FXDirekt: "Bumslisten verschwinden lassen"

FXDirekt: "Bumslisten verschwinden lassen"

von Annina Reimann

Der Fall des Internet-Brokers wirft Schatten auf die Branche: Banken kooperierten ohne Bedenken, Ermittler waren zu lasch, eine Brokerwahl war wohl manipulationsanfällig. FXdirekt hat Ungereimtheiten im Oktober bestritten. Heute schweigt die Bank.

Die E-Mail an die Mitarbeiter der FX-direkt Bank klang eindringlich: "Ich bitte Sie darum, umgehend alle Schreibtische und Büros aufzuräumen", hieß es in der Ansage unter dem Betreff: "Besuch". Vor allem die "Bumslisten" müssten "vorübergehend verschwinden". Bumslisten, so sollen in der Bank die Listen von zahlungskräftigen Kunden genannt worden sein, die von Kundenbetreuern zum Handeln auf der Plattform des Online-Brokers gedrängt werden sollten.

In den letzten Wochen dürfte bei FXdirekt wieder so einiges verschwunden sein. Die Finanzaufsicht BaFin ließ sich außerplanmäßig in Oberhausen blicken. Sie habe, heißt es aus Kreisen der Bank, gerade eine weitere Sonderprüfung im Haus beendet. Im Kern ging es um die Frage, ob Händler des Online-Brokers die Preise für außerbörsliche Produkte im Rahmen halten – oder ob sie es mit der Preisstellung zum Nachteil der Kunden übertreiben. FXdirekt ist Market Maker, das heißt, die Bank stellt die An- und Verkaufskurse für ihre Kunden.

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Aufseher waren informiert und reagierten nicht

Die WirtschaftsWoche hatte über zweifelhafte Geschäftsmethoden bei dem Finanzinstitut berichtet, das Kunden ausgeplündert haben soll. Die Bank hatte Unregelmäßigkeiten in einer Stellungnahme zum ersten Bericht Anfang Oktober bestritten. Seither hat sie Fragen der Redaktion nicht mehr beantwortet.

Der Fall FXdirekt wirft Schatten auf die Arbeit von Aufsehern und Staatsanwälten. Sie sind offenbar seit Jahren über Probleme bei der Bank informiert – und taten im Ergebnis nichts. Staatsanwälte ermittelten wegen Betrug und Unstimmigkeiten bei einer Brokerwahl und stellten die Verfahren wieder ein.

FXdirekt "more silver... push... push..."

Interne E-Mails geben einen schockierenden Einblick in das Innenleben des Internet-Brokers FXdirekt. Ein Geschäftsführer treibt Mitarbeiter mit Druck an, Kunden in riskante Produkte zu jagen.

Quelle: dpa

Verschwundene Bänder

FXdirekt-Mitarbeiter sollen die BaFin-Prüfer nach allen Regeln der Kunst an der Nase herumgeführt haben. Kurz bevor die angemeldeten Prüfer anrückten, sollen gut informierte Mitarbeiter versetzt worden sein. Andere sollen dazu gedrängt worden sein, sich krankschreiben zu lassen, damit Prüfer nicht mit ihnen sprechen konnten.

Interessiert waren Aufseher an Aufzeichnungen der Telefonate mit Kunden. Sie wollten prüfen, ob Kundenbetreuer der Bank Anleger beraten haben. Anlageberatung war dem Broker verboten. In den FXdirekt-Büros soll es Apparate gegeben haben, deren Gespräche nicht aufgezeichnet wurden. Mitarbeiter sollen gewusst haben, welches Telefon zu benutzen war, wenn wieder mehr Umsatz gebraucht wurde. Offenbar stellten Führungskräfte vor einem Besuch der Aufseher Mitarbeiter ab, die Bänder abhören sollten. Bänder von Gesprächen, in denen Kunden beraten worden seien, sollen abhanden gekommen sein, sagen Insider.

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3 Kommentare zu FXDirekt: "Bumslisten verschwinden lassen"

  • Obwohl es seit Jahren ein offenes Geheimnis ist, dass vermutlich nicht alles 100%ig bei dem ein oder anderen CFD Broker läuft, scheinen Medien und Überwachung doch eher Papiertiger zu sein. Jetzt ist mal ein Broker unter Beschuß und währenddessen schießen fünf neue Broker aus dem Boden, die gerne auch mal der zypriotischen Finanzaufsicht unterliegen ;-) Aber die Kunden wollen es wohl so. Anders kann ich mir nicht erklären, wie man Versprechungen wie "in 20 Minuten werden Sie zum Trader" glauben kann. Bei der Aussage in 20 Minuten werden Sie zum Gehirnchirugen würde es evtl. klingeln. Übrigens: Mit dem DAX konnten Anleger dieses Jahr über 22% verdienen, einfach über die Börse im überwachten Markt und ohne wilde Währungspaare oder Rohstoffspekulationen.

  • Die FXdirekt Bank ist ein weiteres Beispiel, wie Kunden von Banken ausgenommen werden. Skandalös ist, dass Beweismittel vernichtet werden und dies bei der Staatsanwaltschaft und Aufsichtsbehörde als normal und nicht strafbar angesehen wird, obwohl Kundenkorrespondenz über Jahre archiviert werden muss. Mangel an Beweisen ist falsch, richtig ist, dass die Strafanzeigen eingestellt wurden mit nichtnachvollziehbaren Begründungen. Fehlende Notarstempel und fehlende Anschriften auf Urkunden beim Registergericht sind ebenso normal. Viele Anleger scheitern heute über Fristen. Alles nicht wirklich verwunderlich, das Spiel geht weiter bis der Großteil der Bürger über Inflation und/oder Anlegerverluste verarmt ist.

  • Warum ist die WiWo dann nicht konsequent und stoppt die Werbung ähnlicher Broker wie 500plus oder Werbung mit Renditeversprechen von 12% oder mehr auf der eigenen Seite?
    Achja, man muß ja Geld verdienen...

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