Exportstopp des Iran: Der Ölmarkt bleibt gelassen

Exportstopp des Iran: Der Ölmarkt bleibt gelassen

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Ein iranischer Wachmann vor dem petrochemischen Komplex Mahshahr in der Provinz Khuzestan im Südwesten des Iran.

von Andreas Toller

Der Iran will Europa den Ölhahn sofort zudrehen. Aber der Ölpreis reagiert kaum, die Märkte sehen das Embargo gelassener als der Internationale Währungsfonds.

Der Iran will den Druck der Europäischen Union nicht einfach so hinnehmen. Weil die Staatengemeinschaft einen schrittweisen Importstopp für iranisches Öl bis Juli 2012 beschlossen hat, will nun Teheran seinerseits ein Ende der Erdölexporte an die europäischen Länder beschließen – allerdings ab sofort. Am Wochenende soll das iranische Parlament das Vorhaben beraten und verabschieden. Dann müsste die EU bereits ein halbes Jahr früher als geplant komplett auf iranisches Rohöl verzichten.

Was den Ölpreis bestimmt

  • Nachfrage

    Der Ölbedarf hängt stark von der Konjunktur ab. Mit zunehmenden Wirtschaftswachstum steigt auch der Ölverbrauch. So ist der Bedarf nach Öl in den boomenden Schwellenländern China, Indien und Russland in den vergangenen Jahren massiv gestiegen und hat diese Länder zu den größten Ölverbrauchern der Welt gemacht. Hinzu kommen saisonale Einflüsse, etwa vor dem Winter mit steigendem Heizölbedarf oder der so genannten „Driving Season“ in den USA, weil dann der Benzinverbrauch sprunghaft steigt.

  • Preiselastizität

    Der Ölpreis hat kaum Auswirkungen auf die Nachfrage, da der Ölverbrauch bei steigendem Ölpreis nicht einfach so eingeschränkt werden kann – man spricht von einer preisunelastischen Nachfrage.

  • OPEC

    Der Verbund der Erdöl fördernden Länder spricht sich regelmäßig bezüglich der Fördermenge ab, was natürlich Auswirkungen auf den Ölpreis hat. Sollten sich vor allem die arabischen Länder auf ein Senkung der Fördermenge einigen, verknappt dies das Angebot und treibt den Preis für Rohöl.

  • Erdölreserven

    Erdöl ist grundsätzlich ein knappes Gut, aber es herrscht auch viel Unsicherheit darüber, wie lange die Vorkommen reichen. Hinzu kommt, dass mit steigendem Ölpreis auch der Abbau nur zu höheren Produktionskosten abbaubarer Ölvorkommen eher lohnt, z.B. die Ölgewinnung aus Ölschiefer, Ölsand oder durch Tiefsee-Bohrungen. Außerdem neigen die großen Raffinerien ebenso wie Staaten dazu, ihre Lagerhaltung auszuweiten, wenn der Ölpreis starken Schwankungen unterliegt. Stocken diese Marktteilnehmer ihre Lagerbestände massiv auf, sorgt die erhöhte Nachfrage kurzfristig für neue Preishochs.

  • Finanzmarkt

    An den Börsen wird Öl in Form von Terminkontrakten gehandelt. Die Marktteilnehmer kaufen also Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt zum vereinbarten Preis geliefert wird. Vom Spotpreis wird gesprochen, wenn es sich um kurzfristige Terminkontrakte handelt, bei denen das Öl innerhalb von zwei Wochen geliefert wird. Längerfristige Terminkontrakte können auch für Spekulanten attraktiv sein.

  • Wechselkurse

    Der US-Dollar ist die Standardwährung im Rohstoffmarkt. Eine Änderung des Dollar-Kurse hat somit Einfluss auf die Ertragslage des Erdölexporteurs. Auf Staatenebene spielt dabei eine Rolle, wie viele Güter in der Handelsbilanz stehen, die in Dollar bezahlt werden. Die erdölexportierenden Länder haben daher Interesse daran, bei einem fallenden Dollarkurs die Exportpreise für Erdöl etwa durch Angebotsverknappung anzuheben.

Exportstopp wegen Atomstreit

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Die EU-Staaten hatten sich auf das Ölembargo verständigt, um den Iran zum Einlenken im Atomstreit zu zwingen. Der Westen verdächtigt den Iran, das Kernenergieprogramm zu nutzen, um heimlich eine Atombombe zu bauen - was die iranische Regierung weiter vehement bestreitet.

Bislang keine Preisaufschläge spürbar

Weder auf das EU-Embargo noch auf die drohende Retourkutsche aus Teheran haben die Rohstoffmärkte bislang mit deutlichen Preisaufschlägen reagiert. Die Ölsorte Brent bleibt wie in den vergangenen Wochen in einem Preiskorridor von 110 bis 112 Dollar je Barrel (159 Liter), die Ölsorte WTI zwischen 98 und 101 Dollar – und damit ungefähr auf dem gleichen Preisniveau wie schon seit Mitte November. Offenbar ist man an den Märkten bislang noch davon überzeugt, dass der Iran seine Drohung, die für Öltransporte so wichtige Wasserstraße von Hormus zu schließen, nicht wahr macht. Denn das würde auch die Öllieferungen aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Irak blockieren. Die US-Marine hat bereits zwei Flugzeugträger in der Region in Stellung gebracht.

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