EZB Sitzung: Draghi verärgert die Anleger

EZB Sitzung: Draghi verärgert die Anleger

, aktualisiert 03. Dezember 2015, 17:13 Uhr
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EZB-Präsident Draghi bei einer Rede im Europaparlament Anfang November

EZB-Präsident Draghi senkt den Einlagenzins: auf minus 0,3 Prozent. Auch das Anleihekaufprogramm soll länger laufen. Die Anleger reagieren trotzdem enttäuscht, der Dax bricht ein.

Da senkt der EZB-Präsident Mario Draghi den Einlagenzins für Banken- und trotzdem reagieren die Investoren beleidigt. Denn der Leitzins blieb unverändert bei 0,05 Prozent.

Bis zum Mittag hoben Dax-Anleger in freudiger Erwartung auf die Ankündigungen der EZB am Nachmittag den deutschen Leitindex bis 12 Uhr noch um gut ein Prozent nach oben. Dort verharrte er bei rund 11.300 Punkten. Kaum erschien die Meldung, dass der Einlagenzins für die Geschäftsbanken, die Geld bei der EZB parken, auf minus 0,3 Prozent gesenkt werden würde, sackte der Dax auf unter 11.200 Punkte ab. Bis 17 Uhr verlor er nun noch deutlicher, lag bereits drei Prozent im Minus bei rund 10.800 Punkten.

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Gleiches Spiel beim Euro: Die Aussicht auf noch mehr billiges Geld im Euroraum belastete den Wert des Euro am Vormittag. Er verlor bis 13 Uhr 0,6 Prozent und fiel auf 1,054 Dollar. Die EZB-Ankündigung hob ihn zum Abend deutlich auf über 1,085 Dollar an. Es deutet sich eine radikale Kehrtwende im seit Oktober laufenden Abwärtstrend des Euro an.

Geschenke auf Bestellung fielen zu niedrig aus

Denn: eine Bloomberg-Stichprobe unter Investoren zeigt, dass sie geschlossen davon ausgingen, dass Draghi den Zins um 0,1 Prozentpunkte senken würde. Bisher lag der bei minus 0,2 Prozent. Dieser Schritt war jedoch die Mindesterwartung. Mit 81 Prozent der befragten Profi-Anleger rechnete sogar eine Mehrheit für einen Zinsschnitt um 0,15 Prozent. Einige Banken hatten laut Bloomberg gar mit einem Zinsrückgang von weiteren 0,2 Prozent gerechnet. Ihnen war der nun angekündigte Zinsschritt also zu gering, daher die Enttäuschung an den Märkten.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

"Unsere Wahrnehmung ist, dass die EZB zu wenig geliefert hat", sagte Peter Dixon, Aktienanalyst der Commerzbank in London dem Nachrichtendienst Bloomberg. "Die Märkte hatten eine größere Zinsreduktion erwartet." Der deutsche Fondsmanager Jens Ehrhardt sagt in seinem aktuellen Marktkommentar, dass gute Aktien weiterhin alternativlos sind.

Inflationsrate nicht im Griff

Auf der Pressekonferenz in Frankfurt kündigte Draghi dann an, das aktuelle Anleihekaufprogramm bis März 2017 um ein halbes Jahr zu verlängern. Das Kaufprogramm im Volumen von insgesamt 1140 Milliarden Euro sollte eigentlich im September 2016 enden und die Inflation wieder in den gewünschten Zielkorridor nahe der Zwei-Prozentmarke zurückführen. Bislang blieben die Anstrengungen ohne Erfolg, viele Euroländer haben sich nahe der Null-Inflation eingependelt (siehe Karte).

Yellen fasst endlich Entschluss

Währenddessen in den USA: Notenbankchefin Janet Yellen ließ am Mittwochabend auf einer Diskussionsrunde durchblicken, dass die FED sich wohl noch im Dezember für einen Zinsanstieg entscheidet. Das hatte wiederum Auswirkungen auf den Goldpreis: Der fiel auf ein neues Fünfjahres-Tief bei 1051 Dollar je Feinunze. Seit einem Jahr verlor gut zwölf Prozent. Aufgrund der EZB-Interventionen liegt der Goldpreis in Euro gerechnet im gleichen Zeitraum dagegen noch zwei Prozent im Plus. Nach dem EZB-Zinsschritt heute konnte auch der Goldpreis wieder leicht zulegen, der Kurs kletterte vorübergehend auf 1060 Dollar.

Deutsche Staatsanleihen im Abwärtstrend

Zehnjährige deutsche Staatsanleihen erzielen gerade noch 0,48 Prozent Rendite. Seit dem Hoch im Juni mit 0,98 Prozent befinden sie sich im Abwärtstrend und dürften durch die EZB-Entscheidung noch weiter an Attraktivität verlieren.

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Noch liegt die Rendite aber weit über dem Tief aus dem April, als zehnjährige Staatsanleihen nur 0,075 Prozent Rendite abwarfen. Bunds mit kürzerer Laufzeit liegen sogar schon längere Zeit deutlich unter der Nulllinie und kosten die Investoren Geld.

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