Exklusive Studie: Dax-Konzerne: Bilanzrisiken in Milliardenhöhe

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Autobauer Daimler weist mit 6,69 Milliarden Euro die höchste Unterdeckung der Unternehmen mit nicht gedeckten Pensionslasten auf

von Christof Schürmann

Ungedeckte Pensionsansprüche und künftig in der Bilanz auszuweisende Leasingkosten summieren sich bei den 30 Dax-Konzernen zu Bilanzrisiken von rund 75 Milliarden Euro.

Durch die niedrigeren Zinsen schlagen künftige Pensionslasten stärker zu Buche. Bei den Pensionsverpflichtungen klafft demnach laut letzten Geschäftsberichten eine Lücke von 14,5 Milliarden Euro. Dramatisch könnte sich eine Neuregelung zur Erfassung von Leasingschulden auswirken, die zum 1. Januar 2017 gelten soll. Weil bisher außerhalb der Bilanz geführte Verbindlichkeiten aus solchen Verträgen dann in die Bilanz müssten, stiegen die Schulden aller 30 Dax-Unternehmen um insgesamt 61,8 Milliarden Euro.

Die WirtschaftsWoche hat die Universität St. Gallen, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, die Frankfurter Beratungsgesellschaft Mercer und die Stuttgarter FAS AG beauftragt, die Bilanzen der 30 Dax-Unternehmen auf Problemfelder zu untersuchen.

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Insgesamt müssen die Finanzchefs binnen zweier Geschäftsjahre das Eigenkapital zulasten von gestiegenen Pensionsverpflichtungen um 71 Milliarden Euro reduzieren. Der Grund ist der im Durchschnitt von 4,8 auf 3,5 Prozent gesunkene Rechnungszins, mit dem Pensionslasten abgezinst werden.  Je niedriger dieser Zins, desto höher die Verpflichtungen, die laut WirtschaftsWoche vergangenes Jahr um knapp 54 auf 310 Milliarden Euro nach oben geschnellt sind.

Den Löwenanteil der nicht gedeckten Pensionslasten tragen wenige Konzerne. Eine Unterdeckung von 6,7 Milliarden Euro hat allein Daimler. Knapp 4,2 Milliarden Euro fehlen bei der Allianz, 3,8 Milliarden bei der Deutschen Lufthansa, 2,5 Milliarden Euro bei der Deutschen Post. Im Gegenzug gibt es Dax-Konzerne, deren Konto sogar im Plus ist. Über die größten Überschüsse aus Rückstellungen und ausgelagertem Pensionsvermögen verfügen Siemens (958 Mio. Euro) und die Deutsche Bank (926 Mio. Euro).

Bei möglicherweise in einigen Jahren zu bilanzierenden Leasingschulden liegt laut WirtschaftsWoche die Deutsche Telekom vorn: die zusätzlichen Schulden aus Mietkaufverträgen liegen bei 13,4 Milliarden Euro. Erhebliche Extra-Schulden haben auch Daimler (8,5 Mrd. Euro), die Deutsche Post (5,1 Mrd.), die Deutsche Bank (4,0 Mrd.), Volkswagen (3,8 Mrd.), Lufthansa (3,5 Mrd.) und Siemens (2,6 Mrd.).



Der große Bilanzcheck

Bilanzexperte Küting: Goodwill wieder regelmäßig abschreiben

Außerdem kam heraus, dass es in den Bilanzen der 30 Dax-Unternehmen abwertungsgefährdete Übernahmeprämien aus dem Kauf von Tochterunternehmen in Höhe von 224 Milliarden Euro gibt. Dieser sogenannte Goodwill wuchs im vergangenen Jahr um gut zehn Prozent, so eine Analyse der Universität St. Gallen. Hauptgrund: Ein Großteil der 30 Dax-Konzerne wertet diese Posten – die Differenz zwischen dem tatsächlichen Wert des erworbenen Unternehmens und dem tatsächlich gezahlten Preis - mit der Zeit kaum ab. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre lagen die Abschreibungen auf den Goodwill bei nur noch 2,7 Prozent.  Karlheinz Küting, Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlandes, sieht darin „Missbrauchspotenzial“. Da sich der „Goodwill als völlig falsch eingeschätzte Zukunftserwartung erweisen kann, die zu Verlusten führt“ fordert Küting, Übernahmeprämien wieder regelmäßig abzuschreiben und für den Goodwill eine Nutzungsdauer von „10 bis 20 Jahren“ zu unterstellen.

Gefährlich hohen Goodwill weisen Fresenius Medical Care, die Deutsche Post, SAP und RWE aus. Bei FMC beträgt der Goodwill 120 Prozent des Eigenkapitals, bei der Post 99 Prozent, bei SAP und RWE 94 beziehungsweise 82 Prozent. Diese hohen Quoten erklären Experten mit einem Grundsatzproblem der aktuellen Bilanzpraxis.  „Die Unternehmensbewertung, die ja eigentlich Anleger an der Börse vornehmen sollten, wurde den Finanzchefs in den Schoß gelegt“, so Peter Leibfried, Professor für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung an der Universität St. Gallen.

+++ Die komplette WirtschaftsWoche-Analyse können Sie sich hier für 2,99 Euro herunterladen.

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