Fondsmanager Daniel Kröger: "Europäische Aktien sind vergleichsweise günstig"

InterviewFondsmanager Daniel Kröger: "Europäische Aktien sind vergleichsweise günstig"

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Daniel Kröger

von Stefan Hajek und Andreas Toller

Die Börse hat eine eine dramatische Woche hinter sich. Fondsmanager Daniel Kröger erklärt, warum sein Europa-Aktien-Fonds gut durch die Turbulenzen kam und weshalb er lieber auf kleine Nebenwerte setzt.

WirtschaftsWoche: Herr Kröger, viele Anleger sind nervös: Nach der vergangenen Woche mit Kursschwankungen von bis zu zehn Prozent – erst runter, dann wieder rauf – ist der Aktienmarkt angezählt. Wie haben Sie die Woche erlebt?

Kröger: Ich hatte eher gemischte Gefühle. Zum einen die Sorge, dass der Markt in Panik verfallen würde, was zum Glück ausgeblieben ist. Zum Anderen gab es hervorragende Chancen, Unternehmen mit einem großen Preisnachlass zu kaufen. Vor allem wurden auch Unternehmen abgestraft, die absolut nichts oder wenig mit der Krise in China zu tun haben. So habe ich die Gelegenheit genutzt, Titel wie U-Blox, Kontron oder Marine Harvest aufzustocken. Ich bin Stockpicker und grabe mich tief in Unternehmen ein. Damit ist so eine Woche eine hervorragende Chance für Value Investoren. Burburry war immer zu teuer, nun konnte man die Aktie mit einer Rendite von mehr als zehn Prozent kaufen. 

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Zur Person

  • Daniel Kröger

    Daniel Kröger, 36, ist Informatiker. Seit 2010 managt er den Aktienfonds Acatis Europa. Da­ vor war er Fondsmanager bei Universal Investment. Dem Autor auf Twitter folgen.

Warum hat sich Ihr Portfolio als vergleichsweise stabil erwiesen?

Geholfen haben Investments in Aktien wie Wüstenrot oder Globo, die in dem Crash am vergangenen Montag überhaupt nicht auf der Verkaufsseite standen – sondern im Gegenteil sogar gestiegen sind. Generell ist die Korrelation dieser Titel zu einer Benchmark sehr gering. Hinzu kommt, dass Wüstenrot-Aktien zum großen Teil in der Hand von Value Investoren sind, da verkauft niemand. Diese Woche hat dem Fonds eine Outperformance von sechs Prozent beschert, bei einer Volatilität von gerade mal 13 Prozent.

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Aktien sind nicht mehr billig, Chinas Börse brach wiederholt ein, die Angst vor einer neuen globalen Rezession wächst. Ist die beste Zeit, in Aktien zu gehen, vorbei?

Das würde ich so pauschal nicht sagen. Aber es stimmt, dass die Blasensymptome weltweit zunehmen. Nur sind sie noch punktuell und nicht flächendeckend wie 1999. An der US-Westküste etwa gibt es sicherlich eine Bewertungsblase bei jungen Internet-Start-ups und Biotechnologiewerten. Anleger müssen aber genauer hinsehen: Technologie ist nicht pauschal zu teuer. Die Etablierten wie Oracle, Apple oder auch Cisco sind, gemessen an ihrem Wachstum, Cash-Flow und Gewinnmargen, sogar recht billig, erst recht im aktuellen Vergleich mit anderen Branchen.

Wie gefährlich ist die Situation in China nach den Einbrüchen am Aktienmarkt dort?

Das macht mir schon Sorgen; China hat enormen Einfluss auf die deutsche Wirtschaft, auf die Autobauer sowieso, aber auch auf deren Zulieferer, wie den Chiphersteller Infineon. Dort läuft das Geschäft noch gut, aber man erkennt deutlich, dass das Management versucht, die Erwartungshaltung der Anleger für die nächsten Quartale etwas herunterzubremsen. Ich habe vergangene Woche mein Portfolio auf die Ansteckungsgefahren einer Rezession in China genau untersucht, Aktie für Aktie.

Was kam dabei heraus?

Wir kaufen gerne kleine Nebenwerte, die möglichst wenig vom allgemeinen Börsentrend abhängen, sondern die Entwicklung des eigenen Geschäfts widerspiegeln. Viele haben kein direktes Chinageschäft. Insofern waren die direkten Schäden überschaubar. Aber die Situation in China sollte sich auch nicht weiter verschlechtern. Was bei einer neuen weltweiten Rezession passiert, weiß ich nicht, aber die erwarte ich, ehrlich gesagt, in den nächsten Quartalen nicht.

Das Thema Griechenland und Schuldenkrise scheint hingegen durch zu sein? Können die Anleger aufatmen?

Ich denke schon. Die Kursausschläge waren nicht mehr sehr groß, als sich dort die Situation Ende Juni dramatisch zuspitzte; die Anleger hatten den worst case, den Grexit, offenbar eingepreist. Allerdings erwartet niemand die nächste Stufe der Hausse, nur weil man sich in Athen gütlich einigt; die Probleme sind ja nicht gelöst. Nur ist der Einfluss Griechenlands auf die europäischen Aktien gering. Zumal die Verschuldung von den Banken zu staatlichen Trägern wie dem EFSM gewandert ist.

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