EZB-Ratsmitglied: Anleiherendite und Euro legen nach Nowotny-Interview zu

EZB-Ratsmitglied: Anleiherendite und Euro legen nach Nowotny-Interview zu

, aktualisiert 17. März 2017, 11:34 Uhr
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Die Äußerungen des 72-Jährigen haben die Märkte bewegt.

Quelle:Handelsblatt Online

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hat im Handelsblatt-Interview eine Zinserhöhung vor Ablauf der Anleihekäufe nicht ausgeschlossen. Anleger nahmen das zum Anlass, um sich von Staatsanleihen zu trennen, der Euro legte zu.

FrankfurtWegen Spekulationen auf eine nahende Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich einige Anleger am Freitag von europäischen Staatsanleihen getrennt. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen deutschen Titel auf 0,473 von 0,444 Prozent. Vergleichbare französische Titel rentierten bei 1,217 statt 1,087 Prozent. Auslöser dieser Entwicklung waren Aussagen des EZB-Ratsmitglieds Ewald Nowotny, der im Handelsblatt-Interview eine Zinserhöhung vor Ablauf der billionenschweren Anleihekäufe seines Hauses nicht ausgeschlossen hatte.

Der Euro hat seine kräftigen Kursgewinne der vergangenen beiden Handelstage am Freitag ebenfalls als Reaktion auf das Interview ausgebaut. Am Morgen erreichte die Gemeinschaftswährung bei 1,0781 US-Dollar den höchsten Stand seit dem 7. Februar. Damals erreicht der Euro mit über 1,08 Dollar ein neues Mehrmonatshoch. Noch am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,0726 (Mittwoch: 1,0622) Dollar festgesetzt.

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Marktbeobachter erklärten den starken Euro mit Hinweisen, dass eine Zinserhöhung in der Eurozone möglicherweise schneller kommen könnte als bisher gedacht. Nowotny hatte angedeutet, dass die Notenbank Leitzinsen erhöhen könnte, bevor sie ihr Kaufprogramm für Anleihen beendet hat. Sollte diese Diskussion stärker in den Fokus des Devisenmarktes rücken, dürfte der Euro nach Einschätzung des Experten Lutz Karpowitz von der Commerzbank profitieren.

Nowotny habe sich allerdings nicht auf den Leit-, sondern den Einlagenzins bezogen, betonte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Dieser liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent. Damit müssen Geschäftsbanken auf ihre Einlagen bei der EZB Gebühren zahlen. „Allerdings halten wir es für wenig wahrscheinlich, dass die EZB von ihrem ursprünglichen Fahrplan abweicht, nur um den Druck auf die Geschäftsbanken zu verringern“, fügte Karpowitz hinzu. „Unauffälliger wäre es, entsprechende Freibeträge einzuführen.“

Die italienische Großbank Unicredit bewertet Kommunikation der EZB über eine Ausstiegsszenario aus der derzeitigen Geldschwemme als konfus. So habe EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sehr schnell versucht, den „Schaden“ des Interviews zu begrenzen. Der bisherige Fahrplan der EZB, der noch vergangene Woche erläuterte wurdem haben eine „starke logische Basis“. Für den Chefvolkswirt sei die Inflationsdynamik noch nicht selbsterhaltend.

Quelle:  Handelsblatt Online
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