Fondsmanager Bert Flossbach: An Aktien führt kein Weg vorbei

Fondsmanager Bert Flossbach: An Aktien führt kein Weg vorbei

, aktualisiert 24. Mai 2017, 16:32 Uhr
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Nach Meinung des Anlageexperten werden die Zinsen auf absehbare Zeit nicht markant steigen.

von Ingo NaratQuelle:Handelsblatt Online

Der bekannte Fondsmanager vertraut auf Aktien. Bert Flossbach rechnet mit einer langen Phase tiefer Zinsen und daher mit steigenden Börsenkursen. Den Deutschen traut er dann etwas zu, was bisher keiner von ihnen erwartet.

FrankfurtMit vier Worten gibt Bert Flossbach die Marschrichtung vor. „Da geht noch was!“, sagt er in einem kleinen Kreis von Journalisten. Der bekannte Fondsmanager und Mitgründer der Kölner Anlagefirma Flossbach von Storch spricht über die Perspektiven am Aktienmarkt.

Sein Mischfonds „Multiple Opportunities“ ist bei Anlegern beliebt und inzwischen auf rund zwölf Milliarden Euro angeschwollen. Flossbach hat deutlich mehr als die Hälfte des Kapitals in Aktien investiert. Mehr als ein Fünftel hält er als Liquidität. Das ist ungewöhnlich viel im Vergleich zu den Konkurrenten.

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Im Konkurrenzvergleich der großen Mischfonds steht das Produkt im Jahresverlauf relativ gut da. Es kommt bisher auf ein Plus von rund vier Prozent. Wettbewerber wie der „Kapital Plus“ von Allianz, der „Ethna Aktiv“ von Ethenea oder der „Global Income“ von JP Morgan erreichen rund drei Prozent, ein „Patrimoine“ von Carmignac liegt bei knapp zwei Prozent.

Zentral für Flossbachs Weltbild ist die hohe und wachsende Verschuldung. Sie ist seiner Meinung nach mitverantwortlich dafür, dass die Zinsen auf absehbare Zeit nicht markant steigen können. Eine von vielen Analysten erwartete Zinswende hält er deshalb für unmöglich.


Firmenanleihen und Immobilien bereits hoch bewertet

Flossbach stuft Anleihen angesichts der aktuellen Renditen als unattraktiv ein. Deshalb hat er kaum Bonds im Fonds. „Wenn es eine Mutter aller Blasen gibt, dann ist die am Zinsmarkt“, sagt der Kölner. Da der Zins ein zentraler Geldpreis ist, sind seiner Meinung nach beispielsweise auch Firmenanleihen und Immobilien üppig bepreist.

Tiefere Zinsen seien dagegen gut für Aktien. Die angemessenen Bewertungen für Dividendentitel würden daher höher sein. Deshalb seien Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 25 für defensive Aktien wie etwa den Nahrungsmittelkonzern Nestlé oder den Haushaltsgerätehersteller Reckkitt Benckiser „noch okay“.

Der Fondsmanager hält an seinem langfristigen Ausblick fest. „Die Finanzrepression ist die einzige friedliche Lösung der Überschuldungsprobleme“, sagt er. Das bedeutet: Negative Realzinsen, das heißt Zinsen abzüglich Inflation, entwerten Schulden über einen längeren Zeitraum.

Momentan sind die Realzinsen bereits deutlich negativ. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe beträgt 0,4 Prozent, die deutsche Inflation lag im April bei 2,0 Prozent. Das bedeutet in dieser Rechnung eine Realverzinsung von minus 1,6 Prozent, demnach einen Verlust in dieser Höhe.

Verschiedene Banken haben in der Vergangenheit die Verluste geschätzt, die die Deutschen dadurch erleiden müssen. Nach Kalkulationen etwa der DZ Bank und der Commerzbank sind es hohe Milliardenbeträge - jedes Jahr. Der Grund ist die einseitige Anlage der Deutschen. Sie haben den weitaus größten Teil ihres Geldes bar, haben es auf Bankkonten, in Spareinlagen oder anderen Zinspapieren deponiert. Daran hat sich trotz der tiefen Zinsen und teilweise sogar Minuszinsen wenig geändert.

Flossbach hält die Aktie derzeit für die beste Anlagealternative. Die Aversion der Deutschen gegen Aktien sei zwar bekannt. Doch wenn die Tiefzinsphase länger anhalte, „kauft der Deutsche am Ende vielleicht doch noch Aktien – und Gold“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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