
DüsseldorfEs ist ein Zahlen-Spiel. Ein makabres, zugegeben. Wie lange wird es die Euro-Zone in der bestehenden Form noch geben? Oder anders ausgedrückt: Wann wird der wirtschaftliche und politische Druck auf Griechenland so groß, dass die Südeuropäer aus dem exklusiven Währungsclub austreten?
Einige Banken geben in schöner Regelmäßigkeit Zahlen zu Griechenland nach draußen. Genauer gesagt Wahrscheinlichkeiten zum Verbleib der Hellenen im Euro-Verbund. So wie die Credit Suisse. Helen Haworth und Panos Giannopoulos, Strategen bei der Schweizer Großbank, verschicken regelmäßig kurze Notizen an ihre vermögenden Kunden. Mittlerweile schreiben die beiden, dass die Wahrscheinlichkeit, dass in Griechenland demnächst wieder mit Drachme bezahlt wird, bei mehr als 50 Prozent läge. Und das schon innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Es fehle noch immer an Kapital, meinen Haworth und Giannopoulos. Zudem kämen die Strukturreformen nicht voran. Dass ein möglicher Austritt der Griechen aus der Euro-Zone die Krise des alten Kontinents lindere, glauben die Experten allerdings nicht. Die Wiedereinführung einer lokalen griechischen Währung würde „starke negative Folgen für die Stimmung“ haben, heißt es in der Notiz an die Kunden. Letztlich werde damit das Bestehen der gesamten Euro-Zone aufs Spiel gesetzt.
Auch die Ratingagenturen sind beim Spiel der Wahrscheinlichkeiten dabei, bei der großen Wette zur Zukunft Athens. Die Möglichkeit, dass Griechenland aus dem Euro-Verbund austrete, sei seit Jahresbeginn gestiegen, sagt Sarah Carlson, Analystin bei Moody’s. „Das Risiko ist sogar deutlich höher.“ Eine konkrete Zahl nennt sie allerdings nicht.
Ein Frankfurter Banker ist da sehr viel forscher, auch wenn er seinen Namen besser nicht im Internet lesen mag. „80 Prozent“, sagt er. Zeitraum: acht bis zwölf Monate“. Wer bietet mehr?
So pleite, wie man nur pleite sein kann
Internationale Investoren setzten ohnehin keinen Cent mehr auf Athen. Der Preis für Credit Default Swaps (CDS), also Kreditausfallversicherungen, ist mittlerweile in astronomische Höhen gestiegen, auf mehr als 17000 Punkte. Zum Vergleich: die CDS-Prämien für Spanien liegen bei 626 Punkten, die Deutschlands bei rund 80 Punkten.
1 Punkt bedeutet, dass Investoren 1000 Euro zahlen müssen, um Anleihen im Gegenwert von 10 Millionen Euro abzusichern. 1000 Punkte entsprechen also einer Million Euro Versicherungsprämie. Aus Sicht des Marktes ist Griechenland so pleite, wie man nur pleite sein kann.
Erschwerend kommt hinzu, dass Griechenland offenbar nicht vorankommt mit seinen Reformbemühungen. Erst gestern sind Vertreter der sogenannten Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission wieder nach Athen gereist, um einzuschätzen, ob Griechenland bei den Sparauflagen Fortschritte vorzuweisen hat und damit weitere Kredite erhalten kann. Die Zweifel sind groß. Der Abschlussbericht der Troika soll im September vorliegen. Griechenland hat bislang knapp 150 Milliarden Euro an internationalen Hilfen erhalten. Die Zeit wird knapp. An ein gutes Ende glauben nur noch wenige.
Schon gar nicht Markus Söder. Der bayerische Finanzminister forderte einmal mehr den Austritt der Griechen aus dem Euro-Raum. Anders könne das Land den Weg aus der Krise nicht bewältigen: „Griechenland hat kaum eine Chance, und deswegen ist der Austritt Griechenlands zwangsläufig.“, sagte Söder. Seit anderthalb Jahren gäben die Europäer immer mehr Geld. „Zurückgekommen auch im Sinne von Reformschritten ist nichts.“ Söder äußerte zudem die Erwartung, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) aus der Griechenland-Finanzierung aussteigt.
Söder hatte schon vor Monaten einen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. In den vergangenen Tagen hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit öffentlichen Überlegungen zu einem griechischen Austritt für Wirbel gesorgt. Dieser habe "längst seinen Schrecken verloren", hatte Rösler gesagt.



















