Engelmanns Eigenhandel: Von Desaster keine Spur

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Von Desaster keine Spur

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"Bundesanleihe mutiert zum Ladenhüter": Ende vergangenen Jahres wurde die Skepsis gegenüber der Versteigerung von Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit immer lauter. Doch das ausgemalte Krisen-Szenario bewahrheitete sich nicht.

Kolumne von Oliver Engelmann

Als der Bund im vergangenen November Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit versteigerte, gab es nur wenig Nachfrage. Doch eine schwache Auktion begründet noch keine Krise. Katastrophen-Szenarien über künftig permanente Absatzprobleme oder gar einen durch Euro-Misstrauen verursachten Anlegerboykott waren vollkommen verfehlt, stellt unser Kolumnist fest. Darüber wundern mag er sich nicht, kann der äußere Anschein doch auch in vielen Lebensbereichen trügen.    

Dass sich die Menschen gerne vom Schein leiten lassen, obwohl der bekanntermaßen trügt, durfte ich schon des Öfteren beim Einkaufsbummel in namhaften Textilfachgeschäften erfahren. Lässig nur in Jeans, T-Shirt und Pulli bekleidet, stolperte ich beispielsweise vor vielen Jahren durch die Herrenabteilung einer über die Ortsgrenzen Frankfurts hinaus bekannten Bekleidungswarenkette, nur um mich am Ende meiner Suche nach einem passenden Anzug von einem schnöseligen Verkäufer als nicht hinreichend solvent abkanzeln lassen zu müssen. Zuvor hatte ich mich schon in der Umkleidekabine erniedrigt: Denn das edle, englische Tuch, das meinen Astralkörper fortan verhüllen sollte, entpuppte sich als so ungünstig zugeschnitten, dass ich die Hose noch nicht einmal über die Oberschenkel streifen konnte. Auf die Frage an den Verkäufer, ob er den Anzug auch in meiner Größe anbieten könnte, musterte der mich von oben bis unten und erklärte dann: "Für Sie, mein Herr, gibt es hier keinen passenden Anzug!" Ein erstaunliches Statement, vor allem mit Blick auf tausende von Anzügen - manche davon sogar im Zeltformat -, die in jener Fachabteilung für Herrenoberbekleidung in langen Reihen an den Bügeln herabhingen. Schärfer und zielsicherer hätte jener Verkäufer seine Verachtung mir gegenüber kaum zum Ausdruck bringen können.

Bekleidungs-statt Anleiheverkäufer

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Doch auch wer geschniegelt und gestriegelt zum Textilienkauf erscheint, ist vor Missverständnissen nicht sicher. "Entschuldigen Sie, mein Mann braucht eine kurze Hose. Wo finden wir sowas?", so sprach mich eine ältere Dame an, als ich in Schlips und Kragen wieder einmal auf der Suche nach einem passenden Anzug die Herrenkonfektionsabteilung eines Kaufhauses durchstreifte. Augenscheinlich hatte mich jene um das Äußere ihres Gatten besorgte Ehefrau für einen Verkäufer gehalten. Damals klärte ich das Missverständnis umgehend auf. Heute agiere ich anders: Hält man mich für einen Verkäufer, berate ich die Kunden gleichermaßen kompetent wie höflich und weise all denjenigen, die sich für kurze Hosen interessieren, kurzerhand den Weg in die im Untergeschoss gelegene Miederwarenabteilung. Wer Pelzmäntel sucht, den entsende ich ins oberste Stockwerk - selbstverständlich nicht ohne den Hinweis, dass sämtliche Fahrstühle und Aufzüge gerade gewartet werden und man sich doch bitte ins Treppenhaus bemühen möchte.

Deutschland vom Schuldenvirus infiziert?

Der Schein trügt also oft. Das gilt auch für die Kapitalmärkte im Allgemeinen und die Ergebnisse von Auktionen von Staatsanleihen im Besonderen. Wer sich für festverzinsliche Wertpapiere interessiert und über ein halbwegs intaktes Gedächtnis verfügt, der erinnert sich bestimmt noch an den Aufschrei des Entsetzens, der durch den medialen Blätterwald rauschte, als der Bund im vergangenen November Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit versteigerte. Nachfolgend möchte ich nur einige der Schlagzeilen zitieren, mit denen das Ergebnis der Auktion damals zusammengefasst wurde. Dabei verzichte ich bewusst auf Quellenangaben, um niemanden nachträglich dem Spott auszusetzen, der ihm eigentlich gebührt. Wenn man vom Rathaus kommt, ist man schließlich immer schlauer. "Deutschland erlebt Desaster bei Bundesanleihen", "Absatzprobleme bei Bundesanleihen - aktueller Verkauf erschreckend schwach", "Auktion ein Desaster", "Auktions-Flop: Anleger boykottieren deutsche Staatsanleihen", "Misstrauensvotum gegen die gesamte Euro-Zone", "Deutschland verpatzt Anleihenverkauf", "Verpatzte Auktion: Beobachter sind entsetzt", "Investoren verschmähen neue Bundesanleihe", "Bundesanleihe mutiert zum Ladenhüter" - so lauteten einige der Schlagzeilen, mit denen Ende November zahlreiche Artikel über den Ausgang der damaligen Auktion des Bundes überschrieben waren. Einer der Berichterstatter verstieg sich sogar zu der Äußerung, die Emission der zehnjährigen Bundesanleihe habe den unumstößlichen (Sic!) Beweis geliefert, dass auch Deutschland vom Schuldenvirus infiziert sei.

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