Fondsmanager Michael Hasenstab: „Mexiko ist extrem unterbewertet“

Fondsmanager Michael Hasenstab: „Mexiko ist extrem unterbewertet“

, aktualisiert 15. Juni 2016, 15:17 Uhr
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Der Fondsmanager erwartet bald eine Zinserhöhung der US-Notenbank.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Michael Hasenstab ist einer der größten Investoren in Schwellenländern. Der Fondsmanager sieht aktuell vor allem in Mexiko große Chancen. Welche Länder er sonst noch empfiehlt und warum er vor US-Staatsanleihen warnt.

ChicagoDer mexikanische Peso gilt längst nicht mehr als eine richtig harte Währung. Im Vergleich zum Dollar ist  der Peso heute rund ein Viertel weniger wert als noch im Jahr 2009, nach der Finanzkrise. Er ist auch billiger als in fast allen anderen Krisen der letzten Jahrzehnte. Gerade diese Schwäche sorgt jetzt für Begehrlichkeiten – und zwar bei einem ziemlich prominenten Geldanleger.

Nach Meinung des Fondsmanagers Michael Hasenstab ist die Währung derzeit extrem unterbewertet. „Viele Investoren wetten gegen den Peso, wenn sie insgesamt gegen Lateinamerika oder gegen alle Schwellenländer eingestellt sind, weil es für diese Währung einen liquiden Markt gibt“, so erklärt der Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Franklin auf einer Konferenz des Fondsratinghauses Morningstar in Chicago die Unterbewertung.

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Auf Sicht von drei bis fünf Jahren wird sich diese Situation nach seiner Meinung aber auflösen. „In der niedrigen Bewertung sind auch mögliche Krisen schon berücksichtigt“, sagt Hasenstab. Auf Nachfrage räumt der Schwellenländer-Experte ein, ein Zerfall der nordamerikanischen Handelszone sei bei seiner Analyse allerdings nicht mit einkalkuliert. Seiner Meinung nach wird das aber auch mit einem möglichen US-Präsidenten Donald Trump nicht passieren.

Mexiko hat aus Hasenstabs Sicht gleich mehrere Vorteile. Neben der niedrigen Währung lockt eine  Rendite von fast sechs Prozent für langjährige Staatspapiere. Außerdem befindet sich Mexiko in einer guten finanziellen Position, verfügt also über hohe liquide Mittel im Vergleich zu dem Umfang an kurzfristigen Schulden und dem Defizit der Zahlungsbilanz.

Ende des vergangenen Jahres ist Hasenstab bereits in Brasilien eingestiegen, weil er dort Chancen auf politische Reformen und eine wirtschaftliche Erholung sieht. Die Währung ist seiner Einschätzung nach zwar nicht mehr unterbewertet, dafür locken aber Zinsen von mehr als zwölf Prozent, die finanzielle Position ist ebenfalls gut. Weitere Chancen sieht er in Asien, etwa in Indien trotz einer relativ hoch bewerteten Währung, außerdem in Malaysia und Indonesien. In Osteuropa ist er dagegen weitgehend ausgestiegen, weil ihm die Bewertungen zu hoch waren. Er warnt zudem vor der Türkei, die Währung sei überbewertet und die finanzielle Position schwach.

Hasenstab ist mit seinem rund 50 Milliarden Dollar schweren Templeton Global Bond A einer der bekanntesten und größten Investoren in Schwellenländern. Nach vielen Erfolgen und Preisen hat sein Fonds aber auch unter der allgemeinen Schwäche dieser Märkte und unter Mittelabflüssen gelitten. Binnen Jahresfrist etwa liegt er sechs Prozent im Minus. Nach einer Analyse von Morningstar braucht es einen „starken Magen“, um in den Fonds zu investieren. Weil er höhere Risiken als andere Anleihefonds eingeht, gleichen seine Erfolge auffällig stark der Bewegung der Aktienmärkte, heißt es dort.

Hasenstab wurde auch durch Milliardeninvestitionen in ukrainische Staatspapiere bekannt, die ihn zu einem der größten Investoren in dem Krisenland machten. Nach eigener Darstellung steckt er mit diesen Investitionen aber nicht mehr in der Verlustzone. Er lobt die Schuldenumstrukturierung dort, die auf einem Umtausch der Papiere in neue Anleihen beruht, deren Zinszahlungen vom Wirtschaftswachstum abhängen. Griechenland hat nach seiner Aussage zeitweise ähnliche Papiere herausgegeben. „Aber die waren von Anfang wertlos, weil sie unrealistisch kalkuliert waren“, sagt er.

Hasenstab glaubt, dass die US-Notenbank bald die Zinsen erhöhen wird. Weil der Ölpreis sich stabilisiert hat und Vollbeschäftigung herrscht, werden die Vereinigten Staaten seiner Meinung nach gegen Ende des Jahres drei Prozent Inflation erreichen. Er rechnet mit einem starken Dollar, aber mit Verkäufen von langfristigen US-Staatspapieren, die seiner Meinung nach deutlich überbewertet sind. Er glaubt, dass die Märkte zu Unrecht eher eine Deflation als eine Inflation in den USA fürchten und aus diesem Grund viele Investoren falsch positioniert sind.

Und noch ein Punkt spricht derzeit für ein Investment in den Schwellenländern. Hasenstab weist darauf hin, dass etwa in Argentinien populistische Regierungen eher auf dem Rückzug seien. Den Populismus und Nationalismus in den Industrieländern hält er hingegen für eine Gefahr, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Dabei macht ihm Europa mehr Sorgen als die USA. Aus seiner Sicht wird die Europäische Union eher durch politischen Willen als durch ökonomische Beziehungen zusammengehalten. Falls die Briten sich aus dem Staatenbund verabschieden und auf dem Kontinent Populisten an die Macht kommen, könnte daher ein Zerfall vor allem der Euro-Zone drohen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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