Erste Börsenwoche unter Trump: Furcht vor US-Protektionismus zieht Dax runter

Erste Börsenwoche unter Trump: Furcht vor US-Protektionismus zieht Dax runter

, aktualisiert 23. Januar 2017, 12:18 Uhr
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Ein Fernseh-Bildschirm zeigt Trumps Gesicht, im Hintergrund ist der Dax zu sehen.

Donald Trump startet in seine erste Arbeitswoche als 45. Präsident der USA. Der Dax reagierte am Montag mit Verlusten; Analysten erwarten unruhige Zeiten.

Die vielen offenen Fragen über die US-Wirtschaftspolitik unter Donald Trump haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Montag in die Defensive gedrängt. Der deutsche Leitindex Dax berappelte sich bis zum Mittag zwar ein Stück weit, notierte aber immer noch 0,47 Prozent im Minus bei 11.574,96 Punkten.

"Die Rede war erneut von einem eher protektionistischen Tonfall geprägt", urteilten die Analysten der BayernLB. Erhoffte Details zum geplanten Konjunkturprogramm sei Trump dagegen erneut schuldig geblieben.

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Nach Einschätzung von Michael Hewson, Chef-Marktanalyst für Großbritannien beim Online-Broker CMC Markets, steuern die Börsen auf unruhiges Fahrwasser zu. "Mit seinem eindeutigen Mangel an politischem Können bei offenbar klarer Visionen für seine Amtszeit stehen wir offenbar vor einer Achterbahnfahrt."

Dank Spekulationen auf einen US-Wirtschaftsboom unter dem neuen Präsidenten haben die europäischen Börsen seit Trumps Wahl Anfang November rund zehn Prozent zugelegt. In den vergangenen Wochen wuchsen aber die Zweifel an den "Trumponomics". So bezeichnet es Harm Bandholz, Chef-Analyst für die USA bei der Unicredit, angesichts des demografischen Wandels als unmöglich, das Trump in der kommenden Dekade wie angekündigt 25 Millionen neue Jobs schafft.

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An der Wall Street hatten sich die US-Indizes nach Börsenschluss in Deutschland kaum bewegt. Der Dow Jones beendete die Sitzung 0,5 Prozent und der Nasdaq 0,3 Prozent höher. Der S&P500 stieg ebenfalls um 0,3 Prozent.

Protektionismus-Angst an Asien-Börsen

Aus Angst vor einer protektionistischen Handelspolitik der Vereinigten Staaten trennten sich Anleger am Montag vom Dollar. Zum Yen verlor die US-Währung mehr als ein Prozent auf 113,30 Yen. Die Dollarschwäche belastete Exportwerte in Japan. An der Tokioter Börse schloss der Leitindex Nikkei 1,3 Prozent im Minus bei 18.891 Punkten. "Der Markt wird nervös, weil er befürchtet, dass der Welthandel schrumpfen wird", sagte Experte Koichi Yoshikawa von der Großbank Standard Chartered. Dies dämpfte den Optimismus der vergangenen Wochen, dass Trump über Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben das Wachstum der US-Wirtschaft anschieben wird.

Die meisten anderen Börsen in Fernost bewegten sich kaum. Der MSCI-Index für Aktien der Region Asien-Pazifik ohne Japan tendierte 0,3 Prozent höher. Die chinesische Börse in Shanghai lag leicht im Plus. Der südkoreanische Aktienmarkt in Seoul und die Börse in Hongkong traten auf der Stelle.

Trump hatte am Freitag in seiner Antrittsrede seinen harten außen- und wirtschaftspolitischen Kurs bekräftigt und die Formel "Amerika zuerst" zur Leitlinie seiner Amtszeit erklärt. Am Sonntag kündigte er zudem an, bald das Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada neu zu verhandeln. "Weil Trump sein 'America first' so oft wiederholt, bleiben Investoren in Japan in der Defensive", sagte Marktstratege Hiroyuki Nakai vom Tokai Tokyo Research Center. Kollege Masahiro Ichikawa vom Vermögensverwalter Sumitomo Mitsui Asset Management ergänzte: "Seine Rede klang protektionistisch."

In Tokio standen Aktien exportabhängiger Unternehmen unter Druck, denen ein festerer Yen im Auslandsgeschäft besonders stark zu schaffen macht. Die Papiere von Toyota gaben 1,6 Prozent nach, die Titel des Elektronikkonzerns Hitachi rund 1,5 Prozent. Zu den Kursgewinnern zählten hingegen die Toshiba -Aktien, die nach dem Kurseinbruch der vergangenen Woche neun Prozent nach oben schossen. Der angeschlagene Industriekonzern bereitet Insidern zufolge einen Teilverkauf seiner wichtigen Chipsparte vor, der dem Unternehmen finanziell Erleichterung bringen würde.

An den asiatischen Devisenmärkten zog der Euro an auf 1,0742 Dollar. Der Schweizer Franken notierte zum Euro mit 1,0725 und zum Dollar mit 0,9984.

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