Entwicklung beim Dax: Warum Verkaufen ein Fehler wäre

KommentarEntwicklung beim Dax: Warum Verkaufen ein Fehler wäre

von Hauke Reimer

Zwei Mal stieg der Dax über 8.000 Punkte – und stürzte ab. Verkaufen würde ich trotzdem noch nicht.

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Der Dax hat die 8.000 Punkte überschritten - Trotzdem sollten Anleger sich vorerst mit dem Verkauf zurückhalten

So viel Einigkeit reizt schon wieder zum Widerspruch: Jeder an der Börse rechnet damit, dass der Dax die 8.000 Punkte im März schaffen wird (vielleicht ist die Marke auch schon genommen, wenn diese Ausgabe erscheint). Wer bereits etwas länger in Aktien investiert, hat das schon zwei Mal erlebt. Im Frühjahr 2000 und im Sommer 2007, als die Finanzkrise sich so gerade eben abzeichnete: Der Dax markierte einen neuen Rekord und kurz danach ging es mächtig nach unten. Das reumütige „hätte ich doch verkauft, wäre ich doch...“, macht so manchem Anleger heute noch zu schaffen. Sicher – Gewinne soll man laufen lassen. Aber wer nach einem Hoch einen Absturz um drei Viertel (2000) und um die Hälfte (2007) mitgemacht hat, wird schon mal nachdenklich. Sind Anleger, die auch bei Rekordmarken nicht verkaufen, schlicht zu gierig? Schauspieler Manfred Krug, der einst bei 28,50 Mark (14,57 Euro) für die Telekom-Aktie geworben hatte, unterstellte einem unzufriedenen Aktionär genau dies: „Als die T-Aktie bei 100 Mark stand, hätten Sie sie verkaufen können. Das wäre ein schöner Reibach gewesen, und sicher hätten Sie mir keinen Dankesbrief geschrieben. Und haben Sie reagiert, als sie bei 90 Mark stand? Und bei 80? Und bei 70? Wahrscheinlich konnten Sie den Hals nicht voll kriegen und haben darauf gewartet, dass die Aktie steigt und steigt.“

Meilensteine des Dax

  • 1. Juli 1988

    Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1000 Punkten.

  • 5. April 1991

    In Frankfurt geht das "Interbanken-Informations-System" - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

  • 19. Januar 1996

    Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

  • 18. November 1996

    Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

  • 10. März 1997

    Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

  • 28. November 1997

    Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für "Exchange Electronic Trading" - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

  • 7. März 2000

    Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht.

  • 12. März 2000

    Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

  • 12. März 2003

    Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

  • 1. Juni 2007

    Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

  • 13. Juli 2007

    Mit 8151 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt steht der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 wieder über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab.

  • 15. Januar 2008

    Der Absturz der damals im Dax gelisteten Aktien des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate um 35 Prozent leitet die Talfahrt des Dax ein.

  • 9. März 2009

    Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: 56 Prozent hat der Dax seit dem Hoch vom 13.7.2007 eingebüßt. Mit 3588 Punkten erreicht er zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es mehr oder weniger bergauf. Anfang Mai 2011 steht der Dax schon wieder bei 7500 Punkten.

  • 8. März 2013

    Der Dax notiert erstmals seit dem 2. Januar 2008 wieder über 8000 Zählern.

Aktuell sind Aktien teuer: Der berühmte Ökonom Robert Shiller etwa errechnet aus Daten seit 1881 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Shiller hatte vor dem 2000er-Crash und vor der Immobilienkrise gewarnt. In sein KGV fließen Unternehmensgewinne aus zehn Jahren ein. Zur Zeit liegt es fast 50 Prozent über dem historischen Durchschnitt.

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Macht der Quote

Das ist ein Indikator für Überbewertung, mehr aber nicht. Es gibt kein Gesetz, das die Börse zwingt, sich jetzt dem historischen Durchschnitt zu nähern. Weil niemand vorhersagen kann, wie stark der Dax noch steigt und wann er wieder einbricht, ist es hilfreich, dem eigenen Depot feste Regeln vorzugeben – zum Beispiel die, immer nur 50 Prozent in Aktien zu halten. Sind die stark gestiegen, müssen eben welche zu hohen Kursen verkauft werden, um die Quote zu halten. Das Problem: Zu Aktien gibt es im Moment keine attraktive Alternative. Solide Anleihen sind noch teurer und bringen deshalb nur lachhafte Renditen.

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Bei hoch verzinslichen Anleihen rollt gerade eine Pleitewelle an; und bei Gold werde ich den Verdacht nicht los, dass dessen Weg nach unten noch nicht beendet ist – jedenfalls so lange nicht, wie die Märkte dank Notenbank-Hilfe die Schuldenkrise verdrängen. Klar, Anleger müssen Bargeld halten, als Reserve, und um nach einem Crash wieder zu kaufen, aber gleich 50 Prozent?

Fazit: Ohne Aktien geht es nicht. Wer zu wenig hat und doch nur gebremst investieren will, sollte Papiere von Unternehmen kaufen, die nicht nur vom Börsentrend abhängen, sondern sich in Sondersituationen befinden – zum Beispiel, weil sie gerade aufgekauft werden.

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