Euro-Länder: Wie die EZB Staatspleiten verschleppt

Euro-Länder: Wie die EZB Staatspleiten verschleppt

Die Hoffnung auf Rettung der Euro-Pleitekandidaten ist trügerisch. Trotz der fortgesetzten Geldflut der EZB wird sich die Rezession in den Krisenländern wohl weiter verschlimmern. Ein paar Zahlen.

Bild vergrößern

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main: Märkte fluten, Geld verbrennen

Griechenlands Regierungschef Lukas Papademos hat an den europäischen Aktienmärkten neue Hoffnungen auf eine baldige Einigung über einen griechischen Schuldenschnitt geweckt. „Es gibt Fortschritte bei den Griechenland-Gesprächen und der härtere Sparkurs der führenden europäischen Regierungschefs steht, das verbreitet Optimismus“, sagte Mike Lenhoff, Chefstratege beim britischen Vermögensverwalter Brewin Dolphin Securities. Der Dax legte im Tagesverlauf um ein Prozent auf mehr als 6500 Zähler zu, der EuroStoxx50 gewann ebenfalls ein Prozent. Papademos hatte sich nach einem Treffen mit Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Union in der Nacht zuversichtlich gezeigt, die Verhandlungen über einen Forderungsverzicht privater Gläubiger bis Ende der Woche unter Dach und Fach zu bringen. Der Schuldenschnitt ist eine wichtige Voraussetzung für das zweite griechische Hilfspaket, das die Zahlungsunfähigkeit des hoch verschuldeten Landes abwenden soll.

Leihen sich Banken eine Billion Euro?

Anzeige

Dessen ungeachtet kündigt sich seitens der EZB eine neue Geldflut an: Die Banken des Euroraums wollen sich einem Bericht der Financial Times zufolge am 29. Februar noch stärker mit langfristiger Liquidität eindecken als zum Jahresausklang. Offenbar könnte bis zu einer Billion Euro von der EZB auf die Konten der Banken fließen. Demnach könnte die Nachfrage nach Zentralbankgeld mit dreijähriger Laufzeit etwa doppelt so hoch ausfallen wie im Dezember.

Seinerzeit hatte die Europäische Zentralbank erstmals ein Refinanzierungsgeschäft mit einer ungewöhnlich langen Laufzeit von drei Jahren aufgelegt und den Banken gestattet, sich so viel Geld zu leihen wie sie wollen. Ausschlaggebend waren Verspannungen am Interbankenmarkt, wo die Institute direkt mit freier Liquidität handeln. Aufgrund der unabsehbaren Risiken durch Staatsanleihen in den Bankenbilanzen liehen sich Banken aber untereinander kein Geld mehr, sondern parkten es lieber bei der EZB. Nun sagte ein nicht namentlich genannter Bankchef der Financial Times: "In der zweiten Runde werden wir nicht so vorsichtig sein. Wir hätten uns schon beim ersten Mal mehr Geld leihen sollen.". Ein Manager der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet dem Bericht zufolge damit, dass sich die EZB-Kredite auf eine Billion Euro verdoppeln könnten. Allerdings könnte es deutlich mehr werden, sollte sich die Lage an den Finanzmärkten nochmals eintrüben.

Die EZB hofft durch die Geldflut eine drohende Kreditklemme zu verhindern und spekuliert darauf, dass die Banken mit der neuen Liquidität in Staatsanleihen der krisengeplagten Länder Griechenland, Portugal, Irland, Italien und Spanien investieren. Im Dezember hatten sich die Banken des Währungsraums die Rekordsumme von fast 490 Milliarden Euro bei der EZB geliehen. An dem Geschäft hatten sich über 500 Banken beteiligt - eine sehr hohe Anzahl. Dennoch waren zuletzt die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen Portugals auf mehr als 17 Prozent geklettert.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%