Fusion: Null Spielraum an der Börse

KommentarFusion: Null Spielraum an der Börse

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Die EU-Kommission könnte den Börsenchefs Duncan Niederauer und Reto Francioni die Börsenhochzeit verderben

von Hauke Reimer

Der Zusammenschluss von Nyse Euronext und Deutscher Börse droht zu scheitern. Zum Glück.

Reto Francioni und Duncan Niederauer sitzen in der Falle: Die EU-Kommission fordert, dass die Chefs von Deutscher Börse und Nyse Euronext (Börsenkonzern aus New York, Paris und weiteren europäischen Börsen) eine ihrer Derivatebörsen verkaufen. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia fürchtet, dass das neue Börsengebilde sonst ein Monopol im europäischen Derivatehandel haben wird. Die Börsen haben in dieser Woche noch mal eine Fristverlängerung rausgeholt und ein paar marginale Zugeständnisse gemacht. So würden sie ihre Infrastruktur für Wettbewerber öffnen und das Geschäft mit Aktienderivaten zum Teil aufgeben oder verkaufen. Brüssel dürfte das nicht reichen. Viel mehr aber geht nicht.

Denn die Derivatebörsen Eurex (Deutsche Börse) und Liffe (Nyse Euronext) sind die Filetstücke der geplanten neuen Superbörse. Derivate sind Finanzprodukte, mit denen man auf zukünftige Kurse wetten und sich gegen Kursverluste absichern kann. Die Politik will, um besser kontrollieren zu können, mehr dieser Geschäfte über klassische Börsen laufen lassen. Das verspricht neue Geschäftsfelder für Eurex und Liffe. Viel Potenzial birgt auch die Abrechnung von Derivategeschäften. Der Aktienhandel dagegen bietet kaum noch Chancen. Die Gebühren fallen, außerbörsliche Handelsplattformen rollen den Markt auf. Darunter leidet besonders New York, das die Hälfte der Einnahmen mit Aktien macht (Deutsche Börse: zwölf Prozent) und deshalb unbedingt den Derivatehandel braucht. Niederauer sagt deshalb, dass die Fusion nur kommt, wenn Liffe und Eurex bleiben.

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Drei gescheiterte Fusionsversuche

Viel Spielraum haben die Börsen nicht mehr. Wenn sie Brüssel weiter entgegenkommen, droht Gefahr aus Wiesbaden: Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) muss die Fusion ebenfalls abnicken – und ihn interessiert, was mit Frankfurt passiert. Weil das Derivategeschäft der fusionierten Börse von Frankfurt aus geführt werden soll, würde ein Teilverkauf Frankfurt schwächen. Die Frankfurter aber haben in der fusionierten Börse ohnehin die schlechteren Karten: Obwohl ihre Börse wertvoller ist als die Nyse Euronext, konnte Niederauer eine Fusion unter Gleichen aushandeln – und für sich den Posten des Vorstandschefs. Posch fürchtet zu Recht, dass Frankfurt im neuen Börsengebilde untergehen wird, so wie Paris heute in der Nyse Euronext.

Frankfurt hat schon drei grandios gescheiterte Mega-Börsenfusionsversuche hinter sich. Zwei mit London, einen mit Paris, das sich dann lieber New York auslieferte. Dabei machte die deutsche Seite in ihrem Drang, endlich heiraten zu können, meist zu viele Zugeständnisse. Erinnert sei nur an den famosen Plan von Ex-Börsenchef Werner Seifert, den Handel mit Dax-Werten nach London zu geben und nur den Neuen Markt in Frankfurt zu lassen.

Fest steht: Die Deutsche Börse würde auch die nächste Fusionspleite unbeschadet überstehen. Die Frage ist nur, ob das Gleiche auch für Francioni gilt.

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