Europäische Zentralbank: Plötzlich ist ein Strafzins für Banken in Ordnung

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Europäische Zentralbank: Plötzlich ist ein Strafzins für Banken in Ordnung

Mit seiner Befürwortung eines negativen Einlagezinses für Banken sorgt Bundesbank-Chef Jens Weidmann für Staunen. Lange galt der Strafzins als unwahrscheinlich, jetzt soll er kommen. Was hat sich geändert?

Die Anzeichen vor der entscheidenden Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) verdichten sich: Voraussichtlich wird die Notenbank den Leitzins von 0,25 auf 0,15 Prozent senken. Die Börse freut sich schon, obwohl einige Experten diese Zinssenkung eher als Symbolpolitik betrachten.

Auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann hält die Zinssenkung nicht für den großen Wurf. Vielmehr sieht er in einem anderen Zinsschritt als wesentlich bedeutsamer an. Zu den in Aussicht gestellten Maßnahmen der EZB soll auch ein negativer Einlagezins für Banken gehören, gemeinhin auch als Strafzins bezeichnet. Den müssten Banken zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Zentralbank horten. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass er bei -0,1 Prozent liegen könnte. „Wenn Banken Zinsen dafür zahlen müssen, dass sie ihr Geld beim Euro-System parken, dann könnte das unter anderem den Geldmarkt zwischen den Banken beleben und damit auch die kreditvergabe an Unternehmen anregen“, sagte Weidmann im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

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Wirkung kaum vorhersagbar

Dass erneut an der Zinsschraube gedreht wird, hält Weidmann für einen normalen Griff in die Werkzeugkiste der Zentralbanker, eine expansive Geldpolitik sei nach dem schwersten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegszeit angemessen. Mit Blick auf den Strafzins betont er allerdings auch Befürchtungen, Banken könnten die zusätzlichen Kosten auf die Kreditnehmer abwälzen. „Mit allen jetzt diskutierten Maßnahmen begeben wir uns auf unbekanntes Terrain“, sagt Weidmann der SZ. Ihre Wirkung sei schwerer prognostizierbar als in einem normalen geldpolitischen Umfeld.

Das Kalkül der Notenbanker beim Strafzins: Die Institute sollen wieder mehr Kredite vergeben, weil es sich nicht mehr lohnt, Geld bei der EZB zu halten. Die Kredite sollen Investitionen ankurbeln und damit der Konjunktur neuen Schwung verleihen. Das könnte wiederum für höhere Preise und damit Inflation sorgen. Die Gefahr dauerhaft fallender Preise, also eine Deflation, könnte somit verringert werden. Bundesbankchef Jens Weidmann signalisierte, sein Haus sei grundsätzlich offen für Maßnahmen im Kampf gegen eine zu niedrige Inflation.

Bislang ist der Strafzins unerprobt. Schon der ehemalige deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen hatte sich vor einem Jahr skeptisch über die Maßnahme geäußert: es könne wirken, müsse aber nicht. Nachdem er in den vergangenen Krisenjahren sukzessive gesunken war, beträgt der Einlagezins für Banken seit vergangenen November null Prozent. Vor der Krise betrug er noch drei Prozent. Offenbar ist nun die Zeit für den Negativzins gekommen.

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