Fondsmanager Thomas Gerhardt: "Kleine Märkte in Asien beachten"

InterviewFondsmanager Thomas Gerhardt: "Kleine Märkte in Asien beachten"

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Thomas Gerhardt

von Sebastian Kirsch

Der Börsenboom in Indien hält 2015 an, sagt Fondsmanager Thomas Gerhardt. Große Chancen für Anleger sieht er aber außerhalb der BRIC-Staaten - vor allem in kleinen Schwellenländern.

WirtschaftsWoche Online: Herr Gerhardt, unter den Schwellenländern hat vor allem Indien im vergangenen Jahr einen Aufwärtstrend an der Börse erlebt. Hält der auch 2015 an?

Gerhardt: Für Indien erwarten wir weiter starkes Wachstum. Premierminister Narendra Modi setzt positive Akzente für die Wirtschaft. Und dank niedriger Rohstoff- und Energiekosten hat sich die Außenhandelsbilanz massiv verbessert, Indien importiert schließlich 80 Prozent seines Öls.

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Welche Aktien dürften davon profitieren?

In unserem Fonds brachten Finanzdienstleister wie die private Icici Bank zuletzt gute Erträge. Aber auch Infrastrukturunternehmen wie Larsen & Toubro finden wir spannend. Der Konzern baut Autobahnen, Flughäfen oder Raffinerien in Indien. Auch die Automobilbranche mit Zulieferern wie Motherson Sumi dürfte zulegen. Motherson Sumi ist einer der weltweit führenden Autozulieferer, der auch in Deutschland große Produktionsstätten für Hersteller wie Porsche, Audi und BMW betreibt. Die bauen jetzt ihre Kapazitäten in Indien stark aus, weil sie glauben, dass der Automarkt durch den steigenden Konsum im Inland anzieht. Für indische Unternehmen sollte dieses Jahr ein Gewinnwachstum von 15-20 Prozent möglich sein.

Zur Person

  • Thomas Gerhardt

    Thomas Gerhardt, 50, leitet seit 2011 das Schwellenländer-Team bei Edmond de Rothschild Asset Management und managt einen Schwellenländer-Aktienfonds.

Wie sehen Sie die Chancen in den anderen BRIC-Schwellenländern Brasilien, Russland und China?

Anleger sollten sich eher von den BRICs lösen und die kleinen Märkte in Asien beachten. Um Brasilien mache ich aktuell einen großen Bogen. Dort wäre eine Abwahl der Präsidentin Dilma Rousseff Ende 2014 für die wirtschaftliche Entwicklung vermutlich günstiger gewesen. Russland leidet unter dem niedrigen Ölpreis und kommt aktuell auch nicht in Frage.

Sind die Aktien dort nicht verlockend günstig?

Grundsätzlich meide ich große Staatsunternehmen. In Russland gibt es trotz günstiger Kurse also aktuell wenig Auswahl. Auch in China müssen Sie als Investor selektiv Unternehmen herauspicken, um die Staatskonzerne zu umgehen. Positiv sehe ich dort aber Internetkonzerne wie Alibaba, Baidu, Tencent oder Vipshop. Die dominieren den Markt und haben schon die finanzielle Stärke, um Konkurrenten auszubooten.

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Welche kleineren Schwellenländer bieten neben China noch Chancen durch den Boom in der IT-Industrie?

Wir sehen in dem Sektor mal wieder eine Verlagerung der Produktionsketten: Nachdem die Zulieferer von Japan nach Südkorea und China gewandert sind, kommt der Boom jetzt in Taiwan an. Das Land hat sich zum Zentrum der IT-Hardware-Industrie entwickelt. Außerdem sehen wir, dass Taiwan langsam auch die Entwicklung und das Design der Produkte übernimmt. Taiwanesische Unternehmen kombinieren ihr technisches Know-How mit den niedrigen chinesischen Lohnkosten, indem sie in China produzieren und in Taiwan entwickeln.  Unsere größte Position im Fonds mit derzeit etwa fünf Prozent ist Taiwan Semiconductor (TSMC). Der Konzern vertreibt zwar keine eigenen Markenprodukte, beliefert als Weltmarktführer für Computerchips aber Unternehmen wie Apple und Motorola.

Die IT-Industrie wandert nach Taiwan, also sehen Sie in Südkorea keine Chancen mehr für Anleger?

Doch natürlich. In diesem Jahr haben wir dort einen starken Fokus auf Dividendentitel gelegt, weil wir eine Erhöhung der Dividendenausschüttung erwarten. Der Staat hat Ende 2014 eine Strafsteuer auf nicht investiertes Guthaben eingeführt und die koreanischen Unternehmen sitzen auf Milliarden Dollar von Cash. Einige haben bereits signifikante Ausschüttungen angekündigt, wie zum Beispiel Hyundai. Meiner Ansicht nach wird das zu einer Ausweitung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse in Korea führen.

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Mit sechs Prozent des Fondsvermögens legen Sie auch einen ungewöhnlich starken Schwerpunkt auf Philippinen-Aktien.

Die letzten Jahre haben wir hier jedes Jahr fünf bis sieben Prozent Wirtschaftswachstum gesehen. Die Philippiner übernehmen Geschäftsprozesse, die vorher in Indien abgewickelt wurden – wie zum Beispiel Telefonhotlines für die USA. Dieser Servicebereich wächst mit 30 Prozent pro Jahr. Dadurch entsteht im Großraum Manila eine Mittelschicht, die den Wohnungsmarkt und die Konsumgüter-Industrie antreibt.

Mit welchen Konzernen versuchen Sie den Trend aufzufangen?

Auf den Philippinen setzen wir vor allem auf große Konglomerate, GT Capital zum Beispiel. Die haben eine eigene Bank, sind aber auch Toyota-Händler und Produzent und Partner der Axa Versicherung. Ein weiteres Beispiel ist Ayala Land mit einem starken Fokus auf Wohnimmobilien, während die SM Gruppe das größte Einkaufszentrum der Welt in Manila betreibt. Nach zuletzt guter Performance gegenüber anderen Schwellenländern dürften für die Philippinen 2015 noch rund 20 Prozent Kurspotenzial möglich sein.

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