Fondsmanager Boersma: "Europäische Aktien übergewichtet, in USA und Japan untergewichtet"

InterviewFondsmanager Boersma: "Europäische Aktien übergewichtet, in USA und Japan untergewichtet"

von Heike Schwerdtfeger

Warum der Fondsmanager des Templeton Growth, Norman Boersma, weiterhin auf europäische Banken und Flieger steht, aber deutsche Autobauer verkauft.

Sie haben einige Tage in Europa verbracht. Mit welchen Eindrücken kehren Sie auf die Bahamas zurück?

Mir wurden mehr Fragen zu den Kursverlusten in Schwellenländern gestellt als zur Euro-Krise. Auch anhand der harten Daten erkenne ich, dass die Euro-Länder kleine Fortschritte machen und etwas wettbewerbsfähiger werden.

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Ziehen uns jetzt die Schwellenländer in eine Finanzkrise?

Nein, sie sind keine homogene Gruppe, und das ist eher eine normale Korrektur, ausgelöst durch strukturelle Probleme und die Debatte um das Zurückfahren der Anleihekaufprogramme in den USA. Für 2014 erwarte ich dadurch mehr Unsicherheit, aber das bietet mir als aktivem Fondsmanager Chancen.

Fondsmanager des Templeton Growth, Norman Boersma. Quelle: Presse

Fondsmanager des Templeton Growth, Norman Boersma.

Bild: Presse

Haben Sie nach den jüngsten Kursverlusten Aktien gekauft?

Ich wäre gern so clever, immer die wirklich verheerenden Tage an der Börse zu erwischen. Aber das gelingt nicht. Ich halte es mit dem verstorbenen Sir John Templeton und frage mich vor dem Kauf von Aktien nie, ob der Markt steigt oder fällt, weil ich es nicht weiß. Ich suche Land für Land nach Aktien ab: Wo finde ich die größte Diskrepanz zwischen dem Wert, den ich ihnen zumesse, und dem, zu dem sie an der Börse gehandelt werden. Wenn die Mehrheit der Börsianer ängstlich und pessimistisch ist, finden wir oft gute Ideen für unsere Schnäppchen-Liste.

Und was ist jetzt günstig?

Schwellenländer sind ungemütlich, aber genau deshalb lohnt es sich, dort genau hinzusehen. Die Aktien werden mit einem Abschlag auf ihr langfristiges Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet. In 25 Jahren zahlten Anleger im Schnitt das 16-Fache der erwarteten Unternehmensgewinne, aktuell das 11-Fache. Für US-Staatsanleihen zahlen Anleger das 33-Fache, für US-Aktien das 18-Fache.

Wie stark ist Ihr Fonds in Schwellenmärkten engagiert?

Bislang kommen sie auf etwa acht Prozent des Portfolios. Darunter sind aber auch Titel wie Samsung aus Korea. Das Land ist über den Schwellenländerstatus hinaus, wird aber in offiziellen Indizes noch so geführt.

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Ist Europa attraktiv für Sie?

Europäische Aktien sind noch interessant, aber nicht mehr so günstig wie vor drei Jahren. In der Euro-Krise war es hart, europäische Titel und insbesondere Banken überzugewichten, aber es hat sich für den Fonds ausgezahlt. Banken haben eine Rally hinter sich. Aber unsere größte Position in dem Sektor, die französische BNP Paribas, notiert noch immer nur bei etwa der Hälfte ihrer in den Büchern notierten Vermögensbestände abzüglich der Schulden, während US-Banken über ihrem Buchwert notieren. Ich erwarte, dass sich auch bei den anderen im Fonds enthaltenen Euro-Land-Banken wie Crédit Agricole, ING Group sowie UniCredit die Bewertung noch angleicht. Ein robuster Rahmen durch die EU-Bankenregulierung und stärker werdende Volkswirtschaften können dazu beitragen.

Die Commerzbank gehört seit 2013 zum Fonds. Sie ist nicht gerade als stark bekannt.

Sie ist ein Nachzügler, und wir setzen mit der kleinen Position auf die Restrukturierung. Der Kapitalbedarf deutscher Banken ist uns ansonsten zu hoch.

Was steckt dahinter, wenn US-Unternehmen Kredite aufnehmen, um Dividenden zu zahlen oder Aktien zurückzukaufen?

Das hat oft steuerliche Gründe. Manche Unternehmen haben hohe Einnahmen im Ausland. Wenn sie das Geld in die USA transferieren, müssten sie es höher versteuern. Dividenden und Rückkäufe dürfen die Unternehmen aber nur mit Geld von US-Konten finanzieren. Deshalb leihen sie sich das Geld für die Maßnahmen. Die Krux mit den Aktien-Rückkäufen ist, dass die Unternehmen meist ein schlechtes Timing haben und Aktien zurückkaufen, wenn die Kurse sehr hoch sind.

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