Fit für den Sommer: Über den Sinn und Unsinn der Depotabsicherung

Fit für den Sommer: Über den Sinn und Unsinn der Depotabsicherung

, aktualisiert 19. Juli 2017, 08:23 Uhr
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An den Börse sind die Sommermonate für Überraschungen gut.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Wer möchte schon im Urlaub ständig auf das Depot schauen? Eine böse Überraschung in Form von Verlusten möchte man nach den Ferien aber auch nicht erleben. Es gibt Strategien dagegen. Aber machen die auch Sinn?

Alle Jahre wieder dieselben Routinen vor der Abreise in den Urlaub: der Schlüssel zu den Nachbarn, damit die sich um Blumen und Briefkasten kümmern, die verderblichen Lebensmittel aufessen, verschenken oder wegschmeißen und schnell noch alle Stecker aus den Dosen ziehen. Doch was ist mit dem Depot? Müssen die Investments vor dem Urlaub abgesichert werden? Schließlich will man nach den Ferien keine böse Überraschung erleben.

Denn die vermeintlich sehr ruhige Urlaubszeit kann es an der Börse ganz schön in sich haben. „Allgemein sind die Märkte über die Sommermonate meist von geringerer Liquidität geprägt“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. „Im Falle unerwarteter Ereignisse ist eine höhere Schwankungsbreite daher nicht auszuschließen.“ Es reichen oft schon im Vergleich recht geringe Kauf- und Verkaufsorders, um die Kurse zu bewegen. Da können die Ausschläge schon mal heftiger werden. „Ob sich Anleger gegen dieses Risiko explizit absichern möchten, hängt natürlich von der jeweiligen Risikoneigung ab“, so Stephan.

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Und diese Absicherung muss gar nicht kompliziert sein. „In den Sommerferien müssen sich Anleger nicht von Kurausschlägen überraschen lassen“, schreiben die Experten des Fondsverbands BVI. „Mit einem Auftrag an ihre Bank können sie dafür sorgen, dass zwischenzeitliche Marktschwankungen sich nicht übermäßig auf die eigenen Ersparnisse auswirken.“ Eine Stop-Loss-Order, eine Verkaufsorder zum Schutz des Vermögens, sorgt dafür, dass Wertpapiere automatisch verkauft werden, wenn die Kurse unter einen vom Anleger vorab festgelegten Wert fallen. So können Anleger nicht nur Verluste vermeiden, sondern auch einmal eingefahrene Gewinne sichern.

Die Order ist bei den meisten Banken und Onlinebrokern kostenlos. Gebühren werden erst fällig, wenn die Order ausgelöst wird. „Solche Stop-Loss-Orders können sowohl für eine bestimmte Kursschwelle als auch für einen exakten Zeitraum eingestellt werden“, so der BVI. „Nach dessen Ablauf verfällt die Order, Anleger müssen dann nichts mehr weiter tun.“

Klingt nach der perfekten Versicherung für die Sommermonate. Doch Christoph Bruns kann Stop-Loss-Kursen wenig abgewinnen, hält sie gar für ungeeignet. „Gerade in Seitwärtsphasen mit hohen Schwankungen werden Anleger oft ausgestoppt und finden dann den Einstieg nicht mehr“, sagt der Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. Vor allem wenn die Verkaufsschwelle zu eng gewählt ist, wird das schnell zum Problem. Denn dann werden bei kurzfristigen Kursausschlägen Papiere verkauft, die Anleger eigentlich langfristig halten wollten. Erholt sich die Aktie aber schnell wieder, müssten Anleger sie teurer zurückkaufen.

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, teilt die Kritik. „Das grundsätzliche Problem mit Stop-Loss Kursen ist, dass damit der Versuch unternommen wird, die Rendite durch Market-Timing zu verbessern“, sagt er. Anleger versuchen also, den besten Kaufs- und Verkaufspunkt zu finden. „Das funktioniert aber auf Dauer nicht“, so Nauhauser.

Auch wenn ein Investor bei Aktienmärkten plausible Indikatoren zu erkennen meine, wonach eine Kurskorrektur überfällig sei: Man könne weder Zeitpunkt noch Ausmaß zuverlässig vorhersehen. „Störfeuer können aus allen Richtungen kommen und am stärksten wirken sich meist diejenigen Störfeuer aus, die zuvor niemand auf dem Zettel hatte“, weiß der Verbraucherschützer. Diese Ungewissheit sei aber nur dann ein echtes Problem, wenn Anleger das Risiko nicht breit streuen würden.

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