Euro-Schuldenstaaten: Der „Tag der Staatsanleihen“ floppt

Euro-Schuldenstaaten: Der „Tag der Staatsanleihen“ floppt

, aktualisiert 28. November 2011, 15:54 Uhr
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Euromünzen der Länder Italien, Spanien, Portugal, Irland und Griechenland - einige von ihnen geben diese Woche neue Anleihen auf den Markt.

von Annika WilliamsonQuelle:Handelsblatt Online

Die europäischen Schuldenstaaten wollen Anleger trickreich für ihre Anleihen begeistern - Italien rief heute sogar den "Tag der Staatsanleihen" aus. Doch es hilft nichts: Die Geldquellen für Euro-Schuldner trocknen aus.

DüsseldorfEs ist die Woche der Wahrheit für die gebeutelte Euro-Zone: Innerhalb weniger Tage geben Belgien, Italien, Spanien und Frankreich geballt neue Anleihen auf den Markt. Weltweit schauen Investoren auf das Ergebnis der Auktionen. Die Renditen für Staatsanleihen sind das Barometer für das aktuelle Vertrauen in die Euro-Zone, in den vergangenen Wochen sagte dieses Barometer Sturm voraus.

Es dürften durchweg teure Anleiheemissionen werden: Im Vorfeld rentieren die Papiere der vier Euro-Schuldenstaaten zwischen 3,5 und sieben Prozent. Die Anleger sind nervös: Die Ratingagentur Moody's kündigte just heute Morgen an, die Bonität der gesamten Eurozone sei in Gefahr, selbst wenn es nicht zu Staatspleiten kommt.

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Italien hat eine neue Emission schon hinter sich - mit beunruhigendem Ergebnis. Bei einer Emission eines an die Inflation gekoppelten Papiers mit Laufzeit bis September 2023 lag die Rendite am Montag bei 7,3 Prozent. Insgesamt brachte die vergleichsweise kleine Auktion dem italienischen Staat 567 Millionen Euro ein. Geplant war eine Kreditaufnahme bis zu 750 Millionen Euro. „Das einzig Positive an der Auktion war, dass der Staat alle Papiere losgeworden ist - allerdings sind die Renditen auf einem Niveau, das langfristig nicht tragbar ist“, betonte ING-Analyst Alessandro Giansanti.

Weitere Emissionen stehen am Dienstag an. Die Renditen der italienischen Papiere bewegen sich schon einige Tage im Umfeld der kritischen sieben-Prozent-Marke, für eine zweijährige Anleihe musste Italien vergangene Woche sogar einen Zins von 7,8 Prozent zahlen. Höhere Zinssätze wurden seit Einführung des Euros noch nie von Italien gezahlt. Im Oktober lagen sie mit 3,5 und 4,6 Prozent noch deutlich tiefer. Italien ist wegen seiner hohen Verschuldung ins Visier der Finanzmärkte geraten.

Auf einem Zinsniveau von über sieben Prozent brauchten bereits Irland, Griechenland und Portugal externe Finanzhilfe. Italien hat sich in dieser verzwickten Lage eine besondere Lösung für seine Refinanzierung ausgedacht: Kleinanlegern wurden heute die Gebühren beim Anleihekauf erlassen. Damit sollte das Interesse bei den Staatsbürgern geweckt und die Zinsen für die Regierung wieder gedrückt werden - doch der patriotische "Tag der Staatsanleihen" hatte wenig Erfolg. Italienische Banken und der Fußballverband unterstützen diese Kampagne. Am 12. Dezember haben Anleger nochmal die Chance, gebührenfrei zu investieren. Ein Bankdirektor des Geldinstituts Intesa Sanpaolo sagte AFP, er habe eigentlich „viel Bewegung“ erwartet. „Aber bislang ist die Nachfrage sehr gering, soviel ich weiß.“

"Die italienischen Sparer sind möglicherweise Anleihegläubiger letzter Instanz, nachdem die Banken und institutionellen Anleger ihre Bestände an Staatspapieren reduzieren", erläutert Wolfram Mrowetz, der Vorsitzende der Investmentgesellschaft Alisei SIM in Mailand. In Italien besitzen Privatanleger Staatsanleihen von 223 Mrd. Euro, das sind etwa 14 Prozent des Gesamtvolumens, rechnet die Nachrichtenagentur Bloomberg vor.

Als weiteren Krisenkandidaten haben die Finanzmärkte in den vergangenen Wochen Belgien ins Visier genommen. Das Euro-Land hat Investoren bei einer Auktion zehnjähriger Staatsanleihen so hohe Zinsen wie seit über zehn Jahren nicht mehr bieten müssen. Die Rendite lag bei 5,659 Prozent, wie die nationale Schuldenagentur in Brüssel mitteilte. Dies ist der höchste Wert seit Anfang 2000. Mit der Emission nahm der belgische Staat 450 Millionen Euro auf. Ende Oktober hatte die Rendite bei einer ähnlichen Auktion noch deutlich niedriger bei 4,372 Prozent gelegen. Neben der zehnjährigen Anleihe versteigerte Belgien am Montag weitere Papiere mit Fälligkeiten von 2018 bis 2041. Das Gesamtvolumen lag bei rund zwei Milliarden Euro.

Wegen des seit eineinhalb Jahren anhaltenden Tauziehens um eine neue Regierung ging das Vertrauen der Investoren zuletzt kontinuierlich zurück. Die Ratingangentur S&P hatte Belgiens Kreditwürdigkeit am Freitag auf „AA“ von „AA+“ herunter gestuft. Heute fand somit die erste Anleiheemission mit dem schlechteren Rating statt. Zumindest ein positives Signal hat die Politik am Wochenende gegeben: Die zerstrittenen Parteien haben sich auf Maßnahmen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits geeinigt. In der vergangenen Woche waren die belgischen Renditen auf den höchsten Wert seit elf Jahren geklettert.


Ratingagenturen drohen mit Herabstufung

Die Spanier haben vergangene Woche ein neues Parlament gewählt, doch am Sekundärmarkt wurde das kaum als frohe Botschaft aufgefasst: Die Rendite der Staatspapiere stieg um 25 Basispunkte auf 6,6 Prozent. Wie genau die Regierung ihren Haushalt in Ordnung bringen will, erfahren Wähler wie Investoren frühestens mit dem neuen Regierungsprogramm Mitte Dezember.

Bundesanleihen konnten in den vergangenen Wochen meist von der Nervosität auf dem Bond-Markt profitieren, da die deutschen Papiere als relativ sicherer Hafen gelten. Doch auch die Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg am Montagmorgen um fünf Basispunkte auf 2,30 Prozent.

Die neuen Anleiheemissionen zeigen nicht nur, was Investoren gerade von den Problemen und Lösungsansätzen der Schuldenstaaten halten. Die Konsequenzen gehen über den Zinssatz, den die Länder für ihre Schulden zahlen müssen, weit hinaus. Die großen Ratingagenturen schauen mit Argusaugen auf die Anleiheemission: Seit selbst für einigermaßen solide Staaten wie Frankreich die Zinsen immer weiter steigen und den Schuldendienst verteuern, haben sie ein Ultimatum gesetzt: Wer über lange Zeit nicht von den hohen Zinssätzen wegkommt, könnte auf der Bonitätsskala nach unten rutschen. So hat jüngst die Agentur Moody's Frankreich angekündigt, das 'AAA'-Rating sei in Gefahr.

Auch außerhalb der Eurozone rumort es an der Anleihefront: Einen Tag vor der Zinsentscheidung der Notenbank hat die Schuldenagentur in Ungarn das Volumen einer Emission sechswöchiger Anleihen um rund ein Drittel gekürzt. Zugeteilt wurden den Angaben zufolge am Montag Papiere im Wert von 35 Milliarden Forint (113 Millionen Euro) mit einer Durchschnittsrendite von 7,24 Prozent. Ursprünglich wollte die Schuldenagentur Titel im Volumen von 50 Milliarden Forint platzieren.

Auch die Slowakei hat heute nur einen Teil ihrer geplanten Anleiheemission unterbringen können. Komplett absagen musste Litauen die Emission zweijähriger Anleihen, nachdem gerade einmal Gebote über 5,2 Millionen Euro eingegangen waren. Bei der vorangegangenen Auktion wollten Investoren noch Papiere für die vierfache Summe kaufen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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