
Der Iran will den Druck der Europäischen Union nicht einfach so hinnehmen. Weil die Staatengemeinschaft einen schrittweisen Importstopp für iranisches Öl bis Juli 2012 beschlossen hat, will nun Teheran seinerseits ein Ende der Erdölexporte an die europäischen Länder beschließen – allerdings ab sofort. Am Wochenende soll das iranische Parlament das Vorhaben beraten und verabschieden. Dann müsste die EU bereits ein halbes Jahr früher als geplant komplett auf iranisches Rohöl verzichten.
Was den Ölpreis bestimmt
Nachfrage
Der Ölbedarf hängt stark von der Konjunktur ab. Mit zunehmenden Wirtschaftswachstum steigt auch der Ölverbrauch. So ist der Bedarf nach Öl in den boomenden Schwellenländern China, Indien und Russland in den vergangenen Jahren massiv gestiegen und hat diese Länder zu den größten Ölverbrauchern der Welt gemacht. Hinzu kommen saisonale Einflüsse, etwa vor dem Winter mit steigendem Heizölbedarf oder der so genannten „Driving Season“ in den USA, weil dann der Benzinverbrauch sprunghaft steigt.
Preiselastizität
Der Ölpreis hat kaum Auswirkungen auf die Nachfrage, da der Ölverbrauch bei steigendem Ölpreis nicht einfach so eingeschränkt werden kann – man spricht von einer preisunelastischen Nachfrage.
OPEC
Der Verbund der Erdöl fördernden Länder spricht sich regelmäßig bezüglich der Fördermenge ab, was natürlich Auswirkungen auf den Ölpreis hat. Sollten sich vor allem die arabischen Länder auf ein Senkung der Fördermenge einigen, verknappt dies das Angebot und treibt den Preis für Rohöl.
Erdölreserven
Erdöl ist grundsätzlich ein knappes Gut, aber es herrscht auch viel Unsicherheit darüber, wie lange die Vorkommen reichen. Hinzu kommt, dass mit steigendem Ölpreis auch der Abbau nur zu höheren Produktionskosten abbaubarer Ölvorkommen eher lohnt, z.B. die Ölgewinnung aus Ölschiefer, Ölsand oder durch Tiefsee-Bohrungen. Außerdem neigen die großen Raffinerien ebenso wie Staaten dazu, ihre Lagerhaltung auszuweiten, wenn der Ölpreis starken Schwankungen unterliegt. Stocken diese Marktteilnehmer ihre Lagerbestände massiv auf, sorgt die erhöhte Nachfrage kurzfristig für neue Preishochs.
Finanzmarkt
An den Börsen wird Öl in Form von Terminkontrakten gehandelt. Die Marktteilnehmer kaufen also Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt zum vereinbarten Preis geliefert wird. Vom Spotpreis wird gesprochen, wenn es sich um kurzfristige Terminkontrakte handelt, bei denen das Öl innerhalb von zwei Wochen geliefert wird. Längerfristige Terminkontrakte können auch für Spekulanten attraktiv sein.
Wechselkurse
Der US-Dollar ist die Standardwährung im Rohstoffmarkt. Eine Änderung des Dollar-Kurse hat somit Einfluss auf die Ertragslage des Erdölexporteurs. Auf Staatenebene spielt dabei eine Rolle, wie viele Güter in der Handelsbilanz stehen, die in Dollar bezahlt werden. Die erdölexportierenden Länder haben daher Interesse daran, bei einem fallenden Dollarkurs die Exportpreise für Erdöl etwa durch Angebotsverknappung anzuheben.
Exportstopp wegen Atomstreit
Die EU-Staaten hatten sich auf das Ölembargo verständigt, um den Iran zum Einlenken im Atomstreit zu zwingen. Der Westen verdächtigt den Iran, das Kernenergieprogramm zu nutzen, um heimlich eine Atombombe zu bauen - was die iranische Regierung weiter vehement bestreitet.
Quelle: REUTERSDie größten Ölreserven der Welt
Argentinien
Riesige Ölvorkommen in Argentinien entdeckt: Der Energiekonzern Repsol YPF hat am 7. November 2011 mitgeteilt, eine Ölreserve in der südargentinischen Provinz Neuquen gefunden zu haben. Im sogenannten Vaca-Muerta-Becken („Becken der toten Kuh“) sollen etwa eine Milliarde Barrel Schieferöl lagern. Das verdoppelt die Erdöl-Menge des Repsol-Konzerns in Argentinien, weltweit steigt sie somit um ein Drittel. Das Foto zeigt einen Betrieb des Unternehmens in der Region.
Nicht nur für das in Madrid ansässige Unternehmen, sondern auch für das Land Argentinien ist der Fund ein Lichtblick. 2010 lagerten dort 2,5 Milliarden Barrel Erdöl, verbraucht wurden in diesem Jahr 203,3 Millionen. Argentinien könne mit dem Fund zu einem Ölexporteur werden, sagte Repsol-Sprecher Kristian Rix.
Mittel- und Südamerika sind beim Erschließen von Erdölfeldern auf dem Vormarsch. 2010 lagerten dort 17,3 Prozent der weltweiten Reserven, vor einem Jahrzehnt waren es noch 8,9 Prozent. Dieses Jahr hat sich ein südamerikanischer Staat an die Spitze der Länder mit den weltweit größten Ölreserven gedrängt. Um welches Land es sich handelt, zeigt folgende Rangliste.
Quelle: dpaPlatz 10: Algerien
12,2 Milliarden Barrel Erdöl schlummerten Ende 2010 laut der OPEC („Organization of the Petroleum Exporting Countries“) in Algerien. Das sind ein Prozent mehr als im Vorjahr. Das Land lebt vor allem von der Förderung und dem Export von Erdöl und Erdgas. Der Erlös aus dem Energieexport steht laut Auswärtigem Amt für rund 97,5 Prozent der Deviseneinnahmen und rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland war im Jahr 2008 nach Frankreich, Italien, China und den USA mit einem Volumen von 2,33 , Mrd. US-Dollar fünftwichtigster Lieferant für Algerien.
Quelle: REUTERSPlatz 9: Katar
Katar gilt als "Boomland", das nach einem realen Wachstum um 14 Prozent im Jahre 2010 für 2011 sogar bis zu 20 Prozent erwartet. Dort lagerten 2010 nach OPEC-Angaben 25,38 Milliarden Barrel Erdöl, 2,1 Prozent mehr als 2009. Laut Auswärtigem Amt macht Katar 62 Prozent seines BIP im Öl- und Gassektor. An erster Stelle der Lieferländer lag nach katarischen Angaben für 2009 die USA mit einem Anteil von 12,3 Prozent, gefolgt von Deutschland mit 9,1 Prozent.
Quelle: ASSOCIATED PRESSPlatz 8: Nigeria
37,2 Milliarden Barrel an Erdöl-Reserven gibt es in Nigeria. Damit wuchs der Vorrat laut OPEC von 2009 bis 2010 um 3,1 Prozent. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist weitgehend vom Öl-Export abhängig. 90 Prozent der Exporterlöse gehen auf die hohen Reserven zurück, das macht 80 Prozent der staatlichen Einnahmen und rund ein Drittel des BIP aus. Deutschland stand 2009 nach Angaben des Auswärtigen Amts an achter Stelle der Handelspartner Nigerias.
Quelle: REUTERSPlatz 7: Libyen
47,1 Milliarden Barrel betragen die Erdöl-Reserven im Bürgerkriegsland Libyen. Somit waren dies im Jahr 2010 etwa 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor den Kämpfen entfielen 95 Prozent der Ausfuhren auf Mineralöl und Derivate. Haupthandelspartner waren laut Auswärtigem Amt Italien und Deutschland, die rund 50 Prozent der Exporte aufnahmen.
Nach dem Tod des ehemaligen Diktators Muammar al-Gaddafi am 9. September 2011 führt der sogenannte Nationale Übergangsrat das Land. Es hat Abdulrahim al-Kib am 1. November zum neuen Regierungschef gewählt, der eine Übergangsregierung bilden soll.
Quelle: APPlatz 6: Vereinigte Arabische Emirate
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind nach Saudi-Aradien die zweitgrößte Wirtschafstmacht der arabischen Welt. Dort schlummerten nach OPEC-Angaben gegen Ende 2010 rund 97,8 Milliarden Barrell Erdöl. Das waren 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Deutschland war 2010 viertgrößter Handelspartner der VAE (nach Indien, China, USA), die Exporte nach Deutschland waren zu der Zeit auf 519 Millionen Euro gestiegen, ein Plus von zehn Prozent. Die VAE erwarten für 2011 je nach Entwicklung des Ölpreises ein Wirtschaftswachstum von drei bis vier Prozent, für 2012 sind es über vier Prozent.
Quelle: REUTERSPlatz 5: Kuwait
In Kuwait sind die Erdöl-Reserven im Jahr 2010 um 8,5 Prozent gestiegen – gegen Jahresende betrugen sie 101,5 Milliarden Barrel. Der Ölsektor macht seit Jahren mit einem Anteil von inzwischen über 90 Prozent den bedeutendsten Posten der Staatseinnahmen aus. Das BIP, das 2009 aufgrund der Weltwirtschaftskrise real um etwa 4,6 Prozent geschrumpft war, hat sich 2010 mit einem realen Wachstum von etwa zwei bis drei Prozent erholt. Die Exporte nach Deutschland sanken jedoch in diesem Jahr um knapp ein Drittel auf 59,8 Millionen Euro. Hauptabnehmer kuwaitischer Ausfuhren sind Japan, Südkorea, Indien, USA und China.
Quelle: REUTERSPlatz 4: Irak
143,1 Milliarden Barrel Öl hat der von Krieg und Terrorismus geplagte Irak in Reserve. Damit stieg die Menge laut OPEC von 2009 bis 2010 um zwölf Prozent. Nach Angaben des Auswärtigen Amts machen Ölexporte 90 Prozent der Staatseinnahmen und über 60% des BIP aus. Dieses stieg 2010 real um 21,5 Prozent auf 84,1 Milliarden US-Dollar. Allein im Juni 2011 verzeichnete der Irak 8 Milliarden US-Dollar durch Ölexporte. In den kommenden Jahren sollen die staatlichen Öl-Einnahmen steigen, da das Land in den vergangenen Monaten mehrere Förderlizenzen an ausländische Konzerne vergeben hat und der Ölpreis pro Barrel weiter angestiegen ist.
Quelle: APPlatz 3: Iran
Der Gottesstatt Iran besitzt die weltweit drittgrößten Ölreserven. Laut OPEC stiegen sie im Jahr 2010 um 12,7 Prozent auf 151,17 Milliarden Barrel an. 69 Prozent der iranischen Exporte entfielen im persischen Jahr 1389 (März 2010 bis März 2011) auf Öl. Die Gesamtexporterlöse stiegen dabei gegenüber dem Vorjahr um etwa 11 Prozent. Der Handel mit Deutschland hat jedoch seit 2006 abgenommen. Grund sind die internationale Kritik für das iranische Atomprogramm und die Sanktionen durch die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Ein Großteil des deutsch-iranischen Handels zwischen 2008 bis 2010 fand überwiegend aufgrund älterer Verträge statt. Bedeutende Handelspartner des Irans außerhalb der EU sind China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Süd-Korea und Indien.
Quelle: REUTERSPlatz 2: Saudi-Arabien
Bisher hatte Saudi-Arabien die weltweit größten Ölreserven stets bei sich verbuchen können. Dieses Jahr wurde es jedoch von einem südamerikanischen Land vom Thron gestoßen. Und as obwohl die Saudis laut OPEC ihre Ölvorkommen von 2009 bis 2010 um 22,2 Prozent gesteigert haben. Damit können sie eine beachtliche Menge von 264,52 Milliarden Barrel Öl vorweisen. Die größte Volkswirtschaft des arabischen Raums hat 2008 laut Auswärtigem Amt insgesamt einen Wert von 313,4 Milliarden US-Dollar exportiert, davon stammten 309 Milliarden US-Dollar aus Export von Öl und Ölprodukten. Nach Deutschland verkaufte Saudi-Arabien lediglich einen Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar.
Die größten Ölreserven der Welt
Argentinien
Riesige Ölvorkommen in Argentinien entdeckt: Der Energiekonzern Repsol YPF hat am 7. November 2011 mitgeteilt, eine Ölreserve in der südargentinischen Provinz Neuquen gefunden zu haben. Im sogenannten Vaca-Muerta-Becken („Becken der toten Kuh“) sollen etwa eine Milliarde Barrel Schieferöl lagern. Das verdoppelt die Erdöl-Menge des Repsol-Konzerns in Argentinien, weltweit steigt sie somit um ein Drittel. Das Foto zeigt einen Betrieb des Unternehmens in der Region.
Nicht nur für das in Madrid ansässige Unternehmen, sondern auch für das Land Argentinien ist der Fund ein Lichtblick. 2010 lagerten dort 2,5 Milliarden Barrel Erdöl, verbraucht wurden in diesem Jahr 203,3 Millionen. Argentinien könne mit dem Fund zu einem Ölexporteur werden, sagte Repsol-Sprecher Kristian Rix.
Mittel- und Südamerika sind beim Erschließen von Erdölfeldern auf dem Vormarsch. 2010 lagerten dort 17,3 Prozent der weltweiten Reserven, vor einem Jahrzehnt waren es noch 8,9 Prozent. Dieses Jahr hat sich ein südamerikanischer Staat an die Spitze der Länder mit den weltweit größten Ölreserven gedrängt. Um welches Land es sich handelt, zeigt folgende Rangliste.
Bislang keine Preisaufschläge spürbar
Weder auf das EU-Embargo noch auf die drohende Retourkutsche aus Teheran haben die Rohstoffmärkte bislang mit deutlichen Preisaufschlägen reagiert. Die Ölsorte Brent bleibt wie in den vergangenen Wochen in einem Preiskorridor von 110 bis 112 Dollar je Barrel (159 Liter), die Ölsorte WTI zwischen 98 und 101 Dollar – und damit ungefähr auf dem gleichen Preisniveau wie schon seit Mitte November. Offenbar ist man an den Märkten bislang noch davon überzeugt, dass der Iran seine Drohung, die für Öltransporte so wichtige Wasserstraße von Hormus zu schließen, nicht wahr macht. Denn das würde auch die Öllieferungen aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Irak blockieren. Die US-Marine hat bereits zwei Flugzeugträger in der Region in Stellung gebracht.





