Euronext: Mehrländerbörse verlängert Clearing-Vertrag mit London

Euronext: Mehrländerbörse verlängert Clearing-Vertrag mit London

, aktualisiert 08. August 2017, 13:46 Uhr
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Die Mehrländerbörse vollzieht mit der Verlängerung einen Kurswechsel, da sie bislang angekündigt hatte, das lukrative Clearinggeschäft – also die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen – künftig von der US-Börse ICE vornehmen zu lassen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die in Paris ansässige Mehrländerbörse Euronext hat ihre Zusammenarbeit mit dem zur Londoner Börse gehörenden Clearing-Anbieter LCH ausgeweitet. Damit strebt Euronext einen überraschenden Kurswechsel an.

London/FrankfurtDie in Paris ansässige Mehrländerbörse Euronext hat ihre Zusammenarbeit mit dem zur Londoner Börse gehörenden Clearing-Anbieter LCH überraschend verlängert. Wie beide Firmen am Dienstag mitteilten, soll der ursprünglich im kommenden Jahr auslaufende Vertrag um zehn Jahre länger laufen, also über den Zeitpunkt des Ausscheidens Großbritanniens aus der EU im März 2019 hinaus.

Infolge des Schritts könnte künftig mehr Clearingaktivität nach Paris wandern. Für die Deutsche-Börse-Tochter Eurex könnte es damit schwerer werden, das wegen des Brexit aus London abwandernde Clearing-Geschäft nach Frankfurt zu ziehen.

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Euronext vollzieht mit der Verlängerung einen Kurswechsel, da sie bislang angekündigt hatte, das lukrative Clearinggeschäft – also die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen – künftig von der US-Börse ICE vornehmen zu lassen. Diese Pläne sind nun offenbar vom Tisch.

Bei dem jetzt verkündeten Deal wird Euronext ihren bisherigen Anteil an der Londoner LCH Group gegen einen Anteil an deren Pariser Niederlassung tauschen. Damit steigt der Anreiz, mehr Transaktionen in Paris abzuwickeln. Wie Euronext mitteilte, sollen die Clearing-Gebühren ab 2019 um fünf auf 15 Prozent sinken.

Banken müssen viele Derivate-Geschäfte über Clearinghäuser wie die Eurex oder LCH abwickeln. Diese stehen zwischen Käufer und Verkäufer und springen ein, wenn einer der Handelspartner ausfällt. Da das Geschäft mit in Euro ausgegebenen Derivaten zu großen Teilen in London abgewickelt wird, sucht die EU nach einer Lösung für die Zeit nach dem Brexit.

Den im Juni vorgestellten EU-Plänen zufolge soll die Marktaufsichtsbehörde ESMA das Clearing von in Euro ausgegebenen Derivaten überwachen. Notfalls will die EU-Kommission Teile des Derivatemarktes aus London abziehen.

LCH dominiert das lukrative Clearing in London. Die Deutsche-Börse-Tochter Eurex hofft nach dem Brexit auf einen deutlich höheren Anteil an dem Geschäft, das Experten zufolge Magnetwirkung für andere Bankaktivitäten haben könnte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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