vor allem aber zum Verzehr, nur noch bedingt geeignet - zumindest für einen deutschen Gaumen.

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Laufen die Zinsen auseinander?

10 Tipps für Börseneinsteiger

  • Volles Risiko oder lieber Nummer sicher - Typ-Analyse

    Bevor ein potentieller Anleger zum ersten Mal Aktien kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt und für welchen Anlegertyp er sich hält. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?

  • Gier ist nicht immer gut

    Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "no risk, no fun!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz "Greed is good" sollten Börsenneulinge nicht handeln.

  • Nur kaufen, was man versteht

    Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wer sein Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchte, sollte nur in Produkte investieren, die er auch versteht. Wer nur auf die Renditeversprechen hört und Produkte kauft, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen er nicht begreift, fällt über kurz oder lang auf die Nase.

  • Bankgebühren beachten

    Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.

  • Auf die Mischung achten

    Anleger sollten ihr Geld - und damit auch ihr Risiko - zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.

  • Mischung bei Fonds und Zertifikaten

    Wer seinem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischt, sollte auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.

  • Regelmäßige Überprüfung

    Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?

  • Qualität hinterfragen

    Bei der Überprüfung des Depots sollte man sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.

  • Verluste begrenzen

    Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.

  • Einen kühlen Kopf bewahren

    Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

Einem ganz anderen Problem sehen sich dieser Tage viele institutionelle Anleger gegenüber. Sie fragen sich, ob französische Staatsanleihen (Obligations assimilables du Tresor, kurz OAT) weiterhin zur dauerhaften Geldanlage geeignet sind. Dabei geht es in den Überlegungen vieler Portfolio Manager weniger um die Gefahren, die ein genereller Zinsanstieg in der Euro-Zone für ein Depot französischer Anleihen bedeuten würde. Blickt man auf die Kursentwicklung deutscher Bundesanleihen, so scheinen die Renditen für Anleihen erstklassiger Emittenten tendenziell eher noch weiter zu sinken. Eine Zinswende - wiewohl von vielen schon lange erwartet - ist nach wie vor nicht in Sicht. Doch was, wenn sich die Zinsen in Frankreich anders entwickeln als die in Deutschland?

Besuch in Berlin Französische Charmeoffensive auf deutsche Steueraufkommen

Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault schmeichelte bei seinem Besuch in Berlin den deutschen Gastgebern. Doch französische Charmeoffensiven zielen stets auf das deutsche Steueraufkommen ab.

Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Quelle: dapd

Wertverlust für Frankreich-Anleihen

Schon einmal hatten sich die Renditeabstände zwischen Bundesanleihen und OATs im Gefolge der Staatsschuldenkrise deutlich ausgeweitet, die Anleihen aus Paris also relativ zu denen aus Berlin an Wert verloren. Ihren Höhepunkt fand diese Entwicklung im letzten Quartal des vorigen Jahres, als sich der Spread zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Papieren auf knapp unter 200 Basispunkte ausgeweitet hatte. Zwar konnten sich OATs von jenem Schlag ins Kontor in der Folgezeit wieder deutlich erholen, entwickelten sich dementsprechend im Verlauf dieses Jahres also deutlich besser als Bundesanleihen. Mittlerweile hat sich der Renditeabstand im Zehnjahresbereich zwischen 60 und 80 Basispunkten eingependelt. Doch es besteht Grund zur Sorge, dass diese positive Entwicklung sich schon bald wieder in ihr Gegenteil verkehrt.

Miese Konjunktur

Frankreich steuert im neuen Jahr auf eine Rezession zu. Die inländische Nachfrage ist seit geraumer Zeit schwach, die Arbeitslosigkeit steigt und das Verbrauchervertrauen fällt. Auch die Sparmaßnahmen der Regierung belasten die Konjunktur. Mit Blick auf die Einstufung seiner Kreditwürdigkeit durch die großen, internationalen Rating-Agenturen steht Frankreich also vor dem gleichen Dilemma wie manch anderer Staat: Auf der einen Seite ist Sparsamkeit eine der Tugenden, die von den Bonitätswächtern mit Wohlwollen beurteilt wird; auf der anderen Seite führt Sparsamkeit aber zu einer Abschwächung der Konjunktur und damit zu sinkenden Steuereinnahmen - eine Entwicklung, die von den Rating-Agenturen eher weniger gern gesehen wird. Citigroups Ökonomen rechnen damit, dass sich die französische Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um 0,2 Prozent abschwächen wird, während die Relation zwischen Schuldenstand und Sozialprodukt auf 95,8 Prozent ansteigen dürfte.

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