Fusionen und Übernahmen: Chinesen auf dem Rückzug

Fusionen und Übernahmen: Chinesen auf dem Rückzug

, aktualisiert 18. Juli 2017, 10:57 Uhr
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Übernahme wie die des deutschen Roboter- und Anlagenbauers Kuka durch den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea werden in Zukunft schwieriger möglich sein.

von Peter KöhlerQuelle:Handelsblatt Online

In den vergangenen Jahren hakten chinesische Investoren auf ihrem Einkaufszettel eine europäische Firma nach der anderen ab. Doch das ist vorbei. Der politische Druck von allen Seiten zeigt Wirkung.

FrankfurtDer Boom ist vorerst zum Stillstand gekommen. Die Shoppingtour chinesischer Konzerne in Europa und Deutschland hat den Zentit überschritten. In Deutschland sank die Zahl der Transaktionen im ersten Halbjahr auf 25 gegenüber 35 in der Vergleichszeit des Vorjahres, das Volumen brach um knapp 62 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar ein, geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor. Die Entwicklung in Deutschland folgt dem allgemeinen Trend in Europa, auch in Großbritannien, Italien und Frankreich kam es zu teilweise deutlichen Einbrüchen. Zusammengefasst knickte die Zahl der Deals in Europa um 34 Prozent auf 117 Transaktionen ein, das Volumen von 26,3 Milliarden Dollar entsprach nur noch einem Drittel der Geschäfte aus den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Die Aktivitäten pendelten sich langsam wieder auf Normalmaß ein, heißt es bei EY. „Chinesische Unternehmen schauen sich Übernahmekandidaten heute viel genauer an“, sagt Alexander Kron, Leiter Transaction Advisory Services für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei EY. „Vor allem Zukunftstechnologien sind in ihren Fokus gerückt. Ergeben sich da Gelegenheiten, stehen chinesische Investoren nach wie vor bereit“ meint der Berater.

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Kron glaubt, dass in den kommenden Jahren wieder die alten Rekorde erreicht werden, aber es gibt auch skeptische Stimmen. Denn vor allem der politische Druck von allen Seiten zeigt Wirkung. Während die Regierung in Peking branchenfremden Transaktionen heimischer Konzerne einen Riegel vorgeschoben hat und Deals über zehn Milliarden Dollar derzeit kaum durchwinkt, verunsichert auch die „America-First“-Politik von US-Präsident Donald Trump. Und die Bundesregierung verabschiedete am vergangenen Mittwoch eine Verordnung, mit der eine Abwanderung wichtigen Know-hows in Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU) leichter verhindert werden soll. Dabei steht vor allem der Schutz kritischer Infrastruktur im Fokus – von Krankenhäusern bis zu Stromnetzen.

Die Verordnung ist eine Reaktion auf die Übernahme des Roboter- und Anlagenbauers Kuka durch den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea.

Für Aufsehen hatte auch der Fall Aixtron gesorgt. Im vergangenen Dezember hatte ein Investor aus China den Kauf des Chipanlagenbauers abgeblasen, nachdem die Regierung in Washington die Übernahme des US-Geschäfts des Aachener Unternehmens wegen Sicherheitsbedenken blockiert hatte.

„Der deutliche Rückgang der Deals mit chinesischer Beteiligung kommt aufgrund der politischen Unsicherheit nicht unerwartet. Die politischen Anforderungen sind momentan sicherlich sowohl in Deutschland als auch in China höher als im letzten Jahr“, sagt Christoph Seidel, Deutschlandchef M&A bei der US-Investmentbank JP Morgan in Frankfurt. Transaktionen im Milliardenbereich seien derzeit schwieriger. Damit chinesische Bieter erfolgreich an einem Auktionsprozess teilnehmen könnten, stellten Investmentbanken und Berater heute deutlich höhere Anforderungen an sie als in der Vergangenheit. „Die Transaktionssicherheit steht im Vordergrund“, ergänzt Seidel.

Ganz ausbleiben werden die Käufer aus Fernost allerdings nicht – dafür ist ihr Bedarf an Produkten „Made in Germany“ zu groß. „Auf dem Heimatmarkt sind die Wachstumsperspektiven begrenzt. Für chinesische Manager ist und bleibt Deutschland ein Premium-Standort und zumindest im industriellen Bereich das attraktivste Investitionsziel in Europa“, sagt China-Expertin Yi Sun von EY. Auch der Energie- und Pharmabereich bleibe für die Investoren aus dem Reich der Mitte interessant, weil es in China in diesem Bereich großen Nachholbedarf gebe.

Nur bei gewerblichen Immobilien zeigten sich die Chinesen noch im „Beobachtungsmodus“, beobachtet Sun. Die Konglomerate und Staatsfonds aus China würden jetzt abwarten, bis sich der Pulverdampf verzogen habe, und dann aufs Neue die Möglichkeiten sondieren, meint ein Investmentbanker.

Quelle:  Handelsblatt Online
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