Flucht in sichere Häfen: Goldpreis und Top-Anleihen ziehen an

Flucht in sichere Häfen: Goldpreis und Top-Anleihen ziehen an

, aktualisiert 04. September 2017, 13:01 Uhr
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Das Edelmetall gilt schon lange als die Krisenwährung schlechthin.

von Ingo NaratQuelle:Handelsblatt Online

Nordkorea zündelt mit seinem jüngsten Nukleartest weiter. Die Folge: Investoren halten sich bei Risikoanlagen wie Aktien zurück. Sie flüchten in Top-Anleihen und vor allem in Edelmetalle. Doch Experten geben Entwarnung.

FrankfurtEs ist ein Krieg der Worte. Und den hat Nordkorea am Wochenende mit dem Test einer Wasserstoffbombe weiter eskalieren lassen. US-Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister Jim Mattis haben rote Linien eingezogen.

Trump hatte in Richtung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un getwittert: „Die verstehen nur eine Sache!“. Mattis legte nach: „Jede Bedrohung der Vereinigten Staaten oder seiner Territorien inklusive Guam, oder unserer Alliierten, wird mit einer massiven militärischen Reaktion beantwortet.“ Wer geglaubt hatte, der Krieg der Worte der vergangenen Woche könne nicht weiter eskalieren, der sah sich getäuscht.

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Die Anleger sind bisher allerdings nicht in Panik verfallen. Sie zogen sich in moderatem Umfang aus Risikoinvestments zurück. Bisher ist auch alles gutgegangen. „Aber man kann diskutieren, ob so eine Reaktion des Marktes gerechtfertigt ist oder nicht“, urteilt Simon Derrick, Chefstratege bei BNY Mellon, im Lichte der jüngsten Entwicklung.

An der Welt-Leitbörse Wall Street liegen die Kurse weiter nahe ihren Rekordhochs. Die Schwäche der europäischen Börsen hat viel mit dem starken Euro zu tun. Doch eine wachsende Nachfrage nach „sicheren Häfen“ gibt es durchaus.


Ein Aktiencrash ist möglich

Gestiegen sind beispielsweise die Kurse von Top-Staatsanleihen, sogar die der schweizerischen Titel, die bereits negativ rentieren. Deutlicher ist das Sicherheitsbedürfnis mancher Anleger allerdings an den Preisen der klassischen Krisenvorsorge abzulesen: bei den Edelmetallen.

Gold hat nach mehreren Anläufen auf die Marke von 1300 Dollar je Feinunze in diesem Jahr diese Schwelle jetzt überwunden. Das Edelmetall ist inzwischen so teuer wie zuletzt vor knapp einem Jahr. „Ziel für die kommenden Wochen sind 1355 bis 1375 Dollar“, meint Eugen Keller, Marktstratege beim Bankhaus Metzler.

Der Anstieg wird auch von spekulativen Geldern gestützt. Das zeigen die Zahlen der New Yorker Terminbörse. In die gleiche Richtung weisen die Zuflüsse in Goldfonds, deren Preis an die Entwicklung des Metalls gekoppelt ist. Bereits am Freitag kauften Anleger so viel davon wie seit 14 Monaten nicht.

Wie der Nordkoreakonflikt ausgeht, ist derzeit völlig offen. Es gibt durchaus Börsenstrategen, die eine militärische Auseinandersetzung für wahrscheinlich halten. In diesem Fall wäre es vorbei mit ruhigen Märkten. Ein Aktiencrash mit Tagesverlusten von fünf bis zehn Prozent bei breiten Indizes wäre dann wahrscheinlich, mutmaßt Heinz-Werner Rapp, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter Feri.

Optimistische Naturen besinnen sich an dieser Stelle auf die Historie. Eine Auswertung der Deutschen Bank mit allen geopolitischen Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg zeigt: Nach Verkaufswellen von Tagen bis einigen Wochen erholten sich die Kurse meist innerhalb weniger Monate. Und nach einem Jahr hatten die Börsen ihre Ausgangsverluste mehr als wettgemacht.

Angesichts der weiter schwelenden Krise und ihrer Unkalkulierbarkeit sollten Anleger eine Rat der Analysten des renommierten US-Researchhauses BCA beherzigen. Die empfehlen für das Geldvermögen als Absicherung einen Mix aus Top-Staatsanleihen und Gold. Über die Größenordnung sollte jeder Anleger nach seiner Risikotoleranz entscheiden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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