Führungsvorschläge von Jamie Dimon: Der schwammige Kodex für Aktiengesellschaften

Führungsvorschläge von Jamie Dimon: Der schwammige Kodex für Aktiengesellschaften

, aktualisiert 21. Juli 2016, 17:43 Uhr
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Der JP-Morgan-Chef ist auch Präsident des Verwaltungsrats.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Berühmte amerikanische Manager und Investoren haben Ideen zur besseren Führung von Aktiengesellschaften vorgelegt. An den aktuellen Problemen bei der Leitung von Konzernen dürfte sich dadurch aber wenig ändern.

New YorkDer Berg kreißte – und gebar eine Maus. So heißt eine Redensart, die auf den römischen Dichter Horaz, der damit Dichter kritisierte, die nicht hielten, was sie versprachen. Der Berg, das ist in dieser Geschichte eine Ansammlung von 13 berühmten amerikanischen Managern und Investoren, darunter Namen wie Jamie Dimon (Chef von J.P Morgan), als Initiator des Konzepts sozusagen der Vater der Maus, Warren Buffett und Larry Fink (Chef von Blackrock). Nicht dabei ist Abigail Johnson – die Chefin der Fondsgesellschaft Fidelity hat sich aus dem Geburtsprozess ausgeklinkt, wahrscheinlich, weil sie das dürftige Ergebnis absehen konnte.

Die Maus, das sind Vorschläge zu einer besseren Führung von Aktiengesellschaften, gegliedert in sechs Punkten und als Anzeige in großen US-Zeitungen veröffentlicht. Ein halbes Jahr lang haben Jamie Dimon und seine Mitstreiter darüber diskutiert, wie Abläufe in den Verwaltungsräten und der Kontakt zwischen Management und Aktionären verbessert werden können. Herausgekommen sind sehr schwammig formulierte Ideen.

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So umgehen Dimon & Co einen heiß umstrittenen Punkt, nämlich die Frage, ob es richtig ist, dass der Chef einer Aktiengesellschaft zugleich Präsident des Verwaltungsrats sein sollte, also zugleich sein eigener Aufseher. Hier heißt es nur, die Verwaltungsräte sollten regelmäßig auch ohne den Chef tagen, Kontakt zur zweiten Management-Ebene halten und jeweils zumindest einen starken, unabhängigen Aktionärsvertreter in ihren Reihen haben.

Dieser Unabhängige soll dann Vorschläge machen, ob der Chef in Personalunion auch Präsident sein darf, und der Verwaltungsrat soll entscheiden. Eine klare Trennung von Führung und Aufsicht – in den USA also CEO und Chairman des Boards – wäre besser gewesen. Aber Dimon hat die Personalunion in seinem eigenen Fall mehrfach erbittert und mit Erfolg in Hauptversammlungen verteidigt. Und Fink ist für Blackrock ebenfalls eine Art allmächtiger Übervater mit beiden Funktionen. So spiegeln die komplizierten Vorschläge doch eher die Interessen des Managements wider als die Sichtweise der Aktionäre.

Die meiste Diskussion dürfte der Vorschlag hervorrufen, bei Quartalsergebnissen auf eine Vorschau aufs jeweils nächste Quartal zu verzichten. Das wäre sicher für Vorstände sehr bequem, die sich nicht festlegen wollen. Es würde auch Großinvestoren und Analysten einen Vorsprung verschaffen, die doch eher mal informell oder in ausgedehnten „Calls“ mit dem Management reden können, während Privatleute auf das angewiesen sind, was gedruckt veröffentlicht wird. Der Transparenz dient der Vorschlag nicht.


Warren Buffett äußerte sich in einem Fernseh-Interview

Warren Buffett hat in einem begleitenden Fernseh-Interview diesen Punkt besonders verteidigt. Er wies darauf hin, dass Vorstände manchmal anfangen zu tricksen, weil sie unbedingt ihre eigenen Prognosen erfüllen wollen. Ein schwaches Argument. Vielleicht hätte eher der Vorschlag in die Liste gehört, Vorstände zu feuern, die tricksen. Natürlich ist es für Konzernchefs unangenehm, wenn sie ihre Ziele verpassen, die Kurse eine Delle bekommen und die Analysten ihnen auf die Nerven gehen. Aber ein bisschen Stress muss man in der Position schon aushalten können, dafür gibt es ja auch reichlich Schmerzensgeld.

Die Mahnung, bei wirtschaftlichen Kennziffern nicht zu sehr von den offiziellen Bilanzpositionen abzuweichen, ist auch zu schwach geraten. Hier wären Konzepte, wie aussagekräftige Quartalsberichte aufzubauen sind, nutzbringender. Die Regel ist ja leider bisher, dass US-Unternehmen die Leser dieser Berichte erst einmal mit einer bunten Auswahl von Zahlen und Fakten, die möglichst positiv klingen, bombardieren, meist auch noch ohne den Vergleich mit dem Vorjahr.

Wer die Zusammenhänge verstehen will, muss zunächst zu den Tabellen im Anhang springen und sich dann weiter vorne die jeweiligen Kommentare zusammensuchen. Der Kreativität bei der Ausgestaltung der Gewinnbegriffe, die das Management in den Vordergrund stellt, sind kaum Grenzen gesetzt. Hier wäre es weitaus sinnvoller, die wirklich wichtigen Größen, nach verbindlichen Maßstäben definiert und mit aussagekräftigen Vorjahresvergleichen, voranzustellen und nüchtern zu kommentieren, statt diese Aufgabe den Analysten zu überlassen, deren Berichte nicht unbedingt jedermann zugänglich sind.

Eine weitere Forderung lautet, dass Großinvestoren Zugang zum Management haben sollten, und umgekehrt Manager auch zu den Entscheidungsträgern bei den Großinvestoren. Auf den ersten Blick sieht das ganz vernünftig aus. Aber gerade im Zusammenhang mit den anderen Vorschlägen drängt sich doch der Eindruck auf, dass hier die Großen unter sich die Dinge besprechen wollen, während das Publikum draußen eher mit noch weniger Information als bisher bedient wird. 

Abigail Johnson, die zurückhaltende, aber überaus selbstständig denkende Fidelity-Chefin, hatte schon Recht, die Finger von dem Papier zu lassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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