Fünf Millionen Dollar: Facebook-IPO brockt Morgan Stanley Strafzahlung ein

Fünf Millionen Dollar: Facebook-IPO brockt Morgan Stanley Strafzahlung ein

Die Pannen beim Facebook-Börsengang haben für den Morgan Stanley finanzielle Konsequenzen. Der US-Bundesstaat Massachusetts verurteilte das US-Geldhaus zur Zahlung von fünf Millionen Dollar. Grund: Banker hätten dem sozialen Netzwerk geholfen sensible Finanzinformationen selektiv zu streuen.

Die Probleme beim Facebook-Börsengang kommen den Konsortialführer Morgan Stanley teuer zu stehen: Die amerikanische Bank muss eine Strafe von fünf Millionen Dollar zahlen, so die Börsenaufsicht des US-Staates Massachusetts. Sie warf der Bank vor, niedrigere Umsatzzahlen nur einigen Analysten und nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Morgan Stanley räumte keine Schuld ein, stimmte jedoch der Zahlung zu.

Kurseinbruch Der tiefe Fall der Facebook-Aktie

Die Börse und Facebook werden einfach keine Freunde. Die Aktie des Sozialen Netzwerks rauscht mal wieder in den Keller. Direkter Auslöser scheint ein kritischer Magazinartikel gewesen sein.

huGO-BildID: 26452085 ILLUSTRATION - Ein Gummi-Bär, Symbol der sinkenden Börsenkurse, steht 08.05.2011 in der Börse in Frankfurt am Main neben einem Smartphone, auf dem das Logo von Facebook zu sehen ist. Nach zwei Tagen an der Börse sieht die Bilanz für Facebook ernüchternd aus: Die Aktie brach am Montag (21.05.2012) in New York um 11 Prozent auf 34 Dollar ein. Foto: Emily Wabitsch dpa (zu dpa «Facebook-Aktie fällt tief: Ausverkauf am zweiten Handelstag» vom 22.05.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Der Vorsitzende der Finanzaufsicht von Massachusetts, William Galvin, begründete die Strafe damit, dass Banker von Morgan Stanley dem sozialen Netzwerk geholfen hätten, sensible Finanzinformationen selektiv zu streuen. Damit seien Analysten missbräuchlich beeinflusst worden.

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Die größten Sorgen von Facebook

  • Die Nutzer bleiben aus

    Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

  • Die Werbung bleibt aus

    Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

  • Die Konkurrenz schläft nicht

    Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

  • Die Staatsmacht greift durch

    Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

  • Die Nerds untergraben das Geschäft

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Im Mittelpunkt des Vorwurfs stand eine Telefonkonferenz mit dem Leiter der Finanzabteilung und den Analysten von Großinvestoren. In der Konferenz wurden Umsatzzahlen vorgestellt, die nicht in den Dokumenten genannt wurden, die Facebook eine Woche vor dem Börsengang bei der Börsenaufsicht einreichte. Die Zahlen waren niedriger als von vielen Analysten erwartet. Den Investoren sei durch das Vorgehen von Morgan Stanley ein deutlicher Nachteil entstanden, erklärte die Börsenaufsicht von Massachusetts.

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Der auch von technischen Pannen begleitete Börsengang im Mai hat die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen und ist Gegenstand mehrerer Klagen. Die Citigroup wurde bereits zur Zahlung von zwei Millionen Dollar verurteilt. Auch die umstrittene Senkung von Geschäftsprognosen durch Banken kurz vor dem IPO steht in der Kritik, die nur an einen ausgewählten Kundenkreis gegangen sein sollen.

Die Facebook-Aktie war nach ihrer mit großer Euphorie erwarteten Erstnotiz schon bald wegen aufkommender Zweifel an den Geschäftsaussichten abgestürzt.

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