ETFs: Die Gefahr des passiven Investierens

ETFs: Die Gefahr des passiven Investierens

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Für den Starinvestor Warren Buffett, CEO von Berkshire Hathaway, ist passives Investieren ein Erfolgsmodell.

Quelle:Handelsblatt Online

Das neue Erfolgskonzept an den Kapitalmärkten mit börsengehandelten Fonds (ETFs) kommt unter Druck. Selbst Protagonisten dieser passiven Strategie warnen vor Chaos. Anleger sollten sich davon nicht irritieren lassen.

Es war ein denkwürdiger Moment. Auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway, seiner Firma, gratulierte Star-Investor Warren Buffett seinem Freund John Bogle Anfang Mai zum 88. Geburtstag. Und lobte erneut das Konzept, dem Bogle mit seiner Fondsgesellschaft Vanguard zum Durchbruch verholfen hat: passives Investment.

Statt mit Hilfe teurer Analysten besser sein zu wollen als der breite Markt, bilden passive Fonds kostengünstig einfach Aktienindizes ab. Warren Buffett ist der Meinung, dass dieser Weg für private Anleger der richtige ist. Viele Anleger sehen es genauso. Das hat zum Siegeszug des passiven Investierens geführt. Und zu der Sorge, dass die Märkte irgendwann nicht mehr funktionieren: Wenn niemand mehr aktiv handelt, schläft die Börse ein und kann auch keine Unternehmenswerte mehr abbilden.

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Kein anderer als Bogle selbst hat davor gewarnt ¬– und das ausgerechnet auf der HV von Berkshire, für die er nach Omaha angereist war. „Wenn jeder nur noch in Indizes investiert, dann kann man das nur als Chaos, Katastrophe beschreiben“, sagte er, nachdem er sonst Jahre lang sein Konzept gegen Kritiker verteidigt hat.

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Er steht mit seinen Sorgen nicht allein. Wenn sich der Trend fortsetzt, dann gibt es 2030 gar keine aktiven Aktienmanager mehr, warnt Renaud de Planta von Pictet Asset Management. Und der bekannte Hedgefonds-Manager Jeff Gundlach spottet, dass es eigentlich gar kein passives Investieren gibt. Seine Argumentation: Bei Indexfonds sind diejenigen, die über die Zusammensetzung der Indizes bestimmen, die Manager. „Da gibt es ein Komitee, also gibt es auch ein aktives Management“, sagt er.

Andere Stimmen sind ausgewogener. George Walker etwa, Chef der aktiven Vermögensverwaltung Neuberger Berman, räumt ein, dass es schwierig ist, bei großen Aktien mit aktivem Management etwas zu erreichen, weil praktisch alle verfügbaren Informationen weithin bekannt und ausgewertet sind. Er und seine Analysten konzentrieren sich deswegen auf kleinere Werte und versuchen dort, bisher unentdeckte Chancen zu nutzen.

Als weiteres Feld, wo Analyse einen Mehrwert schaffen kann, gelten Unternehmensanleihen. In dem Bereich setzt sogar Vanguard auf aktives Management. Es gibt also Märkte, wo die Analysten noch etwas leisten können. Die Frage bleibt immer, ob sie damit ihre eigenen Kosten verdienen.

Ben Johnson, bei der Researchfirma Morningstar auf börsengehandelte Fonds (ETFs) und damit auch auf passives Investment spezialisiert, hat einstweilen keine Sorge, dass die Märkte ins Chaos stürzen. „Es reicht ja, wenn es einige wenige sehr aktive Manager gibt, zum Beispiel Hedgefonds, die den Markt am Laufen halten“, sagt er.

Möglicherweise teilt sich der Markt künftig daher in eine große Masse passiver Fonds und eine kleine Anzahl hoch spezialisierter, zum Teil auch mit mathematischen Methoden arbeitender Vermögensverwalter. Traditionelle Fonds, die aktiv managen und erfolglos die jeweiligen Indizes zu schlagen versuchen, dürften dagegen weiter verlieren.

Für Anleger ist klar: So lange passive Fonds besser abschneiden als aktive, gibt es keinen Grund, sich von Chaos-Sorgen schrecken zu lassen. In der Diskussion kommen viele Stimmen zu Wort, die im eigenen Interesse argumentieren. Aktives Management ist nach wie vor eine große Branche, die einer Menge hoch bezahlter Leute Jobs bietet. Kein Wunder, dass die sich der Erosion ihrer wirtschaftlichen Basis entgegen stemmen.

Letztlich darauf an, dass die Kosten niedrig und die Risiken gut verteilt sind. Wenn ein aktiver Fonds das ebenfalls leisten kann, ist das in Ordnung. Passives Investment muss sich auch nicht immer nach den gängigen Indizes richten, die ja auch nur eine einzige Auswahl unter vielen anderen möglichen darstellt ¬- in dem Punkt hat Gundlach Recht. Aber die Gebühren für die Nutzung von Indizes sind eben niedriger als die Gehälter für einen Stab von eigenen Fonds-Analysten.

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Quelle:  Handelsblatt Online
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