Engelmanns Eigenhandel: Reisen bildet - auch in Börsenfragen

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Reisen bildet - auch in Börsenfragen

Kolumne von Oliver Engelmann

Ein Besuch in fremden Ländern kann auch in Finanzfragen weiterhelfen. So zeigt das Beispiel Island: Wären die Anleger vorher dort gewesen, hätten sie womöglich nicht haufenweise Geld in den kleinen Inselstaat investiert.

Klagen ist gemeinhin der Gruß der Kaufleute. Vor allem aber der der Deutschen. Immer gibt es irgendetwas, über das wir glauben, Klage führen zu müssen. Insbesondere das Thema Verkehr gibt nur allzu oft Anlass zur Erregung der Gemüter: Immer sind die Züge der Bahn hoffnungslos verspätet, die Straßen in unseren Städten voller Schlaglöcher und die Autobahnen verstopft. Es lebe die Übertreibung! Ein Ausländer, der einem Deutschen beim Jammern über die schlechten Verhältnisse zuhört, könnte schon den Eindruck gewinnen, es mit einem sehr wehleidigen Menschenschlag zu tun zu haben. Vor allem natürlich deshalb, weil die deutsche Verkehrsinfrastruktur auf der Welt ihresgleichen sucht.

Wer wissen will, wie gut es uns hierzulande geht, dem sei ein Besuch des nahe dem Polarkreis gelegenen Island empfohlen. Schon wenn man am Flughafen in Kevlafik seinen Fuß auf isländischen Boden setzt, beschleicht einen die dumpfe Ahnung, dass das Angebot an Verkehrsdienstleistungen nicht ganz so ausgereift sein könnte wie in der deutschen Heimat. Einen Bahnanschluss sucht man jedenfalls vergebens. Ein Blick in den Reiseführer lässt diese Ahnung zur Gewissheit werden: Es gibt auf Island gar keine Eisenbahn! In die Hauptstadt Reykjavik gelangt mit dem Bus oder mit dem Auto.

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Geysir auf Island Quelle: dpa

Dass einem als Autofahrer auf jenem kargen Eiland allerdings Abenteuer bevorstehen könnten, wie sie sonst nur Gulliver auf seinen Reisen erlebt hat, wird spätestens im Büro des örtlichen Autoverleihers deutlich. Mehrfach betont der, bei Steinschlag sei immer eine Selbstbeteiligung von 15 Prozent fällig und für Schäden am Unterboden des Fahrzeugs käme die Versicherung grundsätzlich nicht auf. 'Schön, schön, gut, gut, her mit dem Schlüssel!', denkt man zunächst.

Doch während man vom Hof fährt, fragt man sich schon, wozu einem der gute Mann den ganzen Quatsch eigentlich erzählt hat. Das wird erst einige Zeit später klar, dann nämlich, wenn man von der um die Insel führenden "Ringstraße Nummer 1" auf eine andere Landstraße abbiegt. Was der Isländer noch als Straße bezeichnet, ist in den Augen des deutschen Autofahrers nicht mehr als eine Schotterpiste, ein land- oder forstwirtschaftlicher Nutzweg. Auf dem rasen in halsbrecherischer Fahrt monströse Geländewagen an einem vorbei, während man selbst bangt, ob der angemietete Kleinwagen nicht schon bald in der Mitte auseinander bricht. Der Isländer verspürt derweil die Freude am Fahren. Überhaupt stellt das Auto angesichts des nur rudimentär ausgebauten öffentlichen Nah- und Fernverkehrsnetzes das wichtigste Fortbewegungsmittel dar.

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