Finanztransaktionssteuer: Europäische Einigung vorerst gescheitert

Finanztransaktionssteuer: Europäische Einigung vorerst gescheitert

, aktualisiert 08. Dezember 2015, 13:11 Uhr
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Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem beim Treffen der Finanzminister in Brüssel.

Seit Jahren wird in Europa um eine Steuer auf Finanztransaktionen gestritten. Die EU-Kommission weckte hohe Erwartungen auf einen Kompromiss - der aber weiter auf sich warten lässt.

Deutschland, Frankreich und europäische Partner sind mit dem Vorhaben einer gemeinsamen Finanzsteuer zunächst gescheitert. Es gebe zwar eine grundsätzliche Verständigung über Eckpunkte einer solchen Abgabe, sagte der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling in Brüssel nach zweitägigen Verhandlungen.

Offen sei aber noch die Höhe der Steuersätze. „Ziel ist jetzt, dass alle offenen Fragen im ersten Halbjahr 2016 geklärt werden“, sagte Schelling.

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Die Gruppe von elf EU-Staaten verhandelt seit Jahren über die Steuer. Schelling, der bisher die Verhandlungen führte, sagte, dass Estland nicht mehr mitzieht. Es bleiben also noch zehn Länder übrig. Das baltische Land könne möglicherweise aber später an Bord kommen, so Schelling.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verteidigte das Vorhaben gegen Kritik: „Wir brauchen dringend eine bessere Regulierung.“ Er warnte ausdrücklich von einer weiteren Finanzkrise. „Ich bin sicher, wir werden eine nächste große Krise erleiden. Keiner weiß, wann, keiner weiß, warum.“

EU-Wirtschaftskommissar Moscovici erwartet Einigung auf Finanztransaktionssteuer

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici geht davon aus, dass sich die EU-Finanzminister auf eine Finanztransaktionssteuer einigen. Eine Exklusivmeldung.

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici geht davon aus, dass sich die EU-Finanzminister auf eine Finanztransaktionssteuer einigen. Quelle: dpa

Bislang hatten die Ressortchefs angestrebt, die Finanzsteuer bis 2016 einzuführen. Die geplante Abgabe funktioniert wie eine Mehrwertsteuer auf den Handel mit Bank- und Börsenprodukten. Dazu zählen etwa Aktien oderspekulative Papiere. Noch in der Nacht zum Dienstag hatte die EU-Kommission Erwartungen geschürt. Man sei nur noch „einige Zentimeter“ von einer Einigung entfernt, sagte der zuständige Kommissar Pierre Moscovici.

Nach den Plänen der Gruppe soll der Handel mit Aktien und Derivaten besteuert werden. Derivate sind Finanzinstrumente, deren Kurs sich aus anderen Werten wie Aktien oder Währungen ableitet. Bei Derivaten strebt die Gruppe einen niedrigen Steuersatz an.

Die deutschen Wirtschaftsverbände stellen sich gegen die Finanzsteuer. Sie könne sich negativ auf Wachstum, Beschäftigung und Altersvorsorge auswirken, teilten sie in Berlin mit. Die Wettbewerbsfähigkeit der EU könne leiden. „Im Interesse einer notwendigen Stabilisierung des europäischen Wirtschaftsraums wäre es daher am sinnvollsten, das Projekt einzustellen“, so die Verbände. Zu ihnen gehören unter anderen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder der Bundesverband der Deutschen Banken.

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Pierre Moscovici. Quelle: REUTERS

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) forderte ebenfalls einen endgültigen Abbruch der Verhandlungen. Die Steuer sei eine Gefahr für Unternehmen und Bürger.

Frankreich dringt in der EU auf einen verstärkten Kampf gegen die Finanzierung von Terror-Organisationen. „Das hat jetzt oberste Priorität. Jedes Land ist vom Terrorismus bedroht“, sagte Ressortchef Michel Sapin am Rande von Gesprächen mit EU-Amtskollegen.

Paris setzt darauf, Geldquellen internationaler Terrornetzwerke trockenzulegen. Zudem geht es Sapin darum, Finanzströme transparenter zu machen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) finanziert sich unter anderem durch Einnahmen aus Ölquellen in besetzten Gebieten in Nahost, illegalen Kunsthandel oder Schutzgeld. „Wir müssen schneller handeln und stärker gegen die Terroristen vorgehen“, sagte Sapin

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