Formel 1: Börsenampel springt auf rot

KommentarFormel 1: Börsenampel springt auf rot

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In der Formel 1 fahren die Rennwagen - der Börsengang wird aber verschoben

von Stefan Hajek

Vollbremsung in letzter Minute: Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone verschob den geplanten Börsengang an diesem Freitag überraschend auf unbestimmte Zeit. Die Begründung des 81-jährigen Briten klingt sehr bekannt: „Das schwache Marktumfeld“ sei schuld an der Absage.

Das sagen in der Regel 99,9 Prozent aller Unternehmen, die ihren Börsengang nicht wie geplant durchführen können oder wollen. Es bedeutet nichts anderes als: ‚Wir bekommen nicht so viel Geld von den Investoren für unsere Aktien, wie wir uns das gewünscht hätten.‘

Konkret wollte der Renn-Veranstalter dem Vernehmen nach rund drei Milliarden US-Dollar an der Börse einsammeln.

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Zwar kann der Kurszettel vermutlich ganz gut ohne die Formel 1-Aktie auskommen; Sport-Aktien waren ohnehin selten ein Rendite-Knüller für die Anleger.

Doch beim verkorksten Börsenstart der Formel 1 dürfte es nicht bleiben. Das Unschöne ist: diesmal stimmt der oft als wohlfeile Ausrede missbrauchte Satz vom „unsicheren Marktumfeld“ sogar.

Die anhaltende Unsicherheit der Anleger über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro sowie die Probleme Italiens, sich neues Geld zu leihen und die erneute Zuspitzung der Bankenkrise in Spanien setzten den Börsen auf der ganzen Welt erheblich  zu und schickten den Dax am Freitag sogar kurzfristig in Richtung 6000-Punkte-Marke, den tiefsten Stand seit Beginn des Jahres.

In einem solchen wackligen Umfeld verlangen die Zeichner neuer Aktien in der Regel erhebliche Preisabschläge auf den von den Banken errechneten fairen Wert der Unternehmen; dieser Abschlag kann in Extremfällen bis zu 50 Prozent ausmachen. Wer kann, und auf das frische Geld von der Börse nicht unbedingt angewiesen ist, verschiebt daher und wartet auf bessere Zeiten. 

Zuletzt hatten sich vor allem in Asien die Absagen geplanter IPOs (Initial Public Offerings) gehäuft. Und weitere geplante Börsengänge, auch wesentlich größere als die der Formel 1, die seit Monaten, oft seit Jahren geplant werden, könnten nun gefährdet sein, fürchten IPO-Experten.

Auch in Deutschland stehen einige Milliarden-Konzerne in der Warte-Position; das Scheitern dieser geplanten IPOs wäre ein Desaster nicht nur für die Unternehmen, sondern für den Industriestandort generell.

Konkret warten mit dem Essener Chemie- und Immobilienkonzern Evonik, der Münchner Maschinenbauer Krauss Maffai, der Wohnungsverwalterin Deutsche Annington, der Regensburger Siemens-Tochter Osram (Leuchtmittel) und dem Versicherungsriesen Talanx gleich fünf Unternehmen zum Teil seit Jahren auf eine günstige Gelegenheit zum IPO, die aus dem Stand mindestens in den MDax, Evonik und Osram wohl sogar in den Dax kommen könnten.

Sie brauchen das Geld, um in Forschung und Entwicklung zu investieren; viele, wie Evonik, haben auch noch Altlasten zu tilgen, meist in Form von angelsächsischen Finanzinvestoren, vulgo Heuschrecken, die mit den IPOs endlich ihre meist Anfang der 2000er-Jahre eingegangenen Beteiligungen in der deutschen Industrie veräußern möchten. Scheitern nun die Börsengänge, wären viele Millionen Euro an Kosten für deren Vorbereitung zusätzlich aufgelaufen.

Zudem zeigt die Erfahrung, dass einmal abgesagte IPOs sehr viel schwieriger durchzuziehen sind als neue, wenn die Bedingungen für Börsengänge sich wieder verbessert haben. Die Absage der Werkstattkette ATU etwa lag den Kapitalgebern derart schwer im Magen, dass an einen Neuversuch des Parkettdebüts über mehrere Jahre nicht zu denken war.

Auch das verhunzte Debüt des social networks Facebook war wenig hilfreich für die Börsenpläne der größtenteils seriösen Kandidaten.

Der von der Nachrichtenagentur Bloomberg aufgesetzte IPO-Index, der die Wertentwicklung neuer Aktien in den ersten zwölf Monaten nach dem IPO misst, fiel in der vergangenen Woche so stark wie seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 nicht mehr.

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Die Facebook-Aktie hat seit ihrem Debut rund ein Viertel ihres Wertes eingebüßt und damit einen der schlechtesten Börsenstarts eines Unternehmens dieser Größenordnung aller Zeiten hingelegt. „Die Stimmung war zuvor schon nicht gut, aber Facebook hat ihr den Rest gegeben“, sagt ein IPO-Berater, der unter anderem den Börsengang eines deutschen Chemiekonzerns mit Vorbereitet. „Nun müssen wir sehen, wann das Fenster wieder aufgeht, aber ich rechne nicht mehr mit einer schnellen Folge mehrerer IPOs in diesem Frühsommer“, sagte der Insider.

Genau darauf hatten die Konzerne und die Banken seit mehreren Quartalen gehofft. Nun sagen sie: „Gefällt uns nicht!“

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