Fatale Nullzins-Politik: Das 199-Billionen-Dollar-Kreditkartenhaus wackelt

GastbeitragFatale Nullzins-Politik: Das 199-Billionen-Dollar-Kreditkartenhaus wackelt

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Der US-Aktienindex Dow Jones am 24. August.

Am 24. August erlebten die Börsen ihren turbulentesten Handelstag seit der Lehman-Pleite 2008 – angeführt vom spektakulären über 1000-Punkte-Rutsch des Dow Jones gleich zur Handelseröffnung. Hinter den Kulissen des volatilen Tages spielten sich aber die wirklich bedeutsamen (Illiquiditäts-)Dramen ab, die zeigten, dass es im Falle des Falles in den inzwischen vom Hochfrequenz- und Derivatehandel manipulierten Märkten auch mal gar keine Käufer gibt - zu keinem Preis!

So kam es während der US-Börsensitzung bei 1278 US-Aktien zu Handelsunterbrechungen. Das „Angstbarometer“, der US-Volatilitäts-Index VIX, konnte eine halbe Stunde lang gar nicht berechnet werden, und die weltgrößte Investmentfondsbörse NYSE ARCA verzeichnete gleich 999 Handelsaussetzungen bei den in den vergangenen Jahren stark in Mode gekommenen Indexfonds. In nur wenigen Minuten wurde den Investoren so jenseits des „Aktien-sind-alternativlos“-Geredes der wahre, äußerst fragile Zustand der scheinbar Notenbank-vollkaskoversicherten Aktienmärkte vor Augen geführt.

Obwohl die schon seit längerer Zeit zu beobachtende Illiquidität an den Märkten die Schlagzeilen hätte bestimmen müssen, reduzierte sich die mediale Aufmerksamkeit jedoch nur auf zwei vermeintliche Ursachen: die altbekannten Konjunkturprobleme Chinas (inklusive der bereits seit Juni platzenden Aktienblase) und die Furcht der Nullzins-Junkies vor der im September anstehenden „Zinswende“-Entscheidung der US-Notenbank Fed.

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Zu den Autoren

  • Martin Mack

    Martin Mack, ist geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise, die in zwei vermögensverwaltenden Aktienfonds über 300 Millionen Euro Kundengelder verwaltet.

  • Herwig Weise

    Herwig Weise ist geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise.

Zwar ist die weltwirtschaftliche Bedeutung Chinas aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen signifikant, allerdings kann dieses nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur das auf ein beispielloses Verschuldungstempo setzende China ein akutes Wachstumsproblem hat, sondern eben auch Japan, Europa oder die sich laut einer IWF-Analyse „auf einem unhaltbaren Weg“ befindlichen United States of … debt! Immer deutlicher zeigt sich auch in Bestätigung der jüngsten Analysen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass die zur Rettung des Weltfinanzsystems von den Notenbanken zementierte und in der Geldgeschichte niemals zuvor gesehene Null-Zins-Notstandspolitik realwirtschaftlich ebenso gescheitert ist wie auch deren „QE“-Gelddruckprogramme in Billionenhöhe - sorgte doch das „funny money“ einzig für epochale Blasenbildungen und Risiken an den Finanzmärkten.

Wo würde der DAX ohne Notenbanken stehen?

  • 31.10.2014

    Die Bank of Japan weitet ihre Anleihekäufe auf jährlich 583 Milliarden Euro aus. Der Dax steigt um 2,3 Prozent auf 9326,87 Punkte

  • 18.12.2014

    Fed-Chefin Yellen sagt, sie warte „geduldig“ auf den richtigen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung.

  • 15.01.2015

    Die Schweizer Notenbank gibt den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro auf, der Euro sackt ab.

  • 22.01.2015

    EZB-Chef Draghi kündigt für die Zeit ab März Anleihekäufe über monatlich 60 Milliarden Euro an.

  • 10.04.2015

    Dax- Rekord bei 12.374,73 Punkten, im Tagesverlauf erreicht er sogar 12.390,75 Punkte.

Da diese fatale Geldpolitik trotzdem als Erfolg verkauft werden muss, sind die wirtschaftlichen Jubelmeldungen aus der Statistik-Traumfabrik USA nie abgerissen und festigten bei den Investoren so den Glauben, dass erst Ben Bernanke und nun Janet Yellen alles richtig gemacht hätten. Aber wenn man Glauben durch Wissen ersetzen möchte, dann genügt bereits ein Blick auf das mittlerweile eingetretene „5,1-Prozent-Vollbeschäftigungswunder“ in den USA und die dafür notwendige statistische Verrenkung, die längst an die DDR-Planerfüllungspropaganda erinnert. Denn würde man in den USA – wie noch bis in die 1980er Jahre üblich – auch das Heer der aktuell dem Arbeitsmarkt (angeblich) nicht zur Verfügung stehenden (erwerbslosen) 94,03 Millionen Amerikaner berücksichtigen, müsste eine reale und mit den Lebensmittelmarken- und Sozialhilfeempfängern korrespondierende Arbeitslosenquote von 23 Prozent verkündet werden!

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

  • Immer mehr Notenbanken senken weltweit die Zinsen

    Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.
    Quelle: Reuters; Stand März 2015

  • 1. Januar - Usbekistan

    Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.

  • 15. Januar - Schweiz

    Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

  • 15. Januar - Ägypten

    Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

  • 16. Januar - Peru

    Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

  • 21. Januar - Kanada

    Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

  • 22. Januar - EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

  • 24. Januar - Pakistan

    Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

  • 28. Januar - Singapur

    Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

  • 28. Januar - Albanien

    Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

  • 30. Januar - Russland

    Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

  • 3. Februar - Australien

    Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

  • 4. Februar/ 7. Januar - Rumänien

    Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

  • 5. Februar/ 29. Januar/ 22. Januar/ 19. Januar - Dänemark

    Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

  • 12. Februar - Schweden

    Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

  • 17. Februar - Indonesien

    Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

  • 18. Februar - Botsuana

    Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

  • 23. Februar - Israel

    Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

  • 24. Februar/ 20. Januar - Türkei

    Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • 28. Februar - 4. Februar - China

    Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

  • 4. März/ 15. Januar - Indien

    Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

Angesichts dessen kann es nicht wirklich verwundern, dass die US-Notenbank entgegen aller wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen das vor zwei Jahren bereits ins Schaufenster gestellte Ende der seit Dezember 2008 andauernden Nullzinspolitik immer wieder verschoben hat zuletzt auf den kommenden 16./17. September. Doch mit ihrer durchsichtigen Verzögerungstaktik hat sich die Fed nunmehr immer tiefer in eine „jetzt-muss-geliefert werden“-Position hineinmanövriert, will sie nicht riskieren, das wichtigste Gut einer Notenbank zu verlieren: Glaubwürdigkeit!

Entscheidet sie sich nun aber in einem Umfeld steigender Rezessionswahrscheinlichkeit und der jetzigen kaum noch für möglich gehaltenen Markt-Volatilitäten für eine erste (minimale) Zinserhöhung, sind schwere Turbulenzen auf den von der kostenlosen Kreditdroge längst abhängigen Märkten nicht auszuschließen. Damit stehen die Marktdirigenten vor dem Dilemma, entweder so oder durch eine abermalige Verschiebung der Zinswende eine schwere Vertrauenkrise in ihre „Künste“ auslösen. Egal wie man es auch dreht oder wendet, die Fed steuert auf jenen Tag zu, an dem nicht mehr das Erzählte reicht, sondern nur noch das Erreichte zählt!

weitere Artikel

Wie beschränkt die Macht der sich in der Krise selbst ermächtigten „Helden der Krise“ (IWF-Chefin Christine Lagarde) tatsächlich ist, kann die Welt nach dem Offenbarungseid der Schweizerischen Nationalbank zu Jahresbeginn nun auch in China beobachten. Denn trotz einem im Gegensatz zu den westlichen Notenbanken prall gefülltem „Werkzeugkoffer“ und aller zentralplanwirtschaftlichen Gewalt – mehrere Zinssenkungen, Aktienverkaufsverbote für Großaktionäre, Handelsaussetzung der Hälfte aller Aktien (1400!) oder Initiierung eines umgerechnet 446 Milliarden Euro schweren Aktienkaufprogramms – konnten Maos Erben den Absturz des Shanghai Composite-Index um in der Spitze 43 Prozent nicht verhindern.

In ihrem grenzenlosen Rettungswahn haben die Notenbanken mit der Überdehnung der „Grenzen des Undenkbaren“ (Claudio Borio, BIZ, über Negativzinsen bei Staatsanleihen) zweifellos den „point of no return“ längst überschritten. So kann dass das „Undenkbare“ nun jederzeit wahr werden: der Einsturz des mit Nullzinsen um 57 Billionen Dollar aufgeblähten und nur noch mit Nullzinsen aufrechtzuerhaltenden globalen 199-Billionen-Dollar-Kreditkartenhauses!

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