Firmenanleihen: Mehr Sicherheit in Pleite-Staaten

Firmenanleihen: Mehr Sicherheit in Pleite-Staaten

, aktualisiert 01. November 2011, 11:21 Uhr
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Die Rendite der neuen Telecom-Italia Anleihe mit einer Laufzeit von gut fünf Jahren liegt bei über sechs Prozent.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Die Firmenanleihen aus Euro-Krisenländern locken mit hohen Renditen - und zwar mit deutlich höheren als in den Kernländern geht. Viele Anleger finden sie daher attraktiver, aber auch sicherer als die der Staaten.

FrankfurtDer Fluch der Heimat trifft die Unternehmen aus den Euro-Randländern hart. Für Anleihen von Unternehmen aus Spanien, Italien und Portugal verlangen Anleger im Schnitt bei einer durchschnittlichen Laufzeit von fünfeinhalb Jahren Renditen von 4,6 Prozent. Das sind damit gut anderthalb Prozentpunkte mehr Rendite als für Unternehmen aus den Euro-Kernländern. Das zeigen Indizes der Bank of America-Merrill Lynch.

Dennoch stehen viele große Unternehmen damit immer noch besser da als ihre Heimatländer: Für viele der Firmenbonds verlangen die Investoren sogar weniger Rendite als für die Anleihen der angeschlagenen Staaten. Für Experten wie Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist das verständlich: „Die großen Unternehmen machen ihre Geschäfte nicht nur im Heimatland, haben stabile Cash-Flows und sind von daher letztlich sicherer als die Staaten“, sagt der Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen bei der LBBW.

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Die Analysten der US-Bank Morgan Stanley sehen das ähnlich: „Die Fundamentaldaten der Staaten aus den Euro-Randländern haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, für die meisten Unternehmen aber verbessert.“ Dazu kommt für die Unternehmen ein weiterer Vorteil. „Es gibt zwar noch keine Bestrebungen in diese Richtung, aber als ultima ratio könnten die großen Unternehmen ihre Firmensitze in solidere Länder verlagern“, meint Burkert.

Die meisten Anleihen haben die großen Konzerne aus Spanien, Italien und Portugal in den Branchen Telekom und Versorger ausstehen. Aus Griechenland und Irland gibt es bis auf OTE Telecom und den irischen Versorger Bord Gas Eireann kaum größere Bondemittenten abseits der Finanzbranche.

Für Investoren bieten die Verwerfungen und höheren Renditen Chancen. So empfiehlt die BNP Paribas ausdrücklich Versorgeranleihen aus den Euro-Randländern im Bond-Portfolio über- und Telekomanleihen neutral zu gewichten. Damit hält die französische Großbank die Bonds von Unternehmen aus den schwächeren Ländern für interessanter als die aus den solideren Staaten. Für letztere ist das Anlageurteil für Versorgerbonds „neutral“ und für Telekombonds „untergewichten“.


4,6 Milliarden Euro über neue Anleihen

„Die Anleihen der Unternehmen aus der sogenannten Peripherie haben sich so viel schlechter entwickelt als die der Unternehmen aus den Kernländern, dass wir auf eine Umkehr des Trends setzen“, sagt dazu Matthew Leeming, leitender Kreditstratege bei BNP Paribas. Zwingende Voraussetzung dafür sei allerdings, dass auch die Risikoaufschläge für Staaten nachhaltig sinken. Davon ist bislang allerdings wenig zu sehen – trotz der auf dem jüngsten EU-Gipfel gefassten Beschlüsse zur Rettung der Euro-Zone.

Immerhin konnten sich schon Mitte Oktober die spanische Telefónica, Telecom Italia und die Versorger Iberdrola und Enel insgesamt 4,6 Milliarden Euro über neue Anleihen besorgen. Und die kamen bei den Anlegern gut an. Sie waren massiv überzeichnet und haben sich seit der Platzierung gut entwickelt: Die Kurse sind leicht gestiegen und die Renditen gesunken. Die Anleihen haben allerdings – wie die meisten Zinspapiere der Unternehmen aus Spanien, Italien und auch Portugal – Mindestanlagesummen von 100 000 Euro und richten sich daher an institutionelle Investoren.

Die große Nachfrage liegt auch daran, dass die Firmen für die neuen Bonds ordentliche Renditeaufschläge im Vergleich zu den ausstehenden Anleihen boten. Darunter litten allerdings die Investoren, die schon vorher Anleihen der Unternehmen gekauft hatten. Denn die ausstehenden Anleihen der Unternehmen kamen nach den Neuemissionen etwas unter Druck und ihre Renditen stiegen. Diese Anpassungen sind üblich, wenn neue Anleihen zunächst attraktiver sind als schon länger ausstehende Papiere.

Dass die Unternehmen bereit sind die Aufschläge auf ihre alten Anleihen zu zahlen, halten Experten für nachvollziehbar.  „Die Unternehmen sorgen am Kapitalmarkt vor, weil die Banken selbst Kapital brauchen und sich deshalb mit der Kreditvergabe zurückhalten könnten“, sagt Burkert von der LBBW. Genau deshalb geht er davon aus, dass es demnächst noch mehr neue Anleihen von Unternehmen aus Spanien und Italien und gegebenenfalls sogar aus Portugal geben wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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