Europäische Banken: Die Zombies melden sich zurück, der Dax erschrickt

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Europäische Banken: Die Zombies melden sich zurück, der Dax erschrickt

von Frank Doll

Das Bankensystem der Eurozone ist überdimensioniert, unterkapitalisiert und de facto insolvent. Daran wurden Anleger in der vergangenen Woche wieder erinnert. Wegen der hohen Bedeutung von Bankaktien für die europäischen Börsen, tauchten die Aktienindizes ab.  

Die Liste der Banken im Euro-Raum, die vor dem Aus stehen und vom Steuerzahler gerettet werden müssen, droht immer länger zu werden. Rückblick: Im Oktober 2011 musste die französisch-belgische Großbank Dexia bereits zum zweiten Mal nach 2008 gerettet werden. Nur drei Monate zuvor hatte Dexia noch den Stresstest der European Banking Authority (EBA) als zwölftbestes unter 100 Instituten bestanden. Danièle Nouy, die neue Chefin der europäischen Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) war zuvor Aufseherin über die französischen Banken gewesen und somit auch in den Fall Dexia involviert. Gleiches gilt für EZB-Chefökonom Peter Praet, der vor seinem Wechsel nach Frankfurt bei der belgischen Zentralbank unter anderem für Aufsichtsfragen verantwortlich war. Übrigens soll Dexia ganz oder zum Teil vom neuen Stresstest der EZB ausgenommen werden. Die Bank käme den Regierungen in Paris und Brüssel wohl zu teuer. Dexia war der große Finanzier französischer Kommunen. Aber jede dritte französische Kommune sei pleite, sagt Jaques Attali, einst Wirtschaftsberater des früheren französischen Staatspräsidenten François Mitterrand. Bisher musste Dexia mit zwölf Milliarden Euro gestützt werden. Man wird vermutlich noch von Dexia hören.

Trotz Kurssprüngen Bankaktien sind noch nicht über den Berg

An den Börsen feierten zuletzt ausgerechnet die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank Erfolge, viele sehen bereits das Comeback der Papiere. Warum das trotz der jüngsten Kursgewinne noch weit entfernt ist.

Die Skyline der Bankenmetropole Frankfurt Quelle: dpa

Ein Jahr nach Dexia hob gleich das gesamte spanische Bankensystem die Hand. Ihm schlossen sich an in Italien die Banca Monte dei Paschi di Siena und in Holland SNS Reaal. Nicht vergessen werden in dieser Aufzählung natürlich die zyprischen und slowenischen Banken. Jetzt setzt sich der Reigen offenbar fort in Österreich und in Portugal.

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Die Erste Group Bank, die größte Bank Österreichs, erhöhte ihre Rückstellungen für Wertberichtigungen auf ihr Kreditportfolio auf einen Schlag um 40 Prozent. Damit wird sich die Erste vermutlich einen Jahresverlust zwischen 1,4  und 1,6 Milliarden Euro einhandeln. Ausgelöst hatte den zusätzlichen Abschreibungsbedarf vor allem ein neues Bankengesetz in Ungarn. Dieses bürdet Banken bei Fremdwährungskrediten höhere Lasten auf. Hintergrund ist, dass viele Ungarn nach der Abwertung der heimischen Währung Forint ihre in tiefer verzinsten Fremdwährungen aufgenommenen Schulden nicht mehr bedienen können. Die Österreicher hatten dafür offenbar nicht ausreichend vorgesorgt. Das verwundert nicht. Schließlich wären Forderungen nach einer Kapitalerhöhung laut geworden. Das sollte wohl vermieden werden. Ironischerweise wurde die Erste jetzt von einer osteuropäischen Regierung zur Wertberichtigung ihrer Kredite gezwungen. Eigentlich wäre das die Aufgabe der Aufsichtsbehörden gewesen. Österreichs Banken haben in Zentral- und Osteuropa Fremdwährungskredite im Volumen von 74 Milliarden Euro ausgereicht. Das sind 43 Prozent aller ausstehenden Kredite. Den unrentablen österreichischen Banken drohen weitere Existenz bedrohende Abschreibungen.

In Portugal spitzt sich derweil die Krise zu um die Familienholding Espírito Santo International (ESI). Nach dem Kurskollaps der Anleihen geht es hier offenbar auf dem direkten Weg in die Insolvenz. Am vergangenen Dienstag konnte ESI eine Anleihe nicht bedienen. Unmittelbar betroffen ist die in Luxemburg ansässige und von ESI kontrollierte Espírito Santo Financial Group (ESFG). Diese wiederum kontrolliert 25 Prozent des Aktienkapitals der portugiesischen Großbank Banco Espírito Santo (BES). Bis vor Kurzem war BES gemessen an der Marktkapitalisierung noch die größte Bank Portugals. Innerhalb eines Monats hat sich der Marktwert halbiert auf aktuell unter drei Milliarden Euro.

Wiwo.de hatte bereits im Mai auf die Probleme bei ESI hingewiesen und dringend vor Investments abgeraten. Am Donnerstag wurden Aktien und Anleihen von ESFG vom Handel ausgesetzt. Die Ratingagentur Moody´s hatte die Bonität tags zuvor von B2 auf Caa2 in den extrem spekulativen Bereich abgestuft. Im Klartext heißt das Ramsch. Auch die Aktien der BES wurden nach einem Kurssturz von knapp 20 Prozent vom Handel ausgesetzt. In der Folge brachen auch italienische und spanische Bankwerte ein um bis zu fünf Prozent.

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