Fusionen und Übernahmen: Dem Fusionsboom droht die Überhitzung

Fusionen und Übernahmen: Dem Fusionsboom droht die Überhitzung

von Christof Schürmann

Mit der geplanten Vonovia-Fusion ist die weltweite Übernahmewelle endgültig in Deutschland angekommen. Einer Analyse zufolge hat das Übernahmegeschäft in diesem Jahr deutlich zugenommen. Doch schon droht ein Abflauen.

Die Übernahmewelle rollt durch Deutschland. Mit 28,3 Milliarden Euro an umgesetzten Transaktionen war das Sommerquartal das stärkste seit 2008. In den ersten drei Quartalen nahm das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (Mergers& Acquisitions/M&A) laut Mergermarket um 5,9 Prozent zu. Während Käufer aus Europa das Interesse verloren haben, legten die Investitionen aus Nordamerika um 29,9 Prozent zu. Bevorzugte Branchen waren die Industrie- und Chemiesektoren mit Gesamtgeschäften von mehr als 14 Milliarden Euro.   

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Rekorddeal Vonovia

Die größte ausländische Übernahme 2015 bisher war die Akquisition der Elster Group durch Honeywell International mit einem Kaufpreis von  4,6 Milliarden Euro. Der Kauf des Kartendienstes Here von Nokia durch BMW, Daimler und Audi für 2,8 Milliarden Euro stach auf der deutschen Seite hervor, daneben noch der Verkauf von Tank&Rast von unter anderem der Deutschen Bank an ein Konsortium rund um die Allianz über 3,5 Milliarden Euro.  Der größte Deal überhaupt dieses Jahr steht allerdings noch an, falls es dem Wohnungskonzern Vonovia gelingen sollte, den Konkurrenten Deutsche Wohnen zu übernehmen. Der Übernahmepreis inklusive Schulden wird auf 14,4 Milliarden Euro geschätzt.  Zeitgleich droht der Automatenhersteller WincorNixdor an den US-Konkurrenten Diebold zu gehen für vergleichsweise geringe 1,7 Milliarden Euro.

Die zehn größten M&A-Deals in Europa 2014

  • 8,7 Milliarden Dollar

    Volumen: 8,7 Milliarden Dollar
    Käufer: Aviva
    Ziel: Friends Life Group
    Branche: Versicherungen

    Quelle: Thomson Reuters, Accenture

  • 9,1 Milliarden Dollar

    Volumen: 9,1 Milliarden Dollar
    Käufer: Volkswagen
    Ziel: Scania
    Branche: Automobil

  • 9,2 Milliarden Dollar

    Volumen: 9,2 Milliarden Dollar
    Käufer: Altice Portugal
    Ziel: Oi SA-PT Portugal Assets
    Branche: Telekommunikation

  • 10,0 Milliarden Dollar

    Volumen: 10,0 Milliarden Dollar
    Käufer: Vodafone Europe
    Ziel: Grupo Corporative ONO
    Branche: Telekommunikation

  • 12,5 Milliarden Dollar

    Volumen: 12,5 Milliarden Dollar
    Käufer: ZF Friedrichshafen
    Ziel: TRW Automotive
    Branche: Automobil

  • 14,2 Milliarden Dollar

    Volumen: 14,2 Milliarden Dollar
    Käufer: Bayer
    Ziel: Merck, Konsumentengeschäft
    Branche: Pharma

  • 16,0 Milliarden Dollar

    Volumen: 16,0 Milliarden Dollar
    Käufer: Novartis
    Ziel: GlaxoSmithKline, Onkologie
    Branche: Pharma

  • 16,9 Milliarden Dollar

    Volumen: 16,9 Milliarden Dollar
    Käufer: Merck
    Ziel: Sigma-Aldrich
    Branche: Chemie

  • 23,1 Milliarden Dollar

    Volumen: 23,1 Milliarden Dollar
    Käufer: Numericable Group
    Ziel: SFR
    Branche: Telekommunikation

  • 25,9 Milliarden Dollar

    Volumen: 25,9 Milliarden Dollar
    Käufer: Holcim
    Ziel: Lafarge
    Branche: Baustoffe

Frühindikator zeigt nach unten

Die Anzahl der deutschen M&A-Deals im Frühstadium ist im dritten Quartal allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,9 Prozent zurückgegangen.  Das zeigen Daten von Intralinks, einem führender Anbieter für Lösungen, mit denen strategische Transaktionen verwaltet werden können. Damit ist das Sommerquartal das zweite Quartal in Folge, in dem in Deutschland einen Rückgang des Frühindikators zu verzeichnen ist:  Im Frühjahr ging der Indikator um 7,1 Prozent bergab.

VW-Abgasskandal bremst

Negative Schlagzeilen rund um den Abgasskandal von VW könnte die Zuversicht in Deutschland künftig zusätzlich beeinflussen, erwartet Intralinks.  „Zuversicht und Vertrauen sind Schlüsselkomponenten, wenn es darum geht wirtschaftliche Rahmenbedingungen aufzubauen, die M&A-Aktivitäten fördern. Deswegen kann der Abgasskandal bei VW auch in diesem Bereich ernste Konsequenzen haben“, sagt Philip Whitchelo, Vizechef Strategie und Produktmarketing bei Intralinks. „Es hat durchaus Kommentare gegeben, in denen das Thema Vertrauen in Deutschland generell angesprochen wurde. Daher könnten negative Entwicklungen in diesem Fall Konsequenzen für das Zuversichtslevel im drittgrößten europäischen M&A-Markt haben.“

Die zehn größten IT-Übernahmen weltweit nach Kaufpreis

  • Platz 10

    Im Jahr 2010 schluckte Microsoft die norwegische Suchmaschine Fast. Das 1997 gegründete Unternehmen ist auf Suchmaschinenprogramme für Firmenkunden spezialisiert. Der Kaufpreis soll 1,2 Milliarden US-Dollar betragen haben.
    Quelle: Statista

  • Platz 9

    2006 übernahm Google Youtube für 1,65 Milliarden US-Dollar. Youtube, damals noch ein defizitäres Start-Up-Unternehmen, war für Google zu diesem Zeitpunkt der teuerste Kauf in der achtjährigen Firmengeschichte.

  • Platz 8

    2014 überrasche Facebook Branchenkenner mit dem Kauf von von Oculus VR. Zwei Milliarden US-Dollar zahlte Facebook für den Hersteller von VR-Brillen, die speziell für PC-Spiele ausgelegt sind. Mit dem Unternehmen hat Mark Zuckerberg großes vor. „Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform überhaupt zu werden“, sagte er anlässlich der Übernahme.

  • Platz 7

    Nur ein Jahr nach der Youtube-Übernahme kaufte Google für sage und schreibe 3,1 Milliarden US—Dollar den Anzeigenriesen Doubleclick. Auch Microsoft, AOL und Yahoo waren interessiert, hatten allerdings das Nachsehen. Schon vor dem Zukauf hatte Google die führende Stellung im Geschäft mit der Internet-Werbung inne. Mit der Übernahme konnte Google diese Position noch weiter ausbauen.

  • Platz 6

    Ähnlich viel wie für Doubleclick zahlte Google für den Kauf Nest Labs: 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Firma, die smarte Thermostate und Rauchmelder herstellt hat für Google ein ganz besonderes Potenzial: Sie ermöglicht Google das Sammeln von Daten in der analogen Welt.

  • Platz 5

    Nur einen Monat, nachdem Google Microsoft Doubleclick vor der Nase weg kaufte, legte Microsoft 2007 nach und kaufte für 6,3 Milliarden US-Dollar Aquantive – einen Wettbewerber Doubleclick. Für Microsoft war das bis dato der größte Zukauf der Firmengeschichte. Letztendlich war es ein Flop für Microsoft.

  • Platz 4

    Im Jahr 2013 kaufte Microsoft für 5,4 Milliarden US-Dollar die Handysparte von Nokia. Bereits seit 2011 hatten beide Unternehmen zusammengearbeitet – Nokia war der wichtigste Hersteller für Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

  • Platz 3

    2011 tätigte Microsoft den bis dato teuersten Kauf seiner Firmengeschichte: Für 8,5 Milliarden US-Dollar übernahm Microsoft den Online-Telefondienst Skype. Rentiert hat sich das bis heute nicht. Skype fehlt es an zahlenden Kunden.

  • Platz 2

    Im August 2011 kündigte Google an, den Mobilfunk-Pionier Motorola Mobility zu übernehmen. Insgesamt 12,5 Milliarden US-Dollar zahlte Google dafür. Interessant seien für Google nach eigenen Angaben vor allem das 17.000 Eintragungen umfassende Patentportfolio Motorolas gewesen. Die Liasion hielt nicht lange. 2014 verkaufte Google das Unternehmen für knapp drei Milliarden US-Dollar an Lenovo.

  • Platz 1

    Im Februar 2014 kündigte Facebook an, den Messanger-Dienst Whatsapp zu übernehmen. Der damalige Kaufpreis: 19 Milliarden US-Dollar. Facebook hat Whatsapp wegen des schnell Nutzerzuwachs übernommen. Mittlerweile hat Whatsapp 700 Millionen Nutzer weltweit.

Überhitzter Markt

Gefahr droht auch von der Preisseite: Denn sowohl  M&A-Profis aus Unternehmen als auch aus Investmentbanken halten die derzeitigen Kaufpreise in vielen Branchen in Deutschland für überhöht. Die Schmerzgrenze potenzieller Käufer sei inzwischen vielfach überschritten. So ein Ergebnis des aktuellen "M&A Panels", bei dem die Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland und das Magazin "Finance" drei Mal jährlich M&A-Chefs deutscher Unternehmen sowie führende Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragen. Die M&A-Profis in den Unternehmen sehen demnach derzeit kaum attraktive Übernahmeziele, während sich die Beratungshäuser über volle Auftragsbücher freuen. In beiden Gruppen ist die Zustimmung zu der These, dass derzeit zu hohe Preise bezahlt werden, seit dem Sommer stark angestiegen und liegt auf einem so hohen Niveau wie noch nie seit Beginn der Befragung im März 2011.  

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