Fed will Zins vorerst nicht erhöhen: Notenbanken beflügeln die Aktienmärkte

Fed will Zins vorerst nicht erhöhen: Notenbanken beflügeln die Aktienmärkte

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Die Notenbanken lassen einmal mehr die Kurse klettern.

Laut Protokollen will die US-Notenbank Fed ihre Zinsen noch mindestens April auf ihrem Rekordtief belassen. Das freut die Anleger.

Die US-Notenbank Fed belebt die Aktienmärkte. Denn offenbar wollen Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen den Leitzins voraussichtlich bis Ende April noch nicht anheben. Die meisten Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses erwarten keine solche Entscheidung auf den nächsten beiden Sitzungen. Das geht aus dem veröffentlichten Protokoll zur jüngsten Sitzung des Gremiums im Dezember hervor.

Yellen hatte nach der letzten Beratung deutlich gemacht, dass bei den Folgesitzungen im Januar und März noch nicht mit der ersten Leitzins-Anhebung in den USA nach der Finanzkrise 2008 zu rechnen ist. Erst Ende April könnte es soweit sein. Viele Beobachter erwarten spätestens zur Jahresmitte eine weitere Straffung der US-Geldpolitik.

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Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

  • Was bedeutet das niedrige Preisniveau für Verbraucher?

    Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird: Die Euro-Stärke verbilligt die in Dollar abgerechneten Rohölimporte. Niedrige Inflation ist also in diesem Fall gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge.

  • Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

    Das Problem ist, wie Verbraucher und Unternehmen die künftige Entwicklung des Preisniveaus einschätzen. Wer weiter sinkende Preise erwartet, verschiebt vielleicht den Kauf der neuen Waschmaschine oder die Investition in die neue Fabrikhalle - denn es kann ja eigentlich nur günstiger werden. Das könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Unternehmen machen weniger Gewinn, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck, Preise weiter zu senken, nimmt zu. Diese Verkettung lähmt die Konjunktur. In der Folge sinken auch die Steuereinnahmen und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

  • Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?

    70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

  • Droht eine für die Konjunktur gefährliche Deflation?

    Darüber gehen die Meinungen auseinander. So warnt das DIW vor der Gefahr „einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale“ bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Im „Focus“ schreibt er: „Ohne ein beherztes Eingreifen der EZB sehe ich schwarz.“ Europas Währungshüter rechnen zwar mit einer niedrigen Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr, Deflationsrisiken sehen sie aber nicht.

  • Was kann die Europäische Zentralbank tun?

    Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihekauf („Quantitative Lockerung/QE). „Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert“, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

  • Wie werden sich die Verbraucherpreise weiter entwickeln?

    Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt, warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.

  • Müssen Verbraucher für Nahrungsmittel weiterhin mehr zahlen als 2013?

    Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

Die Anleger seien erleichtert, dass die Zentralbanken die Wirtschaft erst einmal weiter unterstützten und Deflationsgefahren bekämpften, sagt Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. Vor allem in der Euro-Zone gibt es derzeit Sorgen vor einem Preisverfall auf breiter Front.

Im Dezember sanken die Lebenshaltungskosten zum Vorjahr um 0,2 Prozent. Im Falle einer Deflation konsumieren Verbraucher weniger, weil sie erwarten, Produkte bald noch billiger zu bekommen. Unternehmen verdienen in der Folge auch weniger und kürzen ihre Investitionen - es entsteht eine Abwärtsspirale, die nur schwer zu stoppen ist und der Wirtschaft zusetzt.

Warten auf die EZB

Einige Marktbeobachter gehen daher davon aus, dass die EZB nun auf ihrer geldpolitischen Sitzung am 22. Januar weitere unkonventionelle Maßnahmen wie den Aufkauf von Staatsanleihen beschließen könnte, um einer solchen Gefahr entgegenzuwirken. Der Euro fiel wegen der Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik auf 1,1779 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit mehr als neun Jahren.

Die Aussicht auf weiter niedrige Zinsen und mögliche Geldgeschenke seitens der EZB lässt Anleger an den Aktienmärkten zugreifen. Der Dax kletterte gegen Mittag um 1,14 Prozent auf 9626,40 Punkte, nachdem bereits zur Wochenmitte die Hoffnung auf Staatsanleihekäufe den Leitindex gestützt hatte.

Seit Jahresbeginn muss der Index aber immer noch ein Minus von rund 1,8 Prozent verkraften. Für den Index der mittelgroßen Werte, den MDax, ging es am Donnerstag um 1,39 Prozent auf 17 074,62 Punkte nach oben. Der Technologiewerte-Index TecDax zog um 1,75 Prozent auf 1392,44 Punkte an.

Eine Reaktion an den Aktienmärkten sei insgesamt überfällig gewesen, da diese zuletzt deutlich gefallen seien, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba.

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Im Fokus stand neben den Zentralbanken auch der seit Monaten fallende Ölpreis. Die Sorten Brent und WTI waren zuletzt erstmals seit Frühjahr 2009 unter die Marke von 50 Dollar je Fass gefallen. Ein Überangebot bei zugleich schwächelnder Nachfrage setzt den Preisen zu, seit Juni haben sie sich mehr als halbiert. Anleger sehen darin ein Zeichen für die schwächelnde Weltwirtschaft. Am Mittwoch notierten Brent und WTI kaum verändert bei 51,15 und 48,65 Dollar je Fass.

Laut Händlern überwiegt derzeit die Erleichterung darüber, dass die wichtigsten Notenbanken weiterhin das Wirtschaftswachstum stützen und sich gegen den als zu niedrig erachteten Preisauftrieb stemmen. Dies habe die Unsicherheit um den Ausgang der für die Eurozone wichtigen Neuwahl in Griechenland erst einmal in den Hintergrund gedrängt.

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