Fondsbilanz: Die Roboter kommen

Fondsbilanz: Die Roboter kommen

, aktualisiert 21. Oktober 2016, 15:32 Uhr
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Ein Arbeiter kontrolliert Produkte des Herstellers.

von Ingo NaratQuelle:Handelsblatt Online

Technologieaktien haben in den drei Monaten des Jahres gute Erträge gebracht. Die „Industrie 4.0" wird die Erfolgsgeschichte fortschreiben. Fondsmanager sagen wo.

Frankfurt„What do you mean?“ Diese Rückfrage kommt jetzt seltener von angelsächsischen Gesprächspartnern, wenn ein Deutscher sie auf das Thema „Industrie 4.0“ anspricht. „Die Amerikaner übernehmen das Schlagwort langsam“, sagt Angus Muirhead, Aktienspezialist bei der Credit Suisse in Zürich. Die Idee von der intelligenten Fabrik fasziniert nicht nur die Industrie. Sie lockt auch Anleger.

Das Thema strahlt auf die aktuelle Fondsbilanz für die ersten drei Quartale des Jahres aus. Die Analysefirma Feri Eurorating stellte für das Handelsblatt die Leistungsbilanzen der Produkte in 36 wichtigen Anlageschwerpunkten zusammen. Mit durchschnittlich 6,6 Prozent Ertrag liegen Depots für Technologieaktien relativ weit vorne. Über fünf Jahre haben sie sogar 16,8 Prozent jährlich eingespielt.

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„Da spiegelt sich das Thema Industrie 4.0 erst ansatzweise wider, weil die Ideen recht jung sind“, sagt Christian Michel, Leiter Fonds bei bei Feri Eurorating. Sein Ausblick: „Der Wachstumstrend könnte noch lange anhalten.“ Muirhead schätzt es ganz ähnlich ein: „Tech-Aktien haben in den vergangenen Jahren mehr Ertrag gebracht als die Märkte allgemein. Das wird so bleiben.“

Das Schlagwort deutscher Herkunft soll eine kommende industrielle Revolution ankündigen, ermöglichst durch immer leistungsfähigere Computer. Die erste war die Herstellung in Fabriken. Bei der zweiten wurde elektrische Energie zur Fließbandproduktion genutzt. Die dritte integrierte Informationstechnologie in der Fertigung.

Jetzt soll „4.0“ ein Update geben. Die Idee: Fabriken werden sich künftig selbst organisieren, Maschinen, Stoffe und Produkte intelligent vernetzt sein, individuelle Kundenwünsche sofort umgesetzt werden können. Durch die Vernetzung von Produkten und Maschinen über das Internet können Objekte selbständig Informationen austauschen, Aktionen auslösen und sich wechselseitig steuern.


Intelligente Fabriken faszinieren Fondsmanager

Das bleibt nicht auf Fabrikhallen beschränkt. Potenzial sehen die Experten beim Stichwort „Internet der Dinge“ durch Vernetzungen im Haushalt. Gerne genannt wird der autonome Kühlschrank, der eigenständig ordert, wenn die Milch zur Neige geht. Das selbst fahrende Auto ist ein großes Thema. Enormes Potenzial wittern Experten auch im Gesundheitsbereich. Und das geht schon heute weit über das gerne verwendete Stichwort Pflegeroboter hinaus. Beteiligt sind an der Umwälzung viele Bereiche, etwa Informationstechnologie, Datenverarbeitung, Teilsegmente wie künstliche Intelligenz, Spracherkennung, virtuelle Realität.

Es herrscht Aufbruchsstimmung in der Wirtschaft und in der Anlagebranche. Das mag unangenehme Erinnerungen an den Crash der Internetaktien zur Jahrtausendwende wachrufen. Es gab einen Ansturm auf das Anlagethema Technologie, bis die Spekulationsblase platzte. „Doch heute reden wir über real existierende Firmen, die rentabel sind, die eben kein Cash verbrennen“, beruhigt Walter Liebe, Produktspezialist bei Pictet Asset Management.

Wie sehr das Thema die Wirtschaft in den Bann schlägt, zeigt das aktuelle Beispiel Kuka. Der chinesische Elektrogerätehersteller Midea übernahm den deutschen Roboterbauer. „China hat auf dem Gebiet einen Rückstand und will das aufholen, deshalb zahlte Midea einen Liebhaberpreis von vier Milliarden Euro“, kommentiert Liebe das Geschehen, das auch in der Politik für Aufregung sorgte. Deutsche Autobauer setzten Roboter schon früh in den 70er Jahren ein. Doch die heutigen Modelle sind flexibel und können auch mit Menschen zusammenarbeiten.

Robotertechnik gilt als Teil des Themas Industrie 4.0. Pictet hat dazu seinen Fonds gelegt, der in einem Jahr bereits 1,3 Milliarden Euro eingesammelt hat. Pictet schätzt bei den börsengelisteten Firmen aus diesem Bereich einen jährlichen Gewinnanstieg je Aktie von 20 bis 25 Prozent für die kommenden Jahre. „Diese Aktien sind stramm bewertet, aber das Wachstum ist eben auch nicht erträumt wie im Jahr 2000“, sagt Liebe. Die ebenfalls schweizerische Credit Suisse Asset Management ist kürzlich mit einem Konkurrenzfonds gefolgt.

Das Thema gewinnt an Schwung bei den Fondsanbietern. Das zeigt sich auch an den Plänen. Eine großes deutsches Investmenthaus wird in Kürze ein Produkt anbieten, dass sich ausdrücklich dem Thema Industrie 4.0 widmen soll. Laut Feri Eurorating sind auf diesem Feld bereits Fidelity, DNB Asset Management und Henderson mit ihren Technologie-Aktienfonds engagiert.


Fortschritte in der Gesundheitsbranche

Von der Technik-Revolution profitieren unterschiedlichste Sektoren. Pictet-Mann Liebe nennt aus dem Industriesektor Namen wie Siemens, Kuka, Dürr oder ABB. Muirhead von Credit Suisse nennt Ansys als eine der beeindruckendsten Firmen aus der Industrie. „Sie erstellt 3D-Software für den virtuellen Stresstest von Düsentriebwerken“, erklärt er. Bisher müsse man die Triebwerke real bauen. „Das ist sehr aufwendig und kostspielig. Und wenn das Modell im Testverlauf einmal zu Bruch geht, muss man neu anfangen“, erklärt er.

Hyon Ho Sohn von Fidelity sieht momentan gute Chancen bei künstlicher Intelligenz. Das Thema berührt nach Einschätzung des Fondsmanagers beispielsweise die Halbleiterhersteller. Ein Unternehmen wie Infineon könne von der Einführung von Elektroautos und autonomen Fahrzeugen profitieren. Eine anderer interessanter Kandidat für das Thema künstliche Intelligenz sei Nuance Communications, ein Anbieter von Spracherkennungssoftware.

Im Gesundheitssektor schauen einige Fondsmanager beispielsweise auf Intuitive Surgical. Die Firma stellt Operations-Automaten her. Diese Roboter werden per Joystick gesteuert und können Eingriffe viel präziser als Menschen durchführen. „Das ist natürlich weit besser für die Patienten“, meint Liebe. Er sieht bei der Firma hohes Wachstums und hohe Gewinnmargen. „Das sind Beispiele für Innovationsvorsprünge, die das Eindringen von Konkurrenten und damit die Marge lange Zeit schützen“, sagt der Stratege.

Muirhead unterstützt die Hoffnungen für die Industrie mit seiner eigenen Biografie. Er habe lange in der Technologieindustrie gearbeitet, sei aber im September zur Credit Suisse gewechselt, weil der Bereich eine der überzeugendsten Wachstumsstorys biete. Er gibt sogar Eltern einen pointierten Rat für das nächste Gespräch mit den Kindern: „Denkt nicht über Latein nach, lernt lieber den Umgang mit Computern. Die Zukunft ist digital.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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