Fehler im Finanzsystem: Der ehrwürdige Bankier

kolumneFehler im Finanzsystem: Der ehrwürdige Bankier

Kolumne

Das Ansehen der Banken hat in den letzten Jahren schwer gelitten. Grund ist, dass diese kaum noch als Vermittler von Geldgebern und -nehmern, sondern vielmehr als Spieler eines Kasinos wahrgenommen werden. Ärgerlich ist dabei vor allem, dass deren Chips oft nicht wie beim umsichtigen Kasinobesucher aus eigenen Überschüssen herrühren, sondern sie stattdessen mit dem Geld Ihrer Anleger zocken. Ein Plädoyer für den ehrwürdigen Bankier.

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Eine Demonstrantin mit einem löchrigen (Rettungs-)Schirm im Frankfurter Bankenviertel

Selbstverständlich darf und kann dies nicht als Rundumschelte gegen jeden Bankangestellten verstanden werden. Die meisten Angestellten eines Kreditinstituts handeln entsprechend Ihrer Ausbildung. Andere Mitarbeiter sind direkte Opfer einer bodenlosen Strategie der Bankleitung, die auf der Freizügigkeit eines ultraliberalen Finanzmarktes gründet, die in den 1980er „entwickelt“ wurde. Die eiserne Lady Thatcher gilt hier als Madonna der Zocker und Hexe der Realwirtschaft. Nicht nur in England.

Problem der "Systemrelevanz"

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Doch es ist nicht allein gierige Bankenstrategie, die das Problem beherrscht. Es ist vielmehr die Drohkeule einer Pleite, immerzu begründet mit „Systemrelevanz“, die Großbanken zum einen scheinbar komplett von der Realwirtschaft abkoppelten zum anderen aber auch von kapitalistischen Prinzipien loslösten. Denn die Bezeichnung Kapitalismus greift nicht bei der Beschreibung dessen, was sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Finanzsektor aufgebaut hat. Dies ist lediglich eine Philippika von Befürwortern „kommunistischer“ Systeme oder Gegner des sogenannten „Turbokapitalismus“.

Der britische Premierminister David Cameron und seine Amtsvorgängerin Margaret Thatcher Quelle: dpa

Der britische Premierminister David Cameron und seine Amtsvorgängerin Margaret Thatcher

Bild: dpa

"Chance und Risiko"

Der Kapitalismus gründet auf dem fundamentalen Prinzip „Chance und Risiko“. Dies heißt: Mit der Chance große Gewinne zu erwirtschaften zu können, besteht gleichsam auch das Risiko eines Verlustes bis hin zur Pleite, also dem Untergang der unternehmerischen Existenz. Diese Balance aus Chance und Risiko zwingt in kapitalistischen Systemen (zum Beispiel: soziale Marktwirtschaft) auch jede Bank zur umsichtigen Risikovorsorge. Der Zins, als Handelsspanne der Bank, beinhaltet die Gewinn-Marge sowie einen Risikoaufschlag.

Dem stehen auf der anderen Seite sozialistische Systeme (zum Beispiel Kommunismus) gegenüber, die keine (Individual-) Chance gewähren, aber grundsätzlich auch das Risiko eliminieren.

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