Finanzmärkte: Investoren attackieren Kern-Europa

Finanzmärkte: Investoren attackieren Kern-Europa

, aktualisiert 15. November 2011, 17:10 Uhr
Bild vergrößern

Der Eiffelturm in Paris: Ausfallversicherungen auf Frankreich sind teuer wie nie.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Investoren suchen das nächste Ziel: Nach den Schuldenstaaten sind jetzt auch die Länder in der Mitte Europas dran. Händler sprechen von Hysterie. Was die Märkte in Wahrheit wollen: Mehr Geld aus der Notenpresse.

FrankfurtDas Misstrauen der Anleger hat Kern-Europa erreicht. Investoren trennten sich am Dienstag im großen Stil von Bonds der bisher als noch grundsolide geltenden Länder Frankreich, Niederlande und Österreich. Von der Verkaufswelle wurden auch belgische Papiere erfasst. Händler sprachen von „Panik“ und „Hysterie“. Die Risikoaufschläge gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterten auf das höchste Niveau seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. „Das spiegelt ein Misstrauen gegen die Währungsunion als ganzes wider“, fasste Helaba-Analyst Ulrich Wortberg zusammen. Einen konkreten Auslöser für den Ausverkauf habe es nicht gegeben. Der Euro verlor rund einen US-Cent auf 1,3540 Dollar.

„Internationale Investoren bauen ihr Risiko ab, da sie einfach nicht verstehen, warum Europa so lange braucht, um die Krise in den Griff zu bekommen“, sagte ein Händler. „Einem Anleger in Asien oder Amerika kann man nicht erklären, warum es in Europa Wochen oder Monate dauert, bis ein Beschluss gefasst ist. Und haben sich die Europäer dann mal bis zu einer Entscheidung durchgerungen, dauert die Umsetzung nochmal so lange“, sagte ein weiterer Börsianer. „Es scheint als ob die letzten Dämme brechen“, kommentierte ein dritter.

Anzeige

An den Terminmärkten stieg der Bund-Future um bis zu 81 Ticks auf 139,07 Punkte und notierte damit nur knapp unter dem Rekordhoch von 139,58 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen - sie sind richtungsweisend für die Euro-Zone - fiel auf 1,743 von 1,787 Prozent am Vorabend. Im Gegenzug stiegen die Renditen vergleichbarer französischer Anleihen auf 3,674 von 3,437 Prozent, österreichischer Anleihen auf 3,704 nach 3,417 Prozent und belgischer Anleihen auf 4,973 von 4,611 Prozent am Vorabend. Wegen der höheren Unsicherheit an den Rentenmärkten verteuerten sich auch die Kreditausfallversicherungen (CDS, Credit Default Swaps) für französische und andere Papiere.


Die Märkte wollen die EZB zum Geld drucken zwingen

„Dass die Renditen der französischen Anleihen rund zwei Punkte höher als die der deutschen liegen, ist durch Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt“, sagte ein Börsianer. „So viel besser ist Deutschland auch wieder nicht.“ Für die Bundesregierung könnte es durch den Run auf die deutschen Papiere sogar schwieriger werden, neue Schulden aufzunehmen. Denn schließlich hätten die großen Anleger längst ihre Portfolios mit deutschen Anleihen voll. „Da wird kaum jemand noch dazu kaufen müssen“, fügte der Händler hinzu.

Ein Händler sagte, der Markt wolle die Euro-Zone zwingen, dass zu tun, was die Briten und die Amerikaner tun: nämlich die Notenpresse anzuwerfen. Die Zentralbanken in den USA und Großbritannien hatten Anleiheaufkaufprogramme aufgelegt, dabei aber anders als die Europäische Zentralbank (EZB) die zusätzliche Liquidität nicht wieder abgeschöpft, also „sterilisiert“ wie es im Notenbank-Deutsch heißt. In der Euro-Zone wird seit Wochen darüber gestritten, ob auch die EZB unbegrenzt und unsterilisiert Anleihen kaufen und damit neues Geld drucken sollte.

Am Montag stellte sich heraus, dass die europäische Notenbank in der vorigen Woche ihr Kaufprogramm sogar gedrosselt hatte. Laut Händlern erwarb die EZB auch am Dienstag wieder Anleihen Italiens. Deren Renditen zogen ungeachtet dessen aber kräftig an: So rentierten die zehnjährigen italienischen Staatspapiere zeitweise wieder mehr als sieben Prozent. An den Märkten werden solch hohe Renditen als untragbar für ein Euro-Land angesehen. Auch die Renditen der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen zogen weiter über sechs Prozent an.

Zu den Spekulationen auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone habe auch das Parteiprogramm der CDU beigetragen, das am Montag verabschiedet wurde, erklärten Händler in London. Darin schlägt die Partei vor, einem Land, das die nötige Haushaltskonsolidierung nicht schafft, einen Austritt aus der Euro-Zone zu ermöglichen. „Damit ist der Begriff „Austritt aus der Euro-Zone' als Konzept auf dem Tisch“, erklärte ING-Zinsstratege Padhraic Garvey.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%