EZB: Lockere Geldpolitik beruhigt nervöse Weltbörsen

EZB: Lockere Geldpolitik beruhigt nervöse Weltbörsen

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Während bei der Fed eine Zinserhöhung ansteht, bleiben die Zinsen in der EZB niedrig

von Mark Fehr

Während sich die internationalen Finanzmärkte für eine Zinserhöhung in den USA wappnen, wird die EZB zur wichtigsten Gegenspielerin der Fed. Das lässt den Stress bei internationalen Investoren sinken.

Die vergangenen Wochen und Monate sind geprägt von panischen Reaktionen an den weltweiten Finanzmärkten. Für die Panik gesorgt haben die Griechenlandkrise, der abgestürzte Ölpreis, die Sorge vor steigenden Leitzinsen in den USA plus die Angst vor einen Crash in China – aber auch Unternehmensskandale wie die Abgasaffäre bei Volkswagen.

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag, die Geldschleusen bei Bedarf jederzeit noch weiter öffnen zu können, wirkt in dieser Situation wie eine Beruhigungspille für internationale Investoren. Das jedenfalls signalisiert der Stressindex, den das Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) für die WirtschaftsWoche errechnet hat. Der Druckpegel sank im Oktober auf minus 33 Punkte zurück in den grünen Bereich, nachdem er im September mit minus 12 Punkten noch auf einem erhöhten Stressniveau notierte (siehe Grafik).

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„Ich bin davon überzeugt, dass die EZB-Politik die Unsicherheiten über einen zu frühen Zinserhöhungskurs der US-Notenbank überkompensieren wird“, sagt IfK-Chef Markus Zschaber. Seiner Einschätzung nach schwenken auch andere wichtige Notenbanken auf Gegenkurs zur amerikanischen Zentralbank. Während die US-Notenbank eine erste Zinserhöhung wahrscheinlich im Dezember 2015 umsetzen könnte, deuten aus Zschabers Sicht alle relevanten Daten darauf hin, dass die EZB, die Bank of Japan und die Bank of China bestrebt sind, die Geldpolitik im laufenden Quartal weiter zu lockern. „Wahrscheinlich wird die Bank of China die erste sein, die mit einer weiteren Zinssenkung und auch weiteren Verringerungen der erforderlichen Mindestreservesätze der Banken beginnen wird“, sagt der Kapitalmarktexperte.

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

  • Immer mehr Notenbanken senken weltweit die Zinsen

    Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.
    Quelle: Reuters; Stand März 2015

  • 1. Januar - Usbekistan

    Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.

  • 15. Januar - Schweiz

    Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

  • 15. Januar - Ägypten

    Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

  • 16. Januar - Peru

    Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

  • 21. Januar - Kanada

    Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

  • 22. Januar - EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

  • 24. Januar - Pakistan

    Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

  • 28. Januar - Singapur

    Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

  • 28. Januar - Albanien

    Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

  • 30. Januar - Russland

    Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

  • 3. Februar - Australien

    Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

  • 4. Februar/ 7. Januar - Rumänien

    Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

  • 5. Februar/ 29. Januar/ 22. Januar/ 19. Januar - Dänemark

    Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

  • 12. Februar - Schweden

    Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

  • 17. Februar - Indonesien

    Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

  • 18. Februar - Botsuana

    Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

  • 23. Februar - Israel

    Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

  • 24. Februar/ 20. Januar - Türkei

    Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • 28. Februar - 4. Februar - China

    Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

  • 4. März/ 15. Januar - Indien

    Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

Zschaber ist Gründer des Vermögensverwalters V.M.Z. Sein Kölner Institut hat einen Index entwickelt, der die von Finanzkrisen ausgehende Ansteckungsgefahr für die Realwirtschaft anhand einer Fieberkurve messen soll. Dieser Systemstressindex ist in eine dreistufige Skala unterteilt: Im unteren Bereich mit den Werten minus 100 bis minus 20 sind die Finanzmärkte entspannt und krisenhafte Entwicklungen auf den Finanz- und Gütermärkten nicht in Sicht. Die Zone zwischen minus 20 und plus 20 steht für mittleren Stress. Hier besteht zwar noch keine akute Gefahr, aber die Finanzmärkte befinden sich schon in einem Zustand nervöser Anspannung, in dem weitere schlechte Nachrichten schnell die nächste Krise ausbrechen lassen können. Der Indikator steigt dann in den Hochdruckbereich auf Werte zwischen plus 20 und plus 100.

Um die Indexwerte zu ermitteln, prüfen Experten des IFK weltweit 6500 finanzielle und konjunkturelle Indikatoren, darunter Aktien-, Währungs- und Rohstoffkurse sowie Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen oder die Kosten für Versicherungen gegen Kreditausfälle.

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Die Besonderheit: Der Algorithmus lernt aus der Vergangenheit und filtert je nach Situation die Daten mit dem stärksten Einfluss auf die Anfälligkeit von Finanzmärkten und Konjunktur heraus. Je volatiler die Daten sich entwickeln, also je stärker sie schwanken, desto höhere Ansteckungsgefahr signalisiert der Stressindex für die Weltkonjunktur.

Nach Ansicht der IfK-Ökonomen ist die Unruhe an den Finanzmärkten in der zweiten Septemberhälfte zu einem großen Teil auf den Volkswagen-Skandal zurückzuführen. Diesen sieht Zschaber jedoch als isoliertes Problem für die Automobilindustrie und weniger als weltweiten Stressfaktor für die Finanzmärkte. So sind die Zinsunterschiede, die Gläubiger als Risikoaufschlag für an asiatische Banken verliehenes Geld verlangen, um fast 50 Prozent gesunken. Auch fließt laut Ifk wieder mehr Geld aus dem Westen in asiatische Schwellenländer. Eine Entwarnung für die dortigen Märkte sei das aber noch nicht.

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