
Nein, der Börsengang des Chemiekonzerns Evonik ist noch nicht in trockenen Tüchern. Am Montagabend teilte die RAG-Stiftung, der knapp 75 Prozent der Evonik-Anteile gehören, mit, dass sie weiterhin die Absicht hegt, Evonik an die Börse zu bringen. Der Stiftungsvorsitzende Wilhelm Bonse-Geuking schränkte aber ein: „Allerdings müssen wir die nicht unerheblichen und zunehmenden Risiken genauestens im Auge behalten. Wir werden den Zeitplan des Börsengangs gegebenenfalls überprüfen müssen.“ Als erster Handelstag an der Börse war einmal der 25. Juni angedacht. Die Aufgabe der Stiftung ist es, von 2019 an die Folgekosten des auslaufenden deutschen Steinkohlebergbaus zu finanzieren.
Bild: dpaEvonik
Der Chemiekonzern Evonik wollte erst im Mai , dann Ende Juni an die Börse gehen. Doch mit dem ersten Milliarden-Börsengang in Deutschland nach der Finanzkrise wird es wohl vorerst nichts. Die Evonik-Eigner, die RAG-Stiftung sowie der britische Finanzinvestor CVC, der über 25 Prozent an dem Essener Unternehmen hält, verschieben den Börsengang zunächst wegen des schwierigen Marktumfelds. Sollte die RAG-Stiftung und CVC insgesamt 30 Prozent der Anteile verkaufen, könnte Evonik leicht fünf Milliarden Euro schwer werden. Damit wäre das Unternehmen ein möglicher Kandidat für den Dax. Das es bei den Essenern schon vor dem Börsengang glänzend läuft, beweist ein Blick auf die Zahlen. Im vergangenen Jahr erzielte Evonik einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro, wovon über eine Milliarde Euro als Gewinn übrig blieb. Damit konnte das Chemieunternehmen seinen Gewinn um 38 Prozent steigern.
Bild: dpaTalanx
Der Versicherer aus Hannover hält das derzeitige Marktumfeld ebenfalls günstig für einen Börsengang. Analysten prognostizieren der Hannover Rück Tochter ein Handelsvolumen von einer Milliarden Euro, sollten sie kommendes Quartal an die Börse gehen. Der drittgrößte deutsche Versicherer plant seine Börsennotierung mittlerweile schon seit einem Jahrzehnt. Dass es den Hannoveranern nun ernst ist, zeigt auch die Weigerung des Vorstandchefs Ulrich Wallin eine Gewinnprognose für 2012 abzugeben. In Börsenprospekten sind solche Prognosen hinderlich, weil Investoren das Unternehmen darauf festnageln könnten. Für das letzte Jahr sind die Zahlen allerdings bekannt. 2011 machte Talanx einen Gewinn von 520 Millionen Euro.
Bild: dpaKolbenschmidt Pierburg (KSPG)
Das Unternehmen gehört zur Automobilsparte des Düsseldorfer Rüstungskonzerns Rheinmetall. Der Autozulieferer Kolbenschmidt Pierburg erwägt einen Börsengang bis Juni 2012. Die Unternehmensdaten können sich sehen lassen. Im letzten Jahr lag der Umsatz bei über zwei Milliarden Euro. Sollte der Mutterkonzern Rheinmetall 50 Prozent seiner Anteile verkaufen, könnten die Banken Aktien für rund eine halbe Milliarde Euro verkaufen.
Bild: apSchiesser
Aufsichtsratchef Volker Grub hatte seine Pläne für einen Börsengang mehrmals verschoben. In der Sommerpause soll es nun so weit sein. Die BHF-Bank und Equinet sollen die Börsennotierung begleiten. Das Traditionsunternehmen, dass für seine Feinrippunterwäsche bekannt ist, war erst im vergangenen Jahr nach zwei Jahren Sanierung aus der Insolvenz gekommen. Mit dem Erlös aus dem Börsengang sollen die Gläubiger ausgezahlt werden. 2010 hat das Unterwäscheunternehmen einen Umsatz von 124,5 Millionen Euro erzielt. 5,1 Millionen Euro blieben als Nettogewinn übrig.
Bild: dpaH.C. Starck
Beim Spezialchemiekonzern H.C. Starck ist man sich derweil unsicher geworden, ob ein Börsengang riskiert werden soll. Derzeit prüfen die Finanzinvestoren Advent und Carlyle, die die Börsennotierung von H.C. Starck begleiten sollten, parallel auch wieder einen Verkauf. Um Ostern herum soll die Richtung klar sein. Das Unternehmen, dass sich auf Metall-Pulver, Bauteile und technische Keramik spezialisiert, konnte im letzten Jahr 883 Millionen Euro umsetzen, 28 Prozent mehr als 2010.
Bild: dpaOsram
Die Siemens-Tochter plant seit längerem einen Börsengang. Im Herbst letzten Jahres sollte Osram an der Börse notiert werden, doch damals stellte sich Siemens noch dagegen. Mit der Börsen-Rally seit Jahresanfang haben sich die Börsenpläne aber wieder vertieft. Im Zuge der Neuemission an der Börse strengt der Leuchtmittelhersteller eine Effizienzsteigerung an. Und die sieht vor bis 2014 3000 Stellen zu streichen. Davon sollen allein in Deutschland 1050 Arbeitsplätze wegfallen. Weltweit hat Osram 41.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2011 erreichte der Münchner Konzern einen Umsatz von fünf Milliarden Euro.
Bild: dpaFlint
Der Druckfarbenhersteller Flint ist ein weiterer Börsenkandidat des Finanzinvestors CVC. Mit Flint käme ein etwas kleinerer Titel an die Börse. Das Unternehmen verdiente im vergangenen Jahr operativ (Ebitda) 310 Millionen Euro. Gegründet wurde Flint 1865. Über BASF wurde Flint später an CVC verkauft.
Bild: dpaGrohe
Der Badarmaturen-Hersteller Grohe kann seit Jahren sprudelnde Gewinne vorweisen. Im Jahr 2010 verfehlte das Unternehmen mit Hauptsitz in Hemer mit einem Umsatz von 980 Millionen Euro nur knapp die Milliardengrenze. Die Grohe-Eigentümer TPG und Credit Suisse, die bei der Übernahme viel Kritik einstecken mussten, haben die Sanierung des Konzerns fast abgeschlossen und damit den Weg für einen Börsengang geebnet. Mit einem Milliardenumsatz könnte Grohe einen Platz im MDax bekommen.
Bild: dapdBertelsmann
Der größte europäische Medienkonzern sträubte sich lange gegen einen Börsengang. Schwache Unternehmenszahlen führten nun zu einem Umdenken. Konzernchef Thomas Rabe will mit einem Börsengang neue Wachstumschancen für Bertelsmann schaffen und den Konzern internationaler ausrichten. Denn die Ergebnisse des letzten Jahres lesen sich mit Ernüchterung. Der Gewinn sank um sieben Prozent von 656 Millionen auf 612 Millionen Euro. Der Umsatz hingegen konnte nur um zwei Prozent steigen auf 15,3 Milliarden Euro. Rabe erwägt für einen möglichen Börsengang den Medienkonzern in eine Kommanditgesellschaft zu überführen. Die Rechtsform, die auch von Henkel und Fresenius genutzt wird, würde Bertelsmann ermöglichen neue Gesellschafter aufzunehmen, ohne den Einfluss der Familie Mohn oder der Bertelsmann-Stiftung zu verwässern.
Bild: dapdDeutsche Bahn
Bei der deutschen Bahn liegen die Pläne für einen Börsengang auf Eis. Jahrelang versuchte der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den bundeseigenen Konzern für die Börse fit zu machen. Wichtige Investitionen in die Infrastruktur wurden zurückgehalten, Mitarbeiter entlassen und prestigeträchtige Bauprojekte in Angriff genommen. Vor allem die Erhöhung der Ticketpreise und der Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Bahn spalteten die Nation. Mit dem neuen Konzernchef Rüdiger Grube hat die Bahn einen neuen Weg eingeschlagen. Für ihn ist spielt das Thema Börse keine Rolle.
Evonik
Der Chemiekonzern Evonik wollte erst im Mai , dann Ende Juni an die Börse gehen. Doch mit dem ersten Milliarden-Börsengang in Deutschland nach der Finanzkrise wird es wohl vorerst nichts. Die Evonik-Eigner, die RAG-Stiftung sowie der britische Finanzinvestor CVC, der über 25 Prozent an dem Essener Unternehmen hält, verschieben den Börsengang zunächst wegen des schwierigen Marktumfelds. Sollte die RAG-Stiftung und CVC insgesamt 30 Prozent der Anteile verkaufen, könnte Evonik leicht fünf Milliarden Euro schwer werden. Damit wäre das Unternehmen ein möglicher Kandidat für den Dax. Das es bei den Essenern schon vor dem Börsengang glänzend läuft, beweist ein Blick auf die Zahlen. Im vergangenen Jahr erzielte Evonik einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro, wovon über eine Milliarde Euro als Gewinn übrig blieb. Damit konnte das Chemieunternehmen seinen Gewinn um 38 Prozent steigern.
Vorsichtige Bewertung
Inzwischen scheinen die aktuelle Euro- und Griechenkrise sowie die Börsenschwäche die Evonik-Eigentümer zu verunsichern. Für den Evonik-Chef Klaus Engel wäre eine weitere Verschiebung ziemlich misslich – schließlich war der Börsengang zuvor schon zweimal avisiert und schließlich nicht gestartet worden. Es kann aber nicht immer nur bei Ankündigungen bleiben.
Ganz überraschend kommt die Vorsicht freilich nicht. Einige Mitglieder des Stiftungskuratoriums haben durchaus gute Gründe, über eine Verschiebung nachzudenken. In dem politisch dominierten Gremium sitzen unter anderem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Die beiden Politiker gehen seit etwa einem Jahr davon aus, dass der Wert aller Evonik-Anteile bei mehr als 15 Milliarden Euro liegt. Tatsächlich dürfte er derzeit nur etwa 13,5 Milliarden Euro betragen. Die Euro-Krise hat inzwischen zu vorsichtigeren Unternehmensbewertungen geführt. Das aktuelle Griechenland-Debakel drückt zudem auf die Stimmung an den Börsen. Schäuble & Co. könnten nun auf den ‧Gedanken kommen, lieber noch etwas abzuwarten, bis der Evonik-Wert wieder steigt – auch um der Kritik vorzubeugen, leichtfertig auf Milliarden zu verzichten. Zumal die Stiftung das Geld jetzt nicht dringend braucht.






















