Engelmanns Eigenhandel: Was die Liebe und der Euro gemein haben

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Was die Liebe und der Euro gemein haben

Kolumne von Oliver Engelmann

Eine Trennung kann ein freudiges Ereignis sein, meint unser Kolumnist, setzt die rosarote Brille ab und verabschiedet sich vom Euro-Idealismus. Die  Einführung einer Gemeinschaftswährung war wohl doch keine gute Idee, Griechenland könnte am besten über die Wiedereinführung einer eigenen Währung  geholfen werden und Portugal, Irland, Italien und Spanien  am  Ende doch noch der Staatsbankrott drohen, argwöhnt er.

Warum wird man eigentlich immer nur zu Hochzeiten eingeladen, nie zu Scheidungen? Ich stelle mir die Stimmung auf einer Feier im Anschluss an einen Scheidungstermin ausgelassen vor. Denn die Realität ist doch die: Immer mehr Paare sind nach wenigen Jahren gemeinsamen Ehelebens glücklicher über ihre Scheidung, als sie es über ihre Vermählung je waren. Die heiligen Schwüre, bis ans Ende aller Tage zusammenbleiben zu wollen, sind dann endgültig zur Makulatur geworden; die zu Beginn für die Ewigkeit gedachte Liebe hat sich als das entpuppt, was sie immer war: ein Schimäre! Der zugegebenermaßen zynische, trotzdem aber in seinen Einschätzungen zumeist realistische Gordon Gekko, eigentlicher Held des Oliver Stone Epos "Wall Street", versteifte sich einmal zu der Behauptung, die Liebe sei nur erfunden worden, damit die Menschen nicht aus dem Fenster sprängen. Allzu oft ist die Liebe eine Illusion mit begrenzter Halbwertzeit; eine Idealvorstellung, die in den seltensten Fällen Wirklichkeit wird. Am ehesten vielleicht noch in schnulzigen Hollywood-Streifen. Die frohe Botschaft aber lautet: Das Leben kann auch ohne die Liebe schön sein. Denn wer begreift, dass am Ende sowieso jeder alleine ist, der empfindet das Scheitern oder Fehlen der Liebe nicht als Untergang. Das Leben geht immer weiter. Und glücklich ist, wer das Glück in sich selbst begründet.

Naiver Europa-Optimismus

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Auch der europäische Gedanke ist ein Ideal. Und gerne will ich eingestehen, lange Zeit geglaubt zu haben, dieses Ideal könne Wirklichkeit werden. Offene Grenzen, eine gemeinsame Währung: Nie zuvor in der Geschichte schien die Gründung der "Vereinigten Staaten von Europa" näher als nach Schengen und Maastricht. Das war auch der Grund dafür, dass ich zu Beginn der europäischen Schuldenkrise meinte, die Probleme Griechenlands seien durch die Gemeinschaft der Staaten der Euro-Zone lösbar. Voller Optimismus blickte ich im Jahre 2010 in die Zukunft, glaubte an die Fähigkeit der Griechen, die Krise zu meistern, und an die Kraft der Gemeinschaft, die Griechen auf ihrem Weg zu unterstützen. Für meine im Nachhinein wohl eher als naiv zu bezeichnende Zuversicht wurde ich bisweilen übelst beschimpft. Dabei wollte ich doch nur an ein Ideal glauben, so wie früher an die Liebe.

Erschütterte Glaube an den Euro

Was sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Europa abgespielt hat, hat diesen Glauben an die europäische Idee, vor allem aber meinen Glauben an den Euro, stark erschüttert. Und mit dieser Erschütterung dürfte ich nicht allein sein. Während Thilo Sarrazin immer noch in der Schmuddelecke steht, weil seine Ansichten nicht in das Schema der politisch korrekten Haltung gegenüber dem Euro passen, dürften mehr und mehr Europäer ins Grübeln gekommen sein, ob die Einführung einer Gemeinschaftswährung vor der Bildung einer gemeinsamen europäischen Regierung wirklich eine so gute Idee war. Politik und Notenbank bemühen sich nach Kräften, der Krise Herr zu werden. Und das müssen sie auch, gliche doch alles andere dem Eingeständnis des Scheiterns. "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa!", so sagt die Bundeskanzlerin. Ich glaube das mittlerweile nicht mehr.

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