Finanzmarkt-Regulierung auf Abwegen: Das Kreuz mit den Dark Pools

kolumneFinanzmarkt-Regulierung auf Abwegen: Das Kreuz mit den Dark Pools

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Kolumne von Michael Schulte

In der Politik, ebenso wie in der interessierten Öffentlichkeit, gibt es ja einen Konsens, den man mit „stabilisiert und reformiert das Finanzsystem“ umschreiben könnte. Und dieser Konsens ist ja auch berechtigt und offensichtlich, zu deutlich sind doch diverse Fehlentwicklungen sichtbar, die letztlich an der Substanz – weil Legitimation – unseres freiheitlichen Wirtschaftssystems nagen.

Dummerweise scheinen die Kenntnisse um die Zusammenhänge und die wahren systemischen Risiken in der Politik nicht sehr ausgeprägt zu sein. Und die diversen „Berater“ haben in der Regel ihre eigene Agenda – ein objektiver Blick ohne Eigeninteresse, ist bei diesem schwierigen Thema also von der Politik nur schwer zu bekommen.

Eine Chance sich gegen den Wust der Interessen der Finanzindustrie durchzusetzen, hätte wohl nur eine politische Führung, die selber aus der Branche kommt und deshalb auch versteht, wo wirklich der Hase im Pfeffer liegt. Und diese politischen Persönlichkeiten haben wir leider nicht.

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Deshalb erleben wir dann so Placebo-Diskussionen wie um die Finanztransaktionssteuer, wo in guter Absicht das Falsche getan wird und den Bürgern und der Wirtschaft ins Knie geschossen wird, während die, die man zu Recht treffen will, sich ins Fäustchen lassen.

Stattdessen bleiben aber wirkliche Problembereiche unbeobachtet oder werden nach meiner persönlichen Einschätzung teilweise mit einer "Pseudo-Regulierung" überzogen, die viel Papier produziert, am Kernproblem aber nichts ändert. Die HFT Problematik ist dabei ein gutes Beispiel, ich habe das vor einem guten Jahr unter dem Titel  "Die Co-Location muss weg" schon thematisiert.

Es gibt aber noch so ein weiteres Thema, das massiven volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet, das außer dem „Big Money“ niemandem Vorteile schafft und das in meinen Augen nichts weiter als ein unfairer Vorteil ist, den in einem fairen Markt kein Marktteilnehmer haben dürfte.

Welche Handelsplattformen es gibt

  • Amtliche Börsen

    Die strengsten Anforderungen erfüllen die amtlichen Börsen. Die Frankfurter Wertpapierbörse und die Regionalbörsen unterliegen der Aufsicht der jeweiligen Bundesländer. Sie müssen alle Marktteilnehmer und Wertpapiere zum Handel zulassen, die bestimmte gesetzliche Voraussetzungen erfüllen. Zudem müssen sie fortlaufend Kurse, Handelsvolumina und Daten zu Angebot und Nachfrage veröffentlichen.

  • Multilateral Trading Facilities (MTF)

    Die privatrechtlichen Multilateral Trading Facilities (MTF) sind nahezu ebenso transparent wie die amtlichen Börsen. Sie veröffentlichen ebenfalls Kurse und andere Handelsdaten. Zu den bedeutendsten gehören in Europa BATS Chi-X und Turquoise, eine Tochter der London Stock Exchange. BATS Chi-X hat sich vor Kurzem den Regularien der etablierten Börsen unterworfen.

  • Systematische Internalisierer (SI)

    Im Gegensatz zu den MTF sind die Systematischen Internalisierer (SI) fast vollkommen intransparent, daher auch der Name Dark Pools. Betrieben werden diese Handelsplätze von Banken und Brokern. Sie führen auf den Plattformen Aktienaufträge ihrer Kunden gegeneinander aus. SI wurden ursprünglich geschaffen, um große Aktienpakete kursschonend umzuschlagen.

  • Over-the-Counter-Handel (OTC)

    Weitere Plattformen sind aus dem Over-the-Counter-Handel (OTC) hervorgegangen. Ursprünglich war dies der bilaterale Handel zwischen Banken, früher als Telefonverkehr bekannt. Die Informationstechnik ermöglichte die Ausweitung der Systeme. OTC-Systeme, die Dritten offenstehen, werden ebenfalls zu den Dark Pools gerechnet.

  • Die Rolle der Finanzaufsicht

    Theoretisch muss die Finanzaufsicht BaFin alle diese Plattformen beaufsichtigen – aber nur, wenn diese ihren Sitz in Deutschland haben. Die meisten Plattformen aber sitzen in London.

Und das sind die sogenannten „Dark Pools“, also dunkle, weil nicht einsichtige Neben-Handelsplätze. Unter diesem Begriff möchte ich hier der Einfachheit halber auch alle Techniken subsummieren, mit denen „Big Money“ seine Transaktionen vor der Sichtbarkeit in den Märkten schützt – also auch die sogenannten „Block Trades“.

Es war einmal vor langer Zeit da musste jeder, der eine Aktie kaufen oder verkaufen wollte, über die Börsen gehen. Und damit war die Order für jeden zu erkennen.

Das war eine Zeit, in der damals „Big Money“ noch Techniken anwandte, mit denen Orders gestückelt wurden, um den großen Verkauf nicht zu deutlich zu machen. Es war auch die schöne Zeit, in der man aus dem Volumen an den Börsen noch sinnvolle Schlüsse ziehen konnte, denn wenn „Big Money“ sich positionierte, konnte man das untrüglich am Volumen erkennen. Und es war eine Zeit, in der niemand seine realen Handlungen an der Börse vor der Welt verstecken konnte.

Nun ist das alles vorbei. Nun sagt das Volumen wenig bis nichts, weil „Big Money“ die Transaktionen, die die anderen nicht sehen sollen, in Dark Pools verbirgt. Nun sinkt damit das Volumen an den geregelten Börsen und damit steigen die Spreads, die wiederum vor allem die normalen Anleger und die Wirtschaft zahlen. Und die Börsen schmeißen sich - im Versuch ihre Wirtschaftlichkeit zu erhalten und neue Einnahmequellen als Ersatz zu erschließen - an den Hals der Hochfrequenzhändler und hofieren diese.

 

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